Ersatzkassenforderung bringt Unruhe in bedrohte Kliniken

Weimar  Weimarer Professor Fünfstück: Alle medizinischen Leistungen in den Krankenhäusern sollen auf den Prüfstand gestellt werden

Reinhard Fünfstück freut sich auf die kommende Tagung in Weimar. Foto: Michael Reichel Foto: Michael Reichel

Reinhard Fünfstück freut sich auf die kommende Tagung in Weimar. Foto: Michael Reichel Foto: Michael Reichel

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„Das ist unmöglich.“ Professor Reinhard Fünfstück findet deutliche Worte dafür, dass der Verband der Ersatzkassen jüngst acht Klinikstandorte infrage stellte. Fünfstück, der Ärztlicher Direktor des Weimarer Klinikums und zugleich Sprecher des mitteldeutschen Verbandes der Leitenden Krankenhausärzte ist, hält diesen Einwurf in der Diskussion um den neuen Krankenhausplan für kontraproduktiv. Nicht nur, weil er das an sich „gute Verhältnis zwischen den Kassen, den Krankenhäusern und dem Ministerium belastet“, sondern auch weil er Patienten und die Mitarbeiter in den betroffenen Kliniken stark verunsichere. „Das wiederum wirkt sich auf die Motivation der Belegschaft aus – etwas, was wir wirklich nicht gebrauchen können“, so Fünfstück.

Der Verband der Leitenden Krankenhausärzte wolle sich gar nicht gegen notwendige Änderungen im Gesundheitswesen sperren. „Wir stehen dazu, dass man Veränderungen einleiten und mittragen muss, auch um den stetig steigenden Ansprüchen der Bevölkerung an die Leistungsfähigkeit des Gesundheitswesens gerecht zu werden. Aber eine Forderung wie die des Ersatzkassenverbandes trägt nur sehr viel Unruhe in die Krankenhäuser.“

Fünfstück plädiert dafür, alle medizinischen Leistungen in den Krankenhäusern auf den Prüfstand zu stellen und zu schauen, ob sie in der notwendigen Qualität – gemessen an internationalen Standards – angeboten werden. Davon sollten dann die Krankenhausplanung und auch die Vergütung abhängen. Immer nur die Bettenzahl im Blick zu haben, das hält Fünfstück auch in Anbetracht der demografischen Entwicklung und der wachsenden Zahl von älteren Patienten mit einer Häufung schwerer Erkrankungen für falsch.

Der Mediziner, selbst Nierenspezialist, hält es für dringend geboten, Ärzte im Bereich der Infektionsmedizin zu qualifizieren, damit in klinischen Einrichtungen Präventions- und Bekämpfungsmaßnahmen gegen multiresistente Erreger noch besser greifen. „In den 1990er Jahren gab es das Problem von Patienten mit solchen Erregern noch nicht in diesem Maße, deshalb wurden zum Beispiel Dreibettzimmer in den Kliniken eingerichtet. Doch solche Patienten muss man in separaten Einheiten behandeln.“ Das braucht entsprechende räumliche und personelle Voraussetzungen. Notwendig aus Fünfstücks Sicht ist auch der Ausbau der stationären alters- und palliativmedizinischen Versorgung, die in jedem Falle wohnortnah und flächendeckend angeboten werden müsse. „Es nützt Angehörigen in Weimar zum Beispiel wenig, wenn die Oma im Eichsfeld behandelt wird und die Familie sie kaum besuchen kann. Die betagte Patientin muss wohnortnah Hilfe erhalten.“

Die fachlichen und strukturellen Voraussetzungen für eine Krankenhausplanung, „die den Erwartungen der Menschen entspricht und zugleich ökonomisch vertretbar ist“, sieht Fünfstück gegeben, allein schon durch vielen neuen, modernen Einrichtungen in Thüringen und die hohe fachliche Kompetenz der Ärzte und Pflegekräfte. Doch um tragfähige Konzepte für die Zukunft zu finden, sei es notwendig, dass „die Meinungen der Krankenhaus- und der niedergelassenen Ärzte gehört und Arbeitsgruppen gebildet werden, die überlegen, wie zum Beispiel geriatrische und palliative Versorgung geleistet werden kann“.

Reinhard Fünfstück spricht sich auch für die Überwindung der starren Grenzen zwischen ambulantem und stationärem Bereich aus. Die weitere Öffnung der Krankenhäuser für die ambulante Versorgung sei zu fördern, um die vorhandenen Ressourcen besser auszunutzen. Das bedeute Mehrarbeit für die Krankenhäuser, die natürlich sachgerecht vergütet werden müsse.

Um die medizinische Versorgung rationaler zu organisieren, gewinnen aus Fünfstücks Sicht zudem sowohl die Kooperation von Krankenhäusern an Bedeutung als auch die Bildung von fachspezifischen Zentren. „Solche Zentren sind nicht nur klinikintern, sondern auch zwischen Krankenhäusern unterschiedlicher Träger sinnvoll.“