AfD und Grüne neu im Kreistag Saale-Orla - Soziale Initiative Pößneck ist raus

Schleiz  Der Kreistag Saale-Orla wird in der kommenden Legislaturperiode nicht mehr aus sieben, sondern acht Parteien beziehungsweise Wählervereinigungen bestehen. Erstmals ziehen die Grünen und die AfD in das Kommunalparlament.

Eileen und Matthias Förster geben unter Aufsicht von Wahlhelfer Uwe Hammerschmidt (v.l.) im Wahllokal Moßbach ihre Stimmen ab.

Eileen und Matthias Förster geben unter Aufsicht von Wahlhelfer Uwe Hammerschmidt (v.l.) im Wahllokal Moßbach ihre Stimmen ab.

Foto: Peter Cissek

Die Soziale Initiative Pößneck (SIP) und damit Constanze Truschzinsky verliert ihren einzigen Sitz. Die bisherige Große Koalition aus CDU und SPD ist rechnerisch nicht mehr möglich. Bis auf die Unabhängige Bürgervertretung (UBV) und die FDP haben alle im Kreistag Saale-Orla vertretenen Parteien und Wählergemeinschaften kräftig an Stimmen verloren. Nach Auszählung von 170 von 171 Stimmbezirken am Montag gegen 18.25 Uhr (Ranis fehlt noch) kommt die CDU auf 15 (-4) Sitze, die AfD auf neun (+9), die UBV auf sieben (+1), Die Linke auf sechs (-4), die SPD auf vier (-4), die FDP auf drei (+1), die Grünen auf zwei (+2) und SIP auf null (-1). Die CDU kommt auf 31,9 Prozent der gültigen Stimmen, die AfD auf 20,7, die UBV auf 14,8, die Linke auf 13,4, die SPD auf 8,6, die FDP auf 5,7, die Grünen auf 4,0 und die SIP auf 0.8 Prozent.

Die Wahlbeteiligung lag mit 62,2 Prozent höher als 2014, als sie 54,1 Prozent betrug. Alle Parteien bedankten sich bei den Wählern für das Vertrauen.

„Die CDU geht aus der Kreistagswahl als mit Abstand stärkste kommunale Kraft im Landkreis hervor. Zugleich wird mit insgesamt sieben Parteien im neuen Kreistag die Mehrheitsfindung herausfordernder. Als größte Fraktion und als Partei, die den Landrat stellt, haben wir dabei eine besonderer Verantwortung. Eine klassische Koalitionsbildung dürfte schwierig werden, so dass künftig Entscheidungen zu Sachthemen mit wechselnden Mehrheiten gefunden werden müssen“, sagte der CDU-Kreisvorsitzender und Schleizer Landtagsabgeordnete Stefan Gruhner. Für die CDU stehe im Vordergrund, dass „wir in der Sache zu guten Entscheidungen für den Landkreis kommen. Über die künftige Arbeitsweise unserer Fraktion werden wir uns in den nächsten Tagen mit unseren neuen Kreistagsmitgliedern verständigen“, so Gruhner.

„Wahlniederlage für Verhinderer“

Uwe Thrum, Sprecher des AfD-Regionalverbandes Saale-Orla und Landtagskandidat aus Hirschberg, freute sich, dass seine Partei „aus dem Stand heraus von den Bürgern zur zweitstärksten Kraft auf Landkreisebene erklärt wurde. Die Kampagnen der Medien und die aufgeblasenen Listen der Wettbewerber taten uns keinen Abbruch. Um unser Land weiter grundlegend zu reformieren und die Ziele für unseren Landkreis durchzusetzen, werden wir mit aller Kraft für eine Stimmenmehrheit zur Landtagswahl kämpfen. Wir reden im Kreistag mit jedem. Eine gute Zusammenarbeit mit der UBV ist durchaus vorstellbar“, so Thrum.

UBV-Vorsitzender Andreas Scheffczyk zeigte sich „sehr glücklich darüber, dass wir ein Mandat mehr im Kreistag erzielen konnten. Ob wir unsere Wahlziele umsetzen können, wird mit der veränderten Situation im Kreistag zusammenhängen. Die bisherigen Verhinderer vieler unserer Anträge sind erheblich geschwächt worden und neue Parteien sind in den Kreistag einzogen. Wir arbeiten mit jedem zusammen, dessen Zielen wir zustimmen können und der wie wir sich für die Interessen der Bürger einsetzt“, sagte Andreas Scheffczyk.

„Nach aktuellem Stand haben wir Liberalen einen Sitz dazu gewonnen und somit Fraktionsstatus erreicht. Das wäre ein wesentliche Verbesserung für unsere Arbeit und würde mich als stellvertretende Kreisvorsitzende natürlich besonders freuen. Die Anzahl der Fraktionen hat sich erhöht und somit wird sich auch inhaltlich und in der Umsetzung die Arbeit im Kreistag verändern. Jedoch ist das Ergebnis mehr als alarmierend mit Blick, was das für die anstehenden Landtagswahlen im Herbst bedeuten kann. Das Aussitzen und Weitermachen wie bisher ist keine Option“, teilte Sandra Scherf-Michel aus Remptendorf mit. SPD-Kreisvorsitzender Frank Roßner aus Pößneck sprach von einer bitteren Wahlniederlage, an der es nichts zu beschönigen gäbe. „Die Art und Weise, in der in unserer Gesellschaft Wahlmandate vergeben werden, hat sich fundamental gewandelt. Stimmungen spielen eine immer wichtigere Rolle. Dafür hat die SPD momentan kein adäquates Angebot für den Wähler gefunden“, bedauerte er.

„Große Parteien haben an Authentizität verloren“

Während sich der Linke-Kreisvorsitzende Philipp Gliesing erst mit seinen Genossen beraten will, bevor er ein Statement abgibt, sagte Steve Richter, Sprecher der Grünen im Saale-Orla-Kreis: „Wir sind mit dem Wahlergebnis zufrieden, denn wir ziehen erstmals in den Kreistag Saale-Orla ein, auch wenn uns für die Fraktionsstärke bestehend aus drei Personen ein Mandat fehlt. Die drei großen Parteien haben an Authentizität und an Zustimmung in der Bevölkerung verloren. Falls der Landrat eine Zusammenarbeit wünscht, weiß er, wo er mich erreicht. In einer Koalition muss sich aber jede Partei profilieren können.“ Constanze Truschzinsky aus Pößneck bedauerte, dass sie mit ihrer SIP den Wiedereinzug nicht geschafft habe. „Wenn die SIP im Kreistag nicht gebraucht wird, werde ich meine Themen wie Kosten der Unterkunft über die Gewerkschaftsarbeit in die Kreispolitik reintragen.“ Landrat Thomas Fügmann (CDU) bilanzierte: „Das Regieren wird nicht einfacher. Ich hoffe aber trotzdem, dass alle, die ein Mandat bekommen, in erster Linie das Wohl des Landkreises sehen und demzufolge die Zusammenarbeit mit der Kreisverwaltung einschließlich Landrat suchen. Denn wir wollen gemeinsam den Landkreis voran bringen. Deshalb bin ich guter Hoffnung, dass wir auch in dieser Konstellation zu guten Ergebnissen kommen“, sagte Fügmann, der mit 9451 die meisten Stimmen erhielt, aber sein Mandat nicht annimmt, um Landrat bleiben zu können.

Diese Kandidaten kommen mit folgender Stimmanzahl voraussichtlich in der Kreistag

CDU mit 15 Sitzen

  • Herrgott, Christian 4501
  • Gruhner, Stefan 3487
  • Modde, Michael 2283
  • Hanna, Allam 1683
  • Weiße, Ralf 1158
  • Franke, Thomas 1011
  • Sachse, Carsten 924
  • Gersdorf, Katrin 902
  • Neumüller, Alex 888
  • Weidermann, Thomas 833
  • Chudasch, Jonas 830
  • Bias, Marko 752
  • Völlm, Arnfried 738
  • Orosz, Peter 730
  • Zapf, Marcel 651
Die Linke mit 6 Sitzen
  • Rebelein, Dieter 4404
  • Kalich, Ralf 3627
  • Lukas, Almut 2255
  • Möller, Klaus 659
  • Weithase, Helga 424
  • Hofmann, Thomas 343
AfD mit 9 Sitzen
  • von Brandenstein, Wolfram 6170
  • Thrum, Uwe 5988
  • Bergner, Heiko 3440
  • Bohnhardt, Marc 1187
  • Bentz, Manfred 1060
  • Heidrich, Stefan 1038
  • Fischer, Jörg 900
  • Otto, Regina 884
  • Rham, Matthias 872
SPD mit 4 Sitzen
  • Kanis, Regine 1871
  • Roßner, Marc 1744
  • Feike, Anette 1330
  • Kleebusch, Enrico 603
FDP mit 3 Sitzen
  • Seidel, Marco 1639
  • Ortwig, Volker 1353
  • Scherf-Michel, Sandra 1039
UBV mit 7 Sitzen
  • Scheffczyk, Andreas 3959
  • Kleindienst, Wolfgang 3253
  • Querengässer, Gerd 1658
  • Weigelt, Thomas 1110
  • Fiedler, Marcus 718
  • Weidermann, Frank 514
  • Meyer, Christian 486
Die Grünen mit 2 Sitzen
  • Geiler, Janina 1475
  • Richter, Steve 1184

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