Das große Politiker-Ranking: Ramelow führt vor Tiefensee

Erfurt  Der Ministerpräsident liegt dank Amtsbonus klar vor CDU-Herausforderer Mohring. AfD-Politiker Björn Höcke wird am schlechtesten beurteilt.

Ministerpräsident Bodo Ramelow (Mitte) bei einer Wanderung in Gera. Er ist der Landespolitiker, dessen Arbeit die Menschen in Thüringen mit Abstand am positivsten beurteilen.

Ministerpräsident Bodo Ramelow (Mitte) bei einer Wanderung in Gera. Er ist der Landespolitiker, dessen Arbeit die Menschen in Thüringen mit Abstand am positivsten beurteilen.

Foto: Peter Michaelis

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Der Amtsbonus wirkt: Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) ist der Landespolitiker, dessen Arbeit die Menschen in Thüringen mit Abstand am positivsten beurteilen. Nur Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) kommt ihm nahe.

So lautet das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Erfurter Meinungsforschungsinstituts Insa im Auftrag dieser Zeitung. Die Erhebung bestätigt, dass Oppositionsführer Mike Mohring (CDU) noch viele Wahlberechtigte von sich überzeugen muss, während der ­AfD-Landesvorsitzende Björn Höcke auf die größte Ablehnung im Land stößt.

1000 Menschen in Thüringen befragt

Die Frage, die in den vergangenen Wochen rund 1000 Menschen ab 18 Jahren am Telefon oder online gestellt wurde, lautete: „Inwiefern vertreten die folgenden Thüringer Politikerinnen und Politiker Ihre Interessen?“ Als positive Antwortmöglichkeiten wurden „voll und ganz“ und „eher“ angeboten, als negative Optionen „eher nicht“ und „überhaupt nicht“. Zudem konnten die Befragten angeben, den Politiker oder die Politikerin nicht zu kennen, sich unentschieden äußern oder keine Angaben machen.

Ramelow genießt als Regierungschef mit 94 Prozent die höchste Bekanntheit. Zudem findet fast jeder zweite Befragte, dass seine Interessen durch den Linken vertreten werden.

Auf Platz 2 des Rankings folgt Minister Tiefensee. Ebenso wie Ramelow profitiert er von einem hohen Bekanntheitsgrad, der auch aus seiner Zeit als Leipziger Oberbürgermeister und Bundesminister herrühren dürfte.

SPD profitiert bisher kaum von Tiefensees Popularität

Trotzdem profitiert die SPD, deren Vorsitzender und Landtagswahl-Spitzenkandidat Tiefensee ist, bislang kaum von seiner Popularität. Obwohl fast 40 Prozent der Thüringer ihre Interessen von Tiefensee vertreten sehen, wollen nur zehn Prozent die SPD wählen – also noch weniger als zur Landtagswahl 2014, als die Partei auf 12,4 Prozent der Zweitstimmen kam.

Auf Platz 3 liegt mit einiger Distanz Heike Taubert. Die Finanzministerin und Vizeministerpräsidentin, die 2014 als SPD-Spitzenkandidatin antrat, kennen immerhin 72 Prozent der Befragten. Die positiven Beurteilungen von ihr (28 Prozent) halten sich mit den negativen (27 Prozent) die Waage.

Nur 27 Prozent finden, dass Mohring ihre Interessen vertritt

CDU-Landes- und Fraktionschef Mohring – der am Wochenende von seiner Partei als Spitzenkandidat für die Landtagswahl im Oktober bestätigt wurde – hat sich mit 78 Prozent den dritthöchsten Bekanntheitswert erarbeitet. Doch nur 27 Prozent finden, dass er ihre Interessen vertritt – und 34 Prozent nicht.

Insgesamt schneidet Mohrings Parteivize Birgit Diezel, die auf Platz 2 der Landesliste gesetzt wurde, sogar noch etwas besser ab. Zwar kennen die Landtagspräsidentin nur zwei Drittel der Befragten, und ihr Positivwert liegt bei 22 Prozent. Gleichzeitig beurteilen sie aber auch nur 26 Prozent negativ.

56 Prozent fühlen sich nicht durch Höcke vertreten

Aus dem Rahmen fallen die Werte von AfD-Chef Höcke. Auf der einen Seite ist er nach Ramelow der Landespolitiker, den die meisten Thüringer kennen. Auf der anderen Seite fühlen sich 56 Prozent nicht durch ihn vertreten, davon sogar 46 Prozent „überhaupt nicht“. Die Zustimmung zu Höcke liegt mit 14 Prozent deutlich unter dem Umfragewert der Thüringer AfD – wobei es eine Differenz zwischen den Geschlechtern gibt. 18 Prozent der Männer sehen Höcke positiv; unter den Frauen sind es nicht einmal halb so viele.

Schließlich ist da noch Dieter Lauinger (Grüne). Nach der Affäre um die Prüfungsbefreiung seines Sohnes kennen 61 Prozent der Thüringer den Justizminister. Aber auch sein Negativwert ist mit 33 Prozent unter allen Ministern der höchste. Nur jeder Zehnte sieht seine Interessen durch Lauinger vertreten.

Leitartikel: Der menschliche Faktor

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