Peters Tagebuch vom FCC-Trainingscamp: Heiße Kartoffeln auf der Produktionsstätte

Antalya.  Peter Hagen ist mit dem FC Carl Zeiss Jena ins Trainingslager in die Türkei geflogen. Am dritten Tag stehen statt Strandläufen am Mittelmeer Trainingseinheiten auf der „Produktionsstätte“ an.

Kevin Kratzsch beim Training in Antalya.

Kevin Kratzsch beim Training in Antalya.

Foto: Peter Hagen

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Sand! Endlich geht’s zum Strand. Das erste Mal bei diesem FCC-Trainingscamp. Aber alleine, denn die Hoffnung auf einen Strandlauf der Mannschaft, der schönste Bildmotive versprochen hätte, erfüllt sich nicht. Das Team läuft seine Morgenrunde auf festem Grund und rückt nach dem Frühstück wieder ab zum Trainingsgelände.

Während der FC Carl Zeiss am dritten Antalya-Tag auf dem Rasen Schnelligkeit und Taktik mit dem Ball trainiert, bleibt wenigstens Zeit für einen kurzen Strand-Spaziergang. Und dann kommt der Kollege auf die Idee, bis zum Mittagsessen eine Runde Squash zu spielen. Eine Sportart, die ich bislang nur von der DDR-Spielkonsole mit dem längst vergessenen Namen „BSS 01“ als Abkürzung für Bildschirmspiel 01 kannte. Im Fitnesscenter neben der Squash-Halle absolvieren Ole Käuper und Dominic Volkmer ein Individualtraining. Also heißt es: keine Schwäche zeigen und wenigstens eine Stunde durchhalten! Die Rache namens Muskelkater dürfte sicher sein.

Nach der Mittagsruhe geht es wieder mit der Mannschaft zum Sportkomplex. Vom Hotel immer die Hauptstraße entlang in Richtung Flughafen, aber rechtzeitig an einer typisch türkischen Neubau-Ruine, die wohl mal ein Mehrfamilienhaus werden sollte, rechts abbiegen.

Zumindest diente das bisher als Wegmarkierung. Seit Mittwoch aber gibt es einen noch markanteren Abbiege-Hinweis. Schwerbewaffnete und teils vermummte Polizisten pflegen unmittelbar an dieser Einmündung wohl an jedem Nachmittag eine scharfe Kontrolle des stadteinwärts fließenden Fahrzeugverkehrs vorzunehmen. Ein Foto davon? Lieber nicht.

Jetzt sind es noch 500 Meter, bis das Auto abgestellt wird. Links der Straße gackern die Hühner auf einem Hof, rechts der Straße auf dem Trainingsgelände im „Spor Kompleksi“ gibt’s „heiße Kartoffeln“ auf einer „Produktionsstätte“. Was es damit auf sich hat? Dazu muss man ins nichtgeschriebene Wörterbuch der Trainersprache schauen.

„Produktionsstätte“ nennt Trainer Rico Schmitt das Spielfeld. Dort befindet sich der Arbeitsplatz seiner Mannschaft, die beginnend in zwei Wochen Sieg um Sieg einfahren muss, um den Klassenerhalt in der dritten Liga zu schaffen. Zwei Teams sind beim Training eingeteilt, die auf Kleinfeld den Ball mit der Hand spielen und lediglich die Tore regelkonform mit Kopf oder Fuß einnetzen sollen. Hält jemand den Ball zu lange in der Hand, ruft Co-Trainer René Klingbeil „heiße Kartoffel“, um ans schnelle Abspiel zu erinnern.

Allmählich steigt die Spannung vor dem ersten von drei in Antalya vorgesehenen Testspielen. Anpfiff gegen den türkischen Erstligisten Büyükşehir Belediye Erzurumspor wird am Freitag um 11.30 Uhr mitteleuropäischer Zeit sein. Welche Erkenntnisse wird es fürs Trainergespann geben? Fakt ist: Es muss nach einer verkorksten Hinrunde die Kartoffeln aus dem Feuer holen – und die sind verdammt heiß.

Live-Blog: Der FCC trainiert in Antalya gegen den Abstieg

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