Hoffnung für Industriegebiet Goldene Aue

Görsbach  Thüringens Wirtschaftsminister folgt Einladung nach Görsbach. Rundgang durchs Dorf bietet viel Gesprächsstoff. Fürs Industriegebiet bittet Tiefensee noch um Geduld.

Den Rundgang durch Görsbach führte Siegfried Junker an

Den Rundgang durch Görsbach führte Siegfried Junker an

Foto: Marco Kneise

Wenn ein Thüringer Minister wie Wolfgang Tiefensee (SPD) ein kleines Dorf wie Görsbach besucht, dann ist das für Siegfried Junker (SPD) ein besonderer Moment. Nicht weil dieser der Einladung gefolgt ist, sondern weil er die einmalige Gelegenheit hat, dem Wirtschaftsminister in einer kleinen Runde durchs Dorf den Ort zu zeigen, dem er 22 Jahre lang als Bürgermeister vorstand.

Stolz lenkt Junker gleich zu Beginn das Thema auf den zweifachen Nachwuchs, der sich in Adebars Nest eingestellt hat und für den Ort seit Jahren ein Aushängeschild ist. Nach dessen Besichtigung mittels Live-Übertragung aus dem Schaufenster im Haus darunter geht es hurtigen Schrittes durch die holprige Beethovenstraße. Zuletzt machte diese durch die aktuelle Grünflächendiskussion im Zuge des grundhaften Ausbaus und der sich nun anschließenden Neugestaltung auf sich aufmerksam. Bewohner bemängelten hier vor allem das Grün vor den Häusern. Es würde zu viel Arbeit machen und müsse daher reduziert werden.

Vor dem Dorfgemeinschaftshaus angekommen, erzählte Junker die Anekdote, dass dort bereits napoleonische Soldaten aus dem Fenster geschaut haben sollen. Zudem entbrannte vor Ort das Gespräch um den Breitbandausbau und ob beim Verlegen aller Kabel und Rohre zuletzt vorsorglich auch an sogenannte Leerrohre gedacht wurde. Doch so tief steckte da Junker nicht in der Materie, so dass dieses Thema vom Minister unbeantwortet blieb. Vielleicht wäre es da dann doch klug gewesen, die amtierende Bürgermeisterin Angela Simmen (pl) mitzunehmen. Am Ende entschied wohl die Parteizugehörigkeit, denn eingeladen hatte der SPD-Kreisverband.

Dennoch schlossen sich auch nicht politisch tätige Einwohner dem Rundgang gezielt an, um die Gelegenheit zu nutzen, dem Minister Fragen zu stellen. Schnell war man da beim Industriegebiet Goldene Aue, das seit Jahren als versiegelte Betonfläche vor sich hin vegetiert. Viele Bewohner der Goldenen Aue haben es längst abgeschrieben, doch Tiefensee nutzte das Stichwort, um auszuholen. Denn vor seinem Besuch informierte sich der Wirtschaftsminister explizit zu dieser Problematik. So legte Tiefensee eine lange Liste von Unternehmen vor, die angefragt haben, beziehungsweise die angefragt wurden. Aktuell sind es sechs konkrete Anfragen, von denen eine „sehr groß und sehr interessant“ sein soll, macht Tiefensee neugierig, ohne einen Namen zu nennen. Hingegen geht er mehr ins Detail dazu, was zuletzt nicht zur Ansiedlung im Sommer des vergangenen Jahres führte. „Es gab einen ganz einfachen Grund. Die Planungen des Unternehmens, welches deutschlandweit aufgestellt ist, waren so weit, dass es sich an die Beschäftigten wenden konnte. Jedoch schob der Betriebsrat dieses Großunternehmens einen Riegel vor und verhinderte es, indem gesagt wurde, dass die Arbeitsplätze am Stammwerk bleiben müssen“, so Thüringens Wirtschaftsminister. Auch sei es kein Geheimnis, dass der chinesische Batteriezellen-Hersteller Catl diesen Standort lange geprüft hat, aber sich schlussendlich für das Erfurter Kreuz entschied, zuletzt sogar dort das Gelände des insolventen Photovoltaik-Unternehmens Solarworld kaufte.

Doch Tiefensee ist mehr als zuversichtlich, ja sogar „100 Prozent sicher“, dass es im Industriegebiet Goldene Aue in den nächsten Monaten voran geht. Daher bittet er um ein bisschen Geduld. „Wir wollen nicht die Erstbesten nehmen. Es ist so ein großes und so gutes Gebiet, das man nicht irgendwie kleinteilig verschleudern sollte und am Ende nur Logistiker hat.“ Das lange Warten auf eine Ansiedlung in dieser „Perle“ würde sich lohnen.

„Gelohnt“ hat sich auch der Ausbau des Albrecht-Dürer-Platzes. Nur erschließt sich dem Ministers dabei nicht der angepriesene integrierte Fahrradweg, da dieser nicht als solcher kenntlich gemacht ist und aktuell zudem durch parkende Autos blockiert war. Jedoch ergab sich daraus das Gespräch zum Öffentlichen Personennahverkehr, bei dem Görsbach sogar einen Bahnhof vorzuweisen hat.

An der Kulturscheune angekommen, zeigte sich Tiefensee positiv beeindruckt. So sehr sogar, dass er Görsbach bei adäquaten Terminen gern als positives Beispiel anbringen möchte, was man im ländlichen Raum alles erreichen kann.

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