Mehr Transparenz: Lehrer in Thüringen erhalten einheitliche Mail-Adressen

Erfurt  Alle 21.600 Lehrer, Erzieher, Sonderpädagogen und Lehramtsanwärter in Thüringen erhalten standardisierte Mail-Adressen. Lehrerverband und Opposition bezeichnen den Schritt als überfällig.

Die Pädagogen und Erzieher sollen über ihren Namen und die Domäne @schule.thueringen.de erreichbar sein.

Die Pädagogen und Erzieher sollen über ihren Namen und die Domäne @schule.thueringen.de erreichbar sein.

Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Die chaotische E-Mail-Kommunikation an den staatlichen Schulen in Thüringen soll sich deutlich verbessern. Ab diesem Herbst werden standardisierte Adressen für alle 21.600 Lehrer, Erzieher, Sonderpädagogen und Lehramtsanwärter bereitgestellt. Das bestätigten Bildungs- und Finanzministerium auf Anfrage.

Die Pädagogen und Erzieher sollen über ihren Namen und die Domäne @schule.thueringen.de erreichbar sein. Vor allem für die Eltern sind damit auch Fachlehrer einfacher erreichbar als bisher.

Derzeit ist es innerhalb der Schulen sowie zwischen Eltern und Lehrern kompliziert, elektronisch Kontakt aufzunehmen. Die Pädagogen verwendeten E-Mail-Adressen der Schulen oder private Postfächer.

Das soll nun anders werden. Die Organisation von Klassenfahrten, die Einladung zu Elternabenden oder zur Beantwortung von Elternfragen werde jetzt leichter, sagte Kultusminister Helmut Holter (Linke). „Mit den Dienst-E-Mail-Adressen schaffen wir eine zentrale Lösung für den Informationsaustausch, die Vernetzung und Terminabstimmung.“

Nach einer Ausschreibung wurde ein Berliner Mittelständler beauftragt, den Großauftrag umzusetzen. Dabei habe man ein besonderes Augenmerk auf den Datenschutz und die IT-Sicherheit der Postfächer gelegt, sagte Finanzstaatssekretär Hartmut Schubert (CDU), der für die Digitalisierung der Landesverwaltung zuständig ist.

So lägen die Postfächer in einem deutschen Rechenzentrum, das den strengen Anforderungen der Datenschutzgrundverordnung unterliege. Zudem sei es möglich, einzelne E-Mails zu verschlüsseln und die Kommunikation somit zusätzlich zu schützen, sagte Schubert. Die Lehrer könnten ihre Postfächer über moderne Web-Technologien auf allen denkbaren Endgeräten von PC bis Smartphone bedienen. Natürlich würden die üblichen Funktionen wie Terminkalender, Adressbücher und ähnliches bereitgestellt.

Der Lehrerverband begrüßte den Schritt. „Das fordern wir seit Jahren, das war höchste Eisenbahn“, sagte Landeschef Rolf Busch. „Die jetzige Situation versteht längst kein Mensch mehr.“ Allerdings äußerte Busch Zweifel, dass es jetzt schnell vorangehe. „Meine Erfahrung sagt mir, dass es noch lange dauern wird, bis jeder seine Adresse hat.“

Auch die Opposition bezeichnete das Vorhaben als überfällig. „Es ist gut, dass die Schulen in Thüringen endlich im 21. Jahrhundert ankommen“, sagte der schulpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Christian Tischner. Dies ändere aber wenig daran, dass die Digitalisierung der Schulen zu langsam voranschreite. So sei unklar, wie der größte Teil der Bundesgelder aus dem Digitalpakt ausgegeben werden sollen. „Da fehlen die konkreten Konzepte“, sagte er.

Thüringen erhält aus dem Pakt bis Ende 2023 insgesamt 134 Millionen Euro. Das Geld soll unter anderem in moderne Computertechnik und Tablets gesteckt werden. Minister Holter hatte 20 Pilotschulen benannt, die Erfahrungen sammeln und weitergeben sollen.

Bangen vor dem Schulstart

Eine Woche vor Schulbeginn fehlen offenbar mehr Lehrer als befürchtet. Laut den Ausschreibungen der Schulämter sind noch Dutzende Stellen unbesetzt. Für die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) wird in einigen Schulamtsbezirken noch zu langsam eingestellt.

„Da gibt es ganz viel Optimierungsbedarf“, sagt Landeschefin Kathrin Vitzthum. Auch wenn sich die Landesregierung durchaus mühe und viel Geld für Personal bereit stehe, könne man froh sein, wenn der Unterrichtsausfall von zuletzt offiziell 6,6 Prozent nicht steige. Schon jetzt sei klar: „Das wird leider wieder kein erfolgreiches Schuljahr.“

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