Wiesbaden. Boris Rhein erzielte in Hessen einen fulminanten Wahlsieg. Verliererin des Abends: SPD-Kandidatin Nancy Faeser. Die FDP musste zittern.

- Die CDU hat die Landtagswahl in Hessen mit großem Vorsprung gewonnen. Nach Auszählung aller Stimmen holten die Christdemokraten um Ministerpräsident Boris Rhein am Sonntag 34,6 Prozent der Stimmen, wie aus dem Internetportal des hessischen Landeswahlleiters in der Nacht zum Montag hervorging.

Die SPD um Bundesinnenministerin Nancy Faeser erlebte am Sonntag ein Debakel und kam nur auf 15,1 Prozent. Zweitstärkste Kraft wurde die AfD mit 18,4 Prozent gefolgt von den Grünen mit 14,8 Prozent. Die FDP musste um den Wiedereinzug ins Parlament bangen, sie erreicht letztlich fünf Prozent. Die Linke schied aus - und die Freien Wähler verpassten den Sprung in den Landtag.

Die CDU verbuchte unter Rhein im Vergleich zur vorherigen Landtagswahl vor fünf Jahren deutliche Zugewinne, damals hatten sie 27 Prozent erreicht. „Die Bürgerinnen und Bürger haben einen klaren Regierungsauftrag an die CDU Hessen erteilt“, sagte Rhein in Wiesbaden vor Anhängern. „Wir werden den Regierungsauftrag annehmen“, fügte er an.

Ministerpräsident Rhein bot sowohl SPD als auch Grünen und FDP Gespräche über eine Zusammenarbeit an. „Wir werden eine Regierung bilden aus der Mitte dieser Gesellschaft, aus der Mitte des Landes“, sagte er.

Grüne für Fortsetzung der Koalition

Für Grünen-Spitzenkandidat Al-Wazir zeigte die Wahl, dass es in Hessen keine Wechselstimmung gibt. „Und ich finde, das ist auch ein deutlicher Hinweis darauf, was die Bürgerinnen und Bürger auch von uns in den nächsten Wochen erwarten“, sagte er mit Blick auf eine mögliche Fortsetzung der Koalition von CDU und Grünen.

Vorläufiges Endergebnis der Landtagswahl in Hessen

ParteiErgebnis
CDU  34,6 Prozent
SPD  15,1 Prozent
Grüne  14,8 Prozent
FDP  5,0 Prozent
Linke  3,1 Prozent
AfD  18,4 Prozent
Freie Wähler  3,5 Prozent

Quelle: dpa

SPD-Spitzenfrau mit viel Gegenwind

SPD-Spitzenkandidatin Faeser nannte das Ergebnis „sehr enttäuschend“ und beklagte, viel Gegenwind gehabt zu haben. Auf die Frage, ob sie SPD-Landesvorsitzende bleibe, sagte sie im ZDF: „Das werden wir sehen in den nächsten Tagen und Wochen.“ In der ARD äußerte sie sich zuversichtlich, ihr Ministeramt in Berlin fortführen zu können. „Ich habe sehr viel Solidarität heute aus Berlin erhalten.“

SPD-Parteichef Lars Klingbeil hatte ihr zuvor den Rücken gestärkt. Sie habe beim Thema Migration große Erfolge vorzuweisen und bei der Reform des europäischen Asylsystems „einen großen Verhandlungserfolg“ erzielt. Co-Chefin Saskia Esken sagte dem Sender Welt TV, Faeser habe als Innenministerin bislang einen „großartigen Job“ gemacht. „Den soll sie auch weiterhin tun, denn es sind wichtige Aufgaben.“ SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert sagte in der „Berliner Runde“ der ARD, die Parteispitze stehe klar hinter Faeser.

FDP zeigt auf die Ampel im Bund

Die hessische FDP-Vorsitzende Bettina Stark-Watzinger führte das schwache Abschneiden ihrer Partei auch auf die Ampel-Koalition im Bund zurück. „Alle drei Koalitionsparteien haben Einbußen hier in Hessen hinnehmen müssen“, sagte die Bundesbildungsministerin.

'Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Die AfD-Vorsitzende Alice Weidel zeigte sich hocherfreut über das Abschneiden ihrer Partei. „Unsere Politik gibt uns recht“, sagte Weidel. Sie wertete die Stärke ihrer Partei auch als Zeichen für die Unzufriedenheit der Menschen mit der „Verbotspolitik“ der Bundesregierung. Mit Blick auf den Bund sprach sie von einer realistischen Chance auf eine Regierungsbeteiligung 2025.

Die Linke-Parteivorsitzende Janine Wissler äußerte sich schwer enttäuscht. „Es ist so bitter, dass wir unsere Arbeit nicht weiter fortsetzen können“, sagte sie mit Blick auf ihr Heimatland Hessen, wo die Linke nicht mehr im Landtag vertreten sein wird. Immens geschadet hätten auch die Spekulationen über eine Parteineugründung durch die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht.

Schwarz-Grün regierte bislang mit knapper Mehrheit

Seit knapp 25 Jahren wird Hessen von der CDU regiert, seit fast zehn Jahren gemeinsam mit den Grünen. Rund 4,3 Millionen Wahlberechtigte waren in Hessen aufgerufen, ihre Kreuzchen zu machen. Insgesamt hat das Bundesland in der Mitte Deutschlands mehr als sechs Millionen Einwohner.(fmg)