Arbeitskreis-Mitglieder „erbost“ über Corona-Richtlinie

Erfurt.  Einrichtungen zur Erziehungshilfe sollen aus dem freistaatlichen Etat Geld bekommen, um die Corona-Folgen zu mildern – mit einer Ausnahme.

Von einem Tag auf den anderen mussten Mutter/Vater-Kind-Einrichtungen auch in Thüringen auf Ganztagsbetreuung von Kindern und Unterstützung der Eltern umstellen und an vielen Stellen zusätzliche Beschäftigungsangebote schaffen. Bei den Corona-Hilfen des Freistaates sind diese Einrichtungen im Gegensatz zu anderen Erziehungshilfe-Einrichtungen bisher nicht berücksichtigt (Symbolfoto).

Von einem Tag auf den anderen mussten Mutter/Vater-Kind-Einrichtungen auch in Thüringen auf Ganztagsbetreuung von Kindern und Unterstützung der Eltern umstellen und an vielen Stellen zusätzliche Beschäftigungsangebote schaffen. Bei den Corona-Hilfen des Freistaates sind diese Einrichtungen im Gegensatz zu anderen Erziehungshilfe-Einrichtungen bisher nicht berücksichtigt (Symbolfoto).

Foto: Foto: Julian Stratenschulte / dpa

In dieser Woche soll die Richtlinie finalisiert werden, mit der die Verteilung von 5,5 Millionen Euro zugunsten von anerkannten Einrichtungen zur Erziehungshilfe geregelt wird. Vier Monate nach dem Beschluss des Hilfspaketes können diese Einrichtungen nun darauf hoffen, dass ihnen ein Stück des finanziellen Mehraufwandes im Zuge der Corona-Pandemie abgenommen wird – mit einer Ausnahme:

Gegen die Nicht-Berücksichtigung regt sich Widerstand

Mutter/Vater-Kind-Einrichtungen werden nicht bedacht. Formal gehören sie auch nicht zu den sogenannten HzE-Einrichtungen. Ihre Nicht-Berücksichtigung geht es aus einem Entwurf der Richtlinie hervor, der dieser Zeitung vorliegt und wurde vom Bildungsministerium auf Anfrage bestätigt. (diese Zeitung berichtete). Dagegen regt sich Widerstand. Der Arbeitskreis „Mutter/Vater-Kind-Einrichtungen“ der Landesarbeitsgemeinschaft schreibt in einem Brief an Bildungsminister Helmut Holter (Linke): „Es erbost uns, dass unsere Anstrengungen und der belegbare Mehraufwand von bis zu 20 Prozent Betreuungsstunden durch Sie und Ihr Haus negiert werden.“

Unterzeichnet haben das Schreiben, das dieser Zeitung vorliegt, die Arbeitskreisvorsitzende Wencke Mohr und Arbeitskreis-Mitglied Sandy Kirchner.

Im Bildungsministerium bleibt man indes hart

In dem Brief gehen die beiden Vertreterinnen der Einrichtungen darauf ein, dass im Zuge der Schließung von Kindergarten, Hort und Schule auch in den Mutter/Vater-Kind-Einrichtungen jegliche Entlastungssituation entfallen ist und die Teams von einem Tag auf den anderen für eine Rundumbetreuung aufgestellt werden mussten – in der Regel ohne zusätzliches Personal.

Im Bildungsministerium bleibt man indes hart. Auf Anfrage erklärte ein Sprecher: „Ein coronabedingter Mehrbedarf ist nach nochmaliger Prüfung des Anliegens nicht erkennbar.“ Überdies sei von den Jugendämtern kein erhöhter Bedarf für den Bereich angemeldet worden und die Mutter/Vater-Kind-Einrichtungen gehörten nicht zu den Hilfe zur Erziehung (HzE)-Einrichtungen, die von der Förderung profitieren sollen.