Jüdische Landesgemeinde in Thüringen fordert Bleiberecht für geflüchtete Jesiden

Elena Rauch
| Lesedauer: 2 Minuten
Nach dem Genozid flüchteten Jesiden aus ihren Heimatorten, bis heute leben sie in prekären Bedingungen im Nordirak und sind Diskriminierungen ausgesetzt.

Nach dem Genozid flüchteten Jesiden aus ihren Heimatorten, bis heute leben sie in prekären Bedingungen im Nordirak und sind Diskriminierungen ausgesetzt.

Foto: Antonio Pampliega / picture alliance / dpa

Erfurt.  Mit einem Brief an die Bundesregierung fordert die Jüdische Landesgemeinde in Thüringen Schutz für die hier lebenden Jesiden – aus einem besonderen Anlass.

Die jüdische Landesgemeinde setzt sich für ein dauerhaftes Bleiberecht der nach Deutschland geflüchteten Jesiden ein. Gerade mit Blick auf den bevorstehenden Holocaustgedenktag sei es der Landesgemeinde wichtig, auch an den Völkermord an den Jesiden zu erinnern, begründet der Vorsitzende Reinhard Schramm den Vorstoß.

„Unseres Erachtens muss anerkannt werden, dass Jesidinnen und Jesiden einer Gruppenverfolgung ausgesetzt sind“, heißt es in einem Brief an die Bundesregierung. Menschen, die wegen ihres Glaubens verfolgt werden, sollten unbedingt Schutz erhalten.

„Wir sind dankbar für diese Unterstützung“, so der Vorsitzende der Jesiden-Gemeinde in Thüringen, Murad Murad. „Sie verstehen unsere Situation.“ Etwa 840 Jesiden leben allein in Thüringen, fast niemand habe Asylstatus, ihre Anträge werden wie die aller Geflüchteten aus dem Irak behandelt. Gerade erst habe er eine Familie besucht, die eine Absage erhielt und jetzt vor einer ungewissen Zukunft steht.

Fehlendes Interesse an der Lebenssituation der Jesiden

In ihrer Heimat in der nordirakischen Sindschar-Region, wo der IS 2014 mehr als 5000 Jesidinnen und Jesiden ermordete, Frauen vergewaltigte und verschleppte, würden die Menschen bis heute diskriminiert und angefeindet, hätten keine Lebensgrundlage, keine Zukunft und überlebten unter prekären Bedingungen in Flüchtlingslagern. Weder die Regierung in Bagdad noch die Behörden des kurdischen autonomen Gebiets hätten irgendein Interesse an der Lebenssituation der Jesiden.

Der damalige Migrationsminister Dirk Adams habe ihm im vergangenen Jahr zugesichert, alle abgelehnten Asylanträge von Jesiden in Thüringen zu prüfen. „Wir haben ihm die Liste geschickt, aber es passierte nichts“, konstatiert Murad Murad. Die Aussetzung von Abschiebungen abgelehnter Bewerber würde vielen nicht helfen, weil sie mit diesem Status ihre Familien nicht in Sicherheit holen können. „Das ist für Betroffene kaum aushaltbar.“

Erst in der Vorwoche erkannte der Bundestag die Gräueltaten des IS an den Jesiden als Genozid an. Jetzt müssten Konsequenzen folgen, fordern die Unterzeichner des Briefs, zu denen auch der Freundeskreis Israel im Landtag gehört.