Mike Mohring: „Ich habe gegen den Krebs gewonnen“

Erfurt  Vor seiner Bestätigung als CDU-Spitzenkandidat spricht Mike Mohring im Interview über die anstehenden Wahlen und seine persönliche Verfassung.

Thüringens CDU-Landeschef Mike Mohring (47) am Donnerstagnachmittag im Erfurter Stadion. Privat ist er Fan des FC Carl Zeiss Jena.

Thüringens CDU-Landeschef Mike Mohring (47) am Donnerstagnachmittag im Erfurter Stadion. Privat ist er Fan des FC Carl Zeiss Jena.

Foto: Martin Debes

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Über Ostern war er verreist, in die Ferne, eine Kur nach der letzten Chemotherapie. Mike Mohring sieht erholt aus und ja: gesund. Die Mütze ist weg, das Haar wächst, und die Augenbrauen sind auch wieder da. Der Landes- und Fraktionschef der CDU, der in diesem Jahr endlich Ministerpräsident werden will, erklärt im Interview seine private und politische Schonzeit für beendet. Er redet kurz über die Krankheit, die er überstanden hat, und den Wahlkampf, der jetzt beginnt. Am Samstag soll ihn seine Partei, die ihn schon vergangenen Herbst zum Spitzenkandidaten nominierte, offiziell auf Platz 1 der Wahlliste für die Landtagswahl am 27. Oktober setzen. Und am 26. Mai wird in den Kommunen und in Europa gewählt.

Herr Mohring, wenn man ins Weimarer Land fährt, stehen die ersten Großplakate von Ihnen herum. Machen Sie die Kommunalwahl zu ihrem persönlichen Testlauf für die Landtagswahl?

Die Kommunalpolitik ist die Grundlage all dessen, was wir auf Landes- und Bundesebene tun. Deshalb kandidiere ich, wie übrigens in allen Wahlen seit 1990, wieder für den Kreistag in Apolda. In den Städten, Kreisen und Gemeinden ist man als Politiker einfach näher an den Themen dran, und an den Bürgern. Was den vermeintlichen Testlauf betrifft: Ich habe die vergangenen drei Wahlen die meisten Stimmen geholt. Und die CDU hat Kommunalwahlen in Thüringen bislang immer gewonnen – und diese Siege waren fast immer ein guter Auftakt für die Landtagswahl.

Zuletzt, 2014, kam die CDU in den Kreistagen und den Stadträten der kreisfreien Städte auf 35 Prozent. Wird das zu halten sein?

Für die CDU kandidieren zur Kommunalwahl über 5000 hervorragende Bewerber, insofern sind wir da sehr optimistisch.

Ist das ein Ja? Sie halten das Ergebnis oder bauen es aus?

Unser Wahlziel ist in den Kommunen wie im Land, stärkste Partei zu werden. Dafür werben wir beim Wähler. Ansonsten nehmen wir aber natürlich zur Kenntnis, dass die Konkurrenz vielfältiger geworden ist, durch Parteien, aber auch durch Vereinigungen und unabhängige Kandidaten.

Das ist auch in Land und Bund so. Sind Sie sicher, dass es Ihre Kandidatin zur Europawahl, die ja gleichzeitig mit der Kommunalwahl stattfindet, ins EU-Parlament schafft?

Auch hier gilt: Ich bin überaus optimistisch, dass Marion Walsmann die neue Stimme Thüringens im EU-Parlament sein wird.

Sie braucht, das besagt die Erfahrung, mindestens 200.000 Stimmen. Und wenn man die Umfragen anschaut . . .

. . . dann stimmen diese mich zuversichtlich.

Wirklich? Es gab Zeiten, da hatte die Thüringer CDU zwei Europaabgeordnete im EU-Parlament sitzen.

Es gab auch Zeiten, da hat Helmut Kohl fast 50 Prozent der Stimmen für die CDU geholt. Jetzt steht die Union bundesweit bei 27 bis 29 Prozent. Wir alle müssen zur Kenntnis nehmen, dass sich die politische Landschaft in Bund und Land drastisch verändert hat.

Sie wollen sagen, Ihre 27 Prozent in den Umfragen für die Landtagswahl ordnen sich ein?

Wenn ich nach Sachsen schaue, wo die CDU den Ministerpräsidenten stellt und auf 28 Prozent kommt, ist das im Rahmen der Umstände das, was aktuell erreichbar ist. Damit sind wir natürlich nicht zufrieden und ich bin auch fest davon überzeugt, dass da noch etwas geht, aber man sollte schon realistisch bleiben.

Die Linke steht bei 25 Prozent, das heißt, das Rennen um die stärkste Landespartei, die traditionell zuerst den Regierungsauftrag bekommt, wirkt erstmals wirklich offen.

Das ist Ihre Interpretation, die ich ausdrücklich nicht teile. Die Linke hat Anteile eingebüßt, trotz des Amtsbonus ihres Ministerpräsidenten. Und Rot-Rot-Grün hat in den Umfragen seit Jahren nicht einmal mehr ansatzweise eine Mehrheit, während sie aktuell nur noch wegen eines übergelaufenen AfD-Abgeordneten regieren kann. Das Mantra der Linken, dass sie mit Bodo Ramelow gewinnen wird, ist also hohl.

Aber bei allen Direktwahlfragen und Beliebtheitswerten liegt Ramelow vor Ihnen.

Erstens: Ich kenne keine aktuellen Beliebtheitswerte. Und zweitens: Die Direktwahlfrage ist rein theoretisch. Es war schon immer und überall so, dass Regierungschefs bekannter und populärer sind als ein Oppositionsführer.

Dann ist es also auch für Sie in Ordnung, wenn 31 Prozent der CDU-Wähler in der jüngsten Umfrage sagen, dass Sie Ramelow wählen würden, wenn Sie könnten?

Es ist für mich in Ordnung, wenn jetzt 42 Prozent sagen, sie würden mich direkt wählen. Am Rest arbeiten wir gemeinsam. Es ist auch leider so, dass die Spuren mancher Debatte der letzten Jahre noch nicht verwischt sind.

Welche meinen Sie? Die Kontroverse mit Christian Carius? Die Steuerermittlungen . . .

. . . die mit einem Freispruch erster Klasse für mich endeten und ich habe eine Rückzahlung vom Staat erhalten. Gut übereinander reden ist eine Tugend, die von Mitgliedern einer Partei zuerst erwartet wird. Alles andere hilft nur den Gegnern. In der Partei, aber auch bei den Leuten, spüre ich große Empathie und Zutrauen.

Wenn Sie von Zutrauen reden: Sie wollen nach Ihrer schweren, gerade überstandenen Krebserkrankung die Thüringer CDU in den Wahlkampf führen. Verlangen Sie da nicht ziemlich viel Zutrauen von Ihrer Partei?

Ich habe sehr viel Zuspruch und Unterstützung erfahren in den vergangenen Monaten, nicht nur aus meiner Partei, sondern von Tausenden Menschen aus ganz Deutschland. Dafür bin ich unglaublich dankbar. Das gibt mir jetzt die Kraft und ja, auch den Mut, dass ich sagen kann: Ich habe den Kampf gegen den Krebs gewonnen, nun möchte ich für Thüringen kämpfen. Es geht dabei nicht um die Person Mike Mohring, es geht um dieses Land und die Menschen, die hier leben.

Sie können trotzdem die Zweifel verstehen, selbst dann, wenn Sie Ihnen gegenüber nicht offen geäußert werden?

Es gibt so viele Menschen, die mit Krebs kämpfen und es leider am Ende nicht schaffen. Ich habe gerade in den letzten Monaten einige von ihnen kennenlernen dürfen – und von einigen musste ich mich auch verabschieden. Wir alle kennen unsere Zukunft nicht. Aber die Ergebnisse der Therapie geben mir berechtigte Hoffnung und Zuversicht für das, was kommt. Außerdem: Menschen wollen doch von Menschen regiert werden und nicht von Maschinen, die immer reibungslos funktionieren.

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