Gemeinderatssitzung für Erhalt der Ohratalbahn im fahrenden Zug

Mit einer öffentlichen Sitzung in der Regionalbahn zwischen Crawinkel und Gotha kämpfte der Gemeinderat Crawinkel gestern Abend für den Erhalt der Ohratalbahn.

Bahnsteig 5: Auf dem Gothaer Hauptbahnhof forderte der Gemeinderat Crawinkel den Erhalt der Ohratalbahn. Foto: Peter Riecke

Bahnsteig 5: Auf dem Gothaer Hauptbahnhof forderte der Gemeinderat Crawinkel den Erhalt der Ohratalbahn. Foto: Peter Riecke

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Crawinkel/Gotha. Bestens beheizt war die Regionalbahn 16 770, die gestern um 19.37 Uhr von Crawinkel aus losfuhr in Richtung Gotha. Der Triebwagen war ungewöhnlich gut gefüllt, die Bahn heimste ein Zubrot ein: 140 Euro steckte Petra Eckert in den Fahrkartenautomaten für das Thüringenticket der Sonderreisegruppe - bestehend aus dem Gemeinderat Crawinkel und rund einem Dutzend engagierter Bürger.

Das Geld investierten die Crawinkler gern, denn sie wollen das drohende Aus der Ohratalbahn zwischen Gotha und Gräfenroda (wir berichteten) unbedingt verhindern. Onno Eckert, erst seit wenigen Monaten als SPD-Bürgermeister im Amt, hatte die Idee der Gemeinderatssitzung im Zug: "Wir können noch so viele Beschlüsse bei uns zu Hause fassen - was wir brauchen, sind Botschaften, die bis nach Erfurt dringen." Auf dem Bahnsteig des Gothaer Hauptbahnhofs votierte der Gemeinderat daher geschlossen für die Forderung des Bürgermeisters an das Land Thüringen, die Entscheidung "zu überdenken und zu revidieren".

Die gute halbe Stunde von Crawinkel bis Gotha nutzte das Gemeindeparlament tatsächlich für reguläre Ratsarbeit. Es ging dabei zum Beispiel um die Farbgestaltung des Kindergartens und um die Neugestaltung des Friedhofs. Beim Zwischenstopp in Ohrdruf gab es eine Überraschung: Auf dem Bahnsteig spielte der Posaunenchor der Landeskirchlichen Gemeinschaft "Auf der schwäb’sche Eisebahne" und als Kontrastprogramm "Jetzt kommen die lustigen Tage".

Ohrdrufs CDU-Stadtratsvorsitzender Thomas Kratsch fuhr mit nach Gotha und übte für den Erhalt der Ohratalbahn den Schulterschluss mit dem Crawinkler SPD-Bürgermeister. Beide zählten auf, welche gravierenden Nachteile für Tourismus und Wirtschaft ohne die Bahnline entstünden.

Crawinkels Ex-Bürgermeister Stefan Schambach (SPD) ergänzte: "Was fehlt, ist ein Haltepunkt im Gewerbegebiet Ohrdruf." Die dortigen 3000 Arbeitnehmer könnten zur Erhöhung der Ohratalbahn-Fahrgastzahlen beitragen.

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