Mehrere Verletzte durch Rechtsextremisten bei Maikundgebungen in Thüringen

Erfurt. Mitglieder der NPD-Jugendorganisation sollen Mai-Kundgebung in Weimar überfallen haben. Zwei Schwerverletzte bei Neonazi-Übergriff in Saalfeld - Aufmarsch in Erfurt blieb friedlich .

In Weimar gab es mehrere Verletzte, nach dem Rechtsextremisten eine DGB-Kundgebung stürmten. Foto: Thorsten Büker

In Weimar gab es mehrere Verletzte, nach dem Rechtsextremisten eine DGB-Kundgebung stürmten. Foto: Thorsten Büker

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Für den Überfall auf die Mai-Kundgebung sollen Mitglieder der NPD-Jugendorganisation verantwortlich sein. Sollte die sich dieser Verdacht erhärten, wäre das ein „weiterer klarer Beleg dafür, dass ein Verbot der NPD das Gebot der Stunde ist“, erklärte am Samstag Thüringens Innenminister Holger Poppenhäger (SPD). Die Zivilgesellschaft dürfe sich durch solche Vorfälle nicht einschüchtern lassen und solle weiter konsequent gegen den Rechtsextremismus Flagge zeigen.

Am 1. Mai hatten etwa 40 vermummte Personen die Maikundgebung des DGB in Weimar gestürmt. Drei Menschen erlitten laut Polizei leichte Verletzungen. Nach Veranstalterangaben war die Kundgebung zum Zeitpunkt des Übergriffs nur von einer Streifenwagen-Besatzung gesichert worden. Alarmierte Einsatzkräfte konnten in einer nahe gelegenen Tiefgarage 27 Verdächtige, 22 Männer und fünf Frauen im Alter zwischen 18 und 35 Jahren vorübergehend festnehmen.

Die Ermittlungen zu dem Angriff hat die Sonderkommission „ZESAR – Zentrale Ermittlungen und Strukturaufklärung Rechts“ beim Landeskriminalamt (LKA) in Erfurt übernommen. 16 Verdächtige sollen aus Sachsen, acht aus Brandenburg und zwei aus Hessen sowie eine aus Thüringen kommen. Laut Innenministerium wurden gegen die Festgenommenen „Strafverfahren wegen Landfriedensbruch, Körperverletzung, Sachbeschädigung, Beleidigung und Verstoß gegen das Versammlungsgesetz“ eingeleitet. Alle befinden sich wieder auf freien Fuß. Der DGB sowie die Fraktionschefin der Linkspartei, Susanne Hennig-Wellsow, verurteilten den Angriff und forderten eine schnelle und konsequente Aufklärung.

In Saalfeld wurden bei einem Übergriff von Rechtsextremen am 1. Mai drei Personen verletzt. Zwei Männer seien mit Kopfverletzungen in ein Krankenhaus eingeliefert worden, sagte Christina Büttner von der Thüringer Opferberatung „ezra“ unserer Zeitung. Einer der Männer soll auch am Samstag noch im Krankenhaus behandelt worden sein. Nach ihren Angaben erfolgte der Angriff am Freitagmittag in der Nähe des Saalfelder Marktplatzes noch vor Beginn eines Rechtsextremen Aufmarsches in der Stadt. Ein Video soll das Geschehen dokumentieren.

Zudem sollen Teilnehmer des rechtsextremen Aufmarsches versucht haben, einen Jugendclub in Saalfeld anzugreifen, berichtet der mdr. Die Polizei spricht dagegen von „verbalen und körperlichen Störungshandlungen durch Kleingruppen der Versammlungsteilnehmer“, die aber unterbunden worden sein sollen. An der Neonazi-Kundgebung der Splitterpartei „Der III. Weg“, die in Bayern als Ersatz der verbotenen Gruppierung „Freies Netz Süd“ gilt, nahmen etwa 500 Personen teil.

Ebenso viele Menschen protesteierten in Saalfeld gegen den Aufmarsch.

In Erfurt verliefen zwei rechtsextreme Aufmärsche am 1. und 2. Mai sowie die Proteste dagegen friedlich. Einige Dutzend Demonstranten blockierten am Freitag die Route der Rechtsradikalen. Die NPD konnte mit knapp 200 Teilnehmern deutlich weniger Anhänger mobilisieren, als sie selber angekündigt hatten. Die Polizei musste die Blockade nicht räumen, weil die NPD-Anhänger nach Gesprächen auf einer Ausweichroute demonstrierten.

Am Samstag sicherte die Polizei mit einem massiven Aufgebot den Aufmarsch einer rechtsextremen Hooligan-Gruppierung im Zentrum von Erfurt. Die Demonstration der circa 250 Teilnehmer verlief bis zu ihrem Auflösen ohne Zwischenfälle. Mehr als 400 Menschen protestierten gegen die Hooligans und ihre fremdenfeindlichen Parolen. So spielte eine Initiative auf dem Domplatz während des Aufmarsches klassische Musik ab.

Trotz dieser Veranstaltungen war es der Polizei gelungen, das normale Geschäftsleben in Erfurt mit Markttag auf dem Domplatz, Jugendweihen und unzähligen Stadtführungen weitgehend aufrecht zu erhalten. Die Thüringer Polizei konnte an beiden Tagen für ihre Einsätze auf Unterstützung aus den Ländern Sachsen-Anhalt, Hessen und Sachsen sowie von der Bundespolizei zurückgreifen.

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