Endstation Rechts klärt auf: NPD hetzt gegen Asylbewerber um jeden Preis

Weimar  Asylbewerber schlagen einen Sympathisanten der Rechtsextremen zusammen! Mit diesem Facebook-Post versucht die NPD, Stimmung gegen Flüchtlinge zu machen. Die SPD-nahe Seite „Endstation Rechts“ deckt die Mischung aus Halbwahrheiten und Lügen auf.

Eine vom thüringischen Pegida-Ableger und dem Landesverband der NPD veröffentlichte Nachricht verbreitete sich seit Montag rasant bei Facebook. Darin wurde der Eindruck erweckt, Asylbewerber hätten einen Sympathisanten der Rechtsextremen zusammengeschlagen. Eine gefährliche Mischung aus Halbwahrheiten und Lügen, um weiter Stimmung gegen Flüchtlinge zu machen. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Eine vom thüringischen Pegida-Ableger und dem Landesverband der NPD veröffentlichte Nachricht verbreitete sich seit Montag rasant bei Facebook. Darin wurde der Eindruck erweckt, Asylbewerber hätten einen Sympathisanten der Rechtsextremen zusammengeschlagen. Eine gefährliche Mischung aus Halbwahrheiten und Lügen, um weiter Stimmung gegen Flüchtlinge zu machen. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

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Sömmerda wurde Anfang der Woche Mittelpunkt einer Auseinandersetzung zwischen zwei Gruppen von Asylbewerbern. Eine Gruppe von Kosovo-Albanern hatte mehrere Eritreer bedroht. Vorausgegangen war dem Ganzen eine Konfrontation während eines Volleyballspiels einen Tag zuvor. Die Ermittlungen zu den genauen Umständen sind noch im Gange. Die NPD trägt zur Aufklärung auf ihre ganz eigene Weise bei.

„In Sömmerda haben vor wenigen Stunden 20 Syrer versucht einen Jugendclub mit Zaunslatten und diversen anderen Gegenständen zu attakieren“ (Rechtschreibfehler des Originaltextes übernommen). Der 19-jährige NPD-Nachwuchskader Franz Kotzott veröffentlichte am Montag (27. Juli 2015) diese Schlagzeile auf seinem Facebook-Profil. Von dort aus verbreitete sich die Nachricht in Windeseile - angefüttert mit weiteren „Informationen“. Wie die Seite „Endstation Rechts“ dokumentiert, erklärte Thügida, der regionale Ableger von Pegida, dass die besagten 20 Personen den Jugendclub nicht nur attackiert, sondern dort auch „immensen Schaden“ angerichtet hätten - unter der Augen der anwesenden Polizei, die nichts unternahm. Im selben Wortlaut findet sich die Meldung eine Minute später auf der Seite des NPD-Landesverbands Thüringen wieder. Insgesamt wird der Beitrag sieben Mal überarbeitet.

Um dem brisanten Thema eine persönliche Note zu verleihen, kommt laut „Endstation Rechts“ ein gewisser Jens ins Spiel. Sein Foto, auf dem eine schwere Gesichtsverletzung zu erkennen ist, bebildert den Beitrag. Als Bildunterschrift ist zu lesen: „Auch ‚Jens‘ wurde Opfer in Sömmerda. Sein Kopf wurde auf einen Betonmülleimer geschlagen. Sind Deutsche nur nur Freiwild?‘ Die ersten Morddrohungen gegen „Drecks Asylanten“ ließen nicht lange auf sich warten.

Person namens Jens wird angeblich von Asylbewerbern verprügelt

Einen Tag später griffen mehrere Regionalmedien den Vorfall auf, auch die TLZ: Vor dem Jugendclub gab es in der Tat eine Auseinandersetzung zwischen Kosovo-Albanern und Eritreern. Der Club wurde jedoch nicht gestürmt; die Polizei war schnell vor Ort. Eine Person namens Jens taucht allerdings weder im TLZ-Artikelnoch in der polizeilichen Pressemitteilung auf - dafür aber in einer Pressemitteilung der NPD. Die hatte noch am Abend des 27. Juli eine Spontanversammlung „gegen Ausländergewalt“ angemeldet, auf der „auch der aus dem Krankenhaus entlassene Deutsche“ zu Wort kam.

Die Redaktion von „Endstation Rechts“ recherchierte - und wurde auf einen zwei Wochen zurückliegenden Fall aus Sömmerda aufmerksam: Zwei Männer hatten eine körperliche Auseinandersetzung mit einer spanischsprachigen Person. Ein 37-Jähriger erlitt dabei Kopfverletzungen. Der Zusammenhang zwischen beiden Vorfällen: Jens‘ Verletzungen werden für den Eklat vor dem Jugendclub instrumentalisiert.

Die NPD trägt maßgeblich zur Verbreitung derariger Halbwahrheiten bei, indem sie Nachrichten vermischt und diese über soziale Netzwerke verbreitet. Schaltstellen wie der Greizer David Köckert wissen um die virtuelle Energie. Der 36-Jährige ist Landesorganisationsleiter der NPD und meldete zwei Thügida-Aufmärsche an. Auch er veröffentlichte - noch vor Thügida und NPD - die Nachricht vom Aufstand der Asylbewerber auf seinem Facebook-Profil. „Endstation Rechts“ erklärt: „Gezielt werden Halbwahrheiten verbreitet, die vor allem dem Ziel dienen, die ohnehin oft feindselige Stimmung gegen Asylbewerber weiter aufzuheizen.“

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Der ausführliche Beitrag mit den Dokumentationen von „Endstation Rechts“

TLZ-Artikel „Streit unter Flüchtlingen löst rechte Demo und Polizeieinsatz in Sömmerda aus“

Studie der Uni Jena widerlegt Klischees über Rechtsextremismus

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