„Grünes Band“ hat mit Problemen zu kämpfen: Prestigeprojekt fehlen Autos

Erfurt  Probleme bei der Ausschreibung: Stiftung Naturschutz Thüringen stockt Personal auf, kann es aber kaum einsetzen.

Spaziergänger laufen auf dem ehemaligen Kolonnenweg im Naturschutzgebiet Grünes Band.

Spaziergänger laufen auf dem ehemaligen Kolonnenweg im Naturschutzgebiet Grünes Band.

Foto: Michael Reichel/dpa

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Die vom Freistaat gegründete Stiftung Naturschutz Thüringen, die vom Landesvorsitzenden der Grünen, Denis Peisker, als Geschäftsführer geleitet wird, hat mit Problemen zu kämpfen: Sie bekommt kein Angebot für dringend benötigte Allrad-Autos – trotz öffentlicher Ausschreibung und obwohl die Stiftung, die 2017 über etwa zehn Millionen Euro Grundstockvermögen verfügte, sogar Dieselautos akzeptieren würde.

Dabei lief erst alles nach Plan: Rot-Rot-Grün verabschiedete Ende 2018 im Landtag das Grüne-Band-Gesetz. Damit wurde der ehemalige innerdeutsche Grenzstreifen als Nationales Naturmonument unter Naturschutz gestellt.

„Die müssen mobil sein, im Idealfall mit Autos.“

Im April 2019 wurde Denis Peisker, der im Februar dieses Jahres als Dezernent für Stadtentwicklung in Jena abgelöst wurde, Geschäftsführer der Stiftung Naturschutz.

Dann ging es an die Personalaufstockung: Zu den 15 Mitarbeitern der Stiftung sollen ab November elf Gebietsbetreuer kommen. Sie sollen sich um den Zustand des Grünen Bands kümmern – drei in der Geschäftsstelle in Erfurt, acht entlang der ehemaligen Thüringer Westgrenze. Das sind 763 Kilometer auf teils unwegsamem Gelände.

„Um das Projekt Grünes Band mit Leben zu erfüllen, benötigen wir Gebietsbetreuer“, sagt Geschäftsführer Peisker. „Die müssen mobil sein, im Idealfall mit Autos.“

Bei der ersten öffentlichen Ausschreibung am 9. August für die „Lieferung von 10 Allrad-Pkw“ suchte man Autos mit „Turbodieselmotor mit Dieselpartikelfilter, möglichst mit Ad-Blue“. Hubraum: mindestens 1550 Kubikzentimeter. Leistung: 80 bis 110 Kilowatt.

Frist verlängert

Doch am 6. September veränderte die Stiftung plötzlich die Ausschreibung. Unter Hinweis auf die „gegenwärtige Marktsituation“ wurde ein neues Bieterverfahren mit verlängerter Frist gestartet. Zwei Dinge waren dabei neu: Gesucht wurden jetzt „9 Allrad-Pkw“ – und keine Dieselautos mehr. Nun heißt es: „Kraftstoffart nicht festgelegt, bitte angeben“.

Genau drei Tage vor der zweiten Ausschreibung, also am 3. September, hatte unsere Zeitung beim Vorsitzenden des Stiftungsrats, Umweltstaatssekretär Olaf Möller (Grüne) aus Jena, in der Angelegenheit nachgefragt. „Warum will sich die Stiftung Dieselfahrzeuge anschaffen? Was spricht aus Ihrer Sicht für diese Motorisierung?“ lauteten einige der Fragen.

Er sei vom Umweltministerium über die Anfrage informiert worden, sagt Peisker. Aber die zweite Ausschreibung, drei Wochen vor Ablauf der ersten Bewerbungsfrist gestartet, habe andere Gründe. „Es gab keine Angebote. „Deshalb haben wir die Frist verlängert.“

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren