Jena: Gefahr sinkender Standards in integrativen Kindergärten abgewendet

Die physiotherapeutische Betreuung im Kindergarten für Mädchen und Jungen mit Handicap ist nun doch in der bisherigen Qualität gesichert! Genau deshalb wollten am Mittwoch Sabine Kämnitz und Dirk Strecker vom Eltern-Arbeitskreis "Integratives Lernen" ein Lob an "die Stadt" loswerden.

Der kleine Ole machte das auch sehr gern im Integrativen Kindergarten Kochstraße: Mittagessenversorgung der schwerstbehinderten Linn, die nur über Sonde ernährt werden kann. Mit im Bild: Heilpädagogin Sylvia Dönicke. Foto: Thomas Stridde

Der kleine Ole machte das auch sehr gern im Integrativen Kindergarten Kochstraße: Mittagessenversorgung der schwerstbehinderten Linn, die nur über Sonde ernährt werden kann. Mit im Bild: Heilpädagogin Sylvia Dönicke. Foto: Thomas Stridde

Foto: zgt

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Jena. Das vorherige Drama beschrieb Sabine Kämnitz, selbst Heilpädagogin in der betroffenen Integrativen Kindertagesstätte Kochstraße: Die Krankenkassen hatten die Rahmenbedingungen für die Physiotherapie gekündigt und setzen auf das neue Modell einer "Interdisziplinären Frühförderstelle" (IFF), das bereits den politischen Segen der Landesregierung gefunden hat.

Nur hätten sich so, wie es Dirk Strecker formulierte, "Rückschritte in der Versorgung" für die kommunale Kita Kochstraße und die Integrative Kita "Schwabenhaus" des Querwege e.V. abgezeichnet: weniger Behandlungszeit, veränderte Kostensätze, Nichtberücksichtigung der Elterngesprächszeit ...

Jena wolle sich nicht per se dem IFF-Modell mit seinen Komplexleistungen verschließen, sagte gestern Christine Wolfer, Fachdienstleiterin für Jugend und Bildung bei der Stadt. "Aber wir müssen nicht in einem Probelauf dabei sein unterm Fokus, dass etwas schlechter wird, das bisher gut lief." – Deshalb habe man bei mehreren Treffen an einem "Runden Tisch" danach gesucht, was für die Familien am besten ist.

Auch sei es essentiell, so erläuterte Sabine Kämnitz, dass die Therapie für die zum Teil mehrfach schwer behinderten Kinder in den Kita-Tag integriert wird. "Nachmittags schaffen die Eltern das nicht."

Die Lösung bietet jetzt der Verein Querwege: Der Trägerverein eröffnet eine eigene Physiotherapie-Praxis, über die die Entgelte finanziert werden, bestätigte gestern Geschäftsführer Tasso Carl, "weil nicht jenen Kindern das Leben schwer gemacht werden darf, die es eh schon schwer haben. Wir wehren uns gegen die Absenkung von Standards." Eine Therapeutin arbeitet dann für das "Schwabenhaus", wo allein 14 Kinder ständigen Physiotherapie-Bedarf haben.

An die neue Praxis wird aber auch eine weitere Vollzeitstelle gebunden, die sich die beiden in der Kochstraße etablierten Therapeutinnen teilen. "Wir wollen dieses Know-how sichern", sagte Tasso Carl, der überdies einschätzte, dass das Praxis-Projekt für den Querwege-Verein ein "recht hohes Risiko" darstelle. Insofern hoffe der Verein, "dass die Stadt uns unterstützt".

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.