Direktkandidaten für den Wahlkreis 194 Robby Schlund (AfD)

Wünschendorf  Direktkandidaten für den Wahlkreis 194 Robby Schlund (AfD) würde das Gesundheitswesen umbauen

Robby Schlund kandidiert für die Alternative für Deutschland im Bundestagswahlkreis Gera-Greiz-Altenburg.

Robby Schlund kandidiert für die Alternative für Deutschland im Bundestagswahlkreis Gera-Greiz-Altenburg.

Foto: Peter Michaelis

Zum Thüringer Wahlkampfauftakt seiner Partei Mitte August steht er in Gera mit auf der Bühne. Er will in den Bundestag. Der Arzt im weißen Kittel. Zu Hardrock-Klängen entledigt er sich des Kleidungsstückes. So als hätte er es satt, diesen Beruf auszuüben. „Das sollte so nicht rüberkommen“, sagt der Mediziner, der heute eine Privatpraxis in der Geraer Jägerstraße betreibt. Das mit dem Kittel sei eine Regieanweisung gewesen. Vom Kamerateam, das kleine Werbefilmchen für Facebook dreht. Für den Wahlkampf, in den der gebürtige Geraer heute auch mit bewegten Bildern einsteigen will.

Mit der Politik wollte der 50-Jährige nichts mehr zu tun haben. „Nie wieder“, hatte er sich gesagt. Vorausgegangen war ein Mitgliedsjahr in der FDP. Die Partei verlässt er wieder als Korruptionsvorwürfe gegen den Geraer Unternehmer Percy Wessely laut werden und der damalige stellvertretende Landesvorsitzende der FDP wegen Bestechung 2008 verurteilt wird und ins Gefängnis muss.

Robby Schlund ändert seine Meinung 2012. Seine Frau ist Russin. Als er in jenem Jahr in Moskau weilt, so erzählt er, wird er an die Hochschule für Ökonomie eingeladen, weil ein deutscher Professor dort sprechen soll. „Bis dahin bezog sich meine Welt auf die Patienten. Eine kleine Unzufriedenheit hatte ich mit dem Euro“, erzählt der Kandidat.

Der Volkswirtschaftler Joachim Starbatty aus Tübingen spricht damals über die Konsequenzen des Bündnisses Europäische Union. Schlund erinnert sich, dass der Professor starke inner- und zwischenstaatliche Differenzen vorhergesehen habe. Und den massiven Flüchtlingsstrom, sagt er. Starbatty war zunächst Mitglied des wissenschaftlichen Beirates der Alternative für Deutschland, dann Parteimitglied. Im Gründungsjahr 2013 tritt auch Robby Schlund der AfD bei. „Mit meiner Mitgliedschaft und meinem Beitrag wollte ich die Partei dabei unterstützen, den einheitlichen Euro-Währungsraum aufzugeben“. Im Sommer 2015 erklärt der Professor seinen Austritt aus der Partei und kritisiert den rechtspopulistischen Kurs.

Im selben Sommer, so beschreibt es Robby Schlund, wird er „richtig aktiv“. Es ist jenes Jahr, in dem Flüchtlinge nach Europa streben und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den Satz prägt: „Wir schaffen das“. „Ich wusste nicht, dass das so schnell eintritt, was Professor Starbatty in Moskau gesagt hat“, meint Schlund und sagt, dass die Kanzlerin „von der Hand in den Mund lebt, ohne strategische Lösungen, ohne Visionen“.

Realpolitik sei laut Schlund gut für Karrieristen und Glücksritter, die Lösungen aussitzen. Mit Visionen sei man als Politiker immer angreifbar. „Es lebt sich leichter in der Politik, wenn man die nicht hat“, beobachtet er und will selbst ein Mann sein, der konzeptionelle Politik betreibt – eine Mischung aus Taktik und Strategie.

Innerparteilich sei es als stellvertretender Landessprecher – er betreut das Amt von seiner Geraer Praxis aus – seine Aufgabe, die Leitlinien für die Kreisverbände in Thüringen zu erarbeiten. Er ist der Mann, der im Hintergrund arbeitet und bisher nicht durch laute Töne auffiel. Der „alternativen Mitte“, die sich am ersten Septemberwochenende gründete, schloss er sich nicht an. „Ich gehöre zum Flügel und stehe hinter Gauland und Höcke. Die sind konsequenter“, erklärt Schlund, der auf Listenplatz 4 im Land steht.

Die Leitlinien sollen nach der Bundestagswahl verabschiedet werden. Weil er in Wünschendorf mit seiner Frau, seinen beiden Töchtern, 15 und elf Jahre alt, und seinem zweieinhalbjährigen Sohn zu Hause ist, gehört er dem Kreisverband Greiz/Altenburg an. „Das ist der mit 80 Mitgliedern kleinste im Land“, erzählt der 50-Jährige. Der Stadtverband Gera hat heute 58 Mitglieder und ist Teil des Kreisverbandes Gera, Jena, Saale-Holzland mit 140 Beitragszahlern. Thüringen zählt aktuell rund 980 AfD-Mitglieder.

Er, der sich einige Jahre mit Betriebswirtschaft beschäftigt hat, will von Berlin aus das Gesundheitswesen um- und dabei 80 Prozent Bürokratie abbauen. „Das Helfersyndrom bei uns Ärzten wiegt schwerer als das Kalkulieren. Wenn das Helfen beschränkt wird, kommen wir in persönliche Konflikte. Wie bei mir“, sagt er. Wie Bürokratie reduziert werden könne, wolle er im Detail noch nicht sagen. „Es gibt Kopierverhalten“, erklärt er zum Schutz seiner Idee. „Wenn wir Ärzte reguliert und drangsaliert werden, verhindert das vernünftige Therapien. Da reicht es, einen Sachbearbeiter hinzusetzen“, sagt Robby Schlund.

Nachdem er sich vier Jahre als Offizier auf Zeit in der Nationalen Volksarmee verpflichtet hat, studiert er Medizin in Jena und promoviert 2005. Er arbeitet als Stationsarzt an der Kurklinik Bad Lobenstein, später als Chefarzt im Geraer Gesundheitstreff Impuls und eröffnet 2006 eine orthopädische Kassenpraxis. 2011 geht sie im Medizinischen Versorgungszentrum des SRH Wald-Klinikums auf, ehe er Anfang 2017 die Anstellung löst. Heute behandelt er Patienten in seiner Privatpraxis, 20 Stunden die Woche, wie er sagt. Am liebsten würde er zehn Wahlkampftermine am Tag machen, „aber ich will ja noch eine Familie ernähren“, sagt der Mann, der sich statt mit Sport derzeit mit Elektro-Myo-Stimulationstraining fit hält.

Auf Musik steht er tatsächlich. Deutsche Musik, Schlager und Pop. Die Hardrock-Klänge hat „Traff“ eingespielt. Robby Schlund kenne den Bassisten aus Petersburg und sonst keine Band, die Wahlkampfauftritte für die AfD begleiten würde.

Zur Person

50 Jahre alt und wurde in Gera geboren

Er ist verheiratet, Vater von drei Kindern und wohnt heute in Wünschendorf

Schlund studierte Medizin in Jena und ist Facharzt für Orthopädie und Sportmedizin

Für die AfD in Thüringen ist er seit November 2016 der stellvertretende Landessprecher.