Mühlhausens OB räumt Fehler bei Standort für Bratwurstmuseum ein

Mühlhausen  Mühlhausens Oberbürgermeister äußert sich zur Ortswahl fürs Bratwurstmuseum und kündigt Konsequenzen an.

Mühlhausens Oberbürgermeister Johannes Bruns (rechts) im Gespräch mit Uwe Keith, dem Vorstand des Vereins „Freunde der Thüringer Bratwurst“ in Holzhausen, wo der Bratwurstvertrag unterschrieben wurde.

Mühlhausens Oberbürgermeister Johannes Bruns (rechts) im Gespräch mit Uwe Keith, dem Vorstand des Vereins „Freunde der Thüringer Bratwurst“ in Holzhausen, wo der Bratwurstvertrag unterschrieben wurde.

Foto: Daniel Volkmann

Die symbolische Unterschrift unter den „Bratwurstvertrag“ am 30. Januar in Holzhausen bei Arnstadt wollte Mühlhausens Oberbürgermeister Johannes Bruns (SPD) als Erfolg fürs Stadtmarketing verbuchen und als Gewinn für den Tourismus. Doch schon Stunden später begannen die Diskussionen um den Standort, der ein einstiges Außenlager des Konzentrationslagers (KZ) Buchenwald war. Wir sprachen mit Bruns darüber.

Herr Bruns, wie konnte die Stadtverwaltung derart unsensibel sein und den Standort eines KZ-Außenlagers als neue Heimat für das Thüringer Bratwurstmuseum unterstützen?

Eines vorweg: Mühlhausen und die Stadtverwaltung sind nicht unsensibel und geschichtsvergessen. Das zeigen die vielen Aktionen in der Stadt, wie zum Auschwitz-Gedenken, das immer eine andere Opfergruppe in den Mittelpunkt rückt. 2014 waren es die Zwangsarbeiter und damit auch der Gerätebau. Stelen im Stadtwald, die 2003 von Bürgern der Stadt errichtet wurden, weisen auf dessen Geschichte hin.

Durch die zahlreichen Umnutzungen des B-Lagers am Stadtwald war dessen Historie als KZ-Außenlager Martha II nicht mehr im Blick. In den Köpfen verankert war dagegen, dass es die Kasernierte Volkspolizei und dann die NVA nutzte. Schließlich war es Bundesliegenschaft und Flüchtlingsunterkunft. Dem folgte der lange Leerstand.

Ist das nicht zu einfach?

Ja, man hätte die Geschichte als Außenlager des KZ Buchenwalds stärker in den Blick nehmen müssen. Die Entscheidung für das Bratwurstmuseum an diesem Ort war ein Fehler.

Der Stadtrat hatte bereits 2015 den Beschluss gefasst, dieses Gelände touristisch zu nutzen. Auch ein Fehler?

Nein, in dem Stadtratsbeschluss von 2015 war nicht dezidiert festgeschrieben, wie die touristische Nutzung aussehen soll. Aber der Kontrast zwischen dem Leid in einem Außenlager und dem Feiern ist zu groß. Gleichwohl bin ich der Meinung, dass das Gelände gewerblich oder touristisch genutzt werden kann und soll.

Wie will Mühlhausen mit diesem Teil seiner Geschichte umgehen?

Konstruktiv. Wir wollen das von einem Historiker wissenschaftlich aufarbeiten lassen. Wenn uns das gelingt, können wir gestärkt aus der Situation hervorgehen.

Wie haben Sie die Debatte nach Bekanntgabe des Standortes erlebt?

Die mediale Berichterstattung war einseitig und nicht sachgerecht. Daraus ist ein Hype geworden, der es bis in die New York Times geschafft hat. Die Diskussion in den sozialen Netzwerken war teilweise unsäglich.

Hat bei den Mühlhäusern auch die Sorge mitgespielt: Jetzt geht der Stadt wieder etwas verloren?

Ich weiß um die verletzte Mühlhäuser Seele. Aber die klare Botschaft ist: Das Bratwurstmuseum kommt nach Mühlhausen. Am 28. Februar befasst sich dann der Stadtrat mit einem neuen Aufstellungsbeschluss.

Wo soll das Museum nun hin?

Ebenfalls an den Stadtwald. Aber nicht in direktem Kontakt mit dem Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald. Wir haben gemeinsam mit dem Investor eine gute Lösung gefunden. Jetzt gilt es, Baurecht zu schaffen.

Chronologie:

Das 1. Deutsche Bratwurstmuseum ist am 28. Mai 2006 in Holzhausen im Ilm-Kreis eröffnet worden. Gäste erhalten im Museum Informationen zur Bratwurst im Allgemeinen und zu der Thüringer Bratwurst im Besonderen.

Neben Dokumenten, Schlachterausrüstung und Gerätschaften zur Herstellung wie Fleischwolf, Wurstspritze und Füllmaschine sind allerlei Kurioses, Geschichten, Anekdoten und Bilder zu sehen.

Der Verein „ Freunde der Thüringer Bratwurst“ ist Träger des 1. Deutschen Bratwurstmuseums und organisiert ein geselliges Vereinsleben rund um das Museum. Im Mittelpunkt steht die Kultur- und Brauchtumspflege zur Thüringer Bratwurst.

Seit einigen Jahren sucht der Verein nach einer neuen Heimstätte, denn die Kapazitäten in Holzhausen bei Arnstadt reichen nicht aus.

Am 30. Januar dieses Jahres unterzeichnen der Verein, der Mühlhäuser Investor und der Oberbürgermeister in Holzhausen den „Bratwurstvertrag“ für den Umzug des Museums nach Mühlhausen auf das Gelände des B-Lagers, eines zeitweiligen Außenlagers des Konzentrationslagers Buchenwald.

Schon am 31. Januar kommt die Kritik am Standort von Thüringens Kulturminister Benjamin Hoff (Linke) und dem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde in Thüringen, Reinhard Schramm.

Trotzdem beschließt der Stadtrat am Abend des 31. Januar mit nur einer Gegenstimme, den Bebauungsplan für das Gelände des einstigen Bereitschaftslagers zugunsten des Bratwurstmuseums zu ändern.

OB Bruns kündigt am 1. Februar an, alternative Standorte zu prüfen und einen weiteren Ort des Erinnerns schaffen zu wollen.

Am 2. Februar heißt es von Bruns: Wir suchen mit dem Investor nach einem neuen Standort. „Die Stadtverwaltung Mühlhausen schließt eine Nutzung des zuletzt diskutierten Standorts für die Ansiedlung des Bratwurstmuseums aus“, hieß es.

Am 28. Februar ist Änderung eines Bebauungsplans für den neuen Standort dann wieder Thema im Stadtrat.

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