Nach Pleite: Millionenschaden für Thüringer Apotheker

Erfurt.  Die Pleite eines Rezeptabrechners wirkt sich bis Thüringen aus. Jetzt werden schärfere Kontrollen gefordert.

Von der Pleite des Rezeptabrechners AvP sind in Thüringen bislang knapp 60 Apothekenbetreiber mit rund 80 Filialen betroffen (Symbolfoto).

Von der Pleite des Rezeptabrechners AvP sind in Thüringen bislang knapp 60 Apothekenbetreiber mit rund 80 Filialen betroffen (Symbolfoto).

Foto: STEFAN AREND / FUNKE Foto Services

Von der Pleite des Rezeptabrechners AvP sind in Thüringen bislang knapp 60 Apothekenbetreiber mit rund 80 Filialen betroffen. Das ergab eine Umfrage des Thüringer Apothekerverbandes. „Der Schaden geht in die Millionen. Für viele Apotheker sind die ausbleibenden Einnahmen existenzbedrohend“, sagte Verbandschef Stefan Fink.

Wie viele Apotheken tatsächlich ihre Rezepte von AvP bei den Krankenkassen einreichen lassen, sei noch unklar. Der größte private Apotheken-Abrechner in Deutschland hatte vergangene Woche Insolvenz angemeldet. Bundesweit warten 3500 Apotheken auf die Monatseinnahmen vom August, die Rede ist von Ausfällen in dreistelliger Millionenhöhe.

Gegen zwei AvP-Verantwortliche wird wegen Bankrotts ermittelt. Laut Fink ist derzeit unbekannt, welche Apotheken eventuell vorab Teil-Abschläge erhielten und welche bislang komplett leer ausgehen. Im Schnitt bearbeiten Apotheken pro Monat Rezepte im Gesamtwert von 150.000 Euro, so der Verbandschef.

Thüringen habe noch Glück im Unglück

Glück im Unglück habe Thüringen, weil die Hälfte der hiesigen Apotheken ihre Rezepte über das gemeinsam mit den Verbänden in Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland kontrollierte Apotheken-Rechnungs-Zentrum (ARZ) vergüten lässt. Neben Darmstadt gibt es einen Sitz in Gera. Anders als bei AvP würden hier Gelder der Apotheker für den Notfall auf echten Treuhandkonten gesichert.

Von der Bankenaufsicht BaFin fordert Fink schärfere Kontrolle von Abrechnungsfirmen. Durch die Zahlungsausfälle gerieten Apotheken unverschuldet in Existenznot, so der FDP-Landtagsabgeordnete Robert-Martin Montag. „Die Landesregierung muss hier rasch helfen. Dies sollte über die Aufbaubank mit Liquiditätshilfen in Form zinsgünstiger Kredite mit kurzfristiger Tilgungsmöglichkeit geschehen.“ Auch sollten Großhändler betroffenen Apotheken durch Streckung von Fälligkeiten entgegenkommen, um Insolvenzen zu vermeiden.

Leitartikel: Tiefer Fall kann teuer werden