Neuer Johannisplatz in Jena: Zwei Linden sollen weichen

Der Ortsteilbürgermeister kritisiert die geplante Baum-Fällung.

Diese Linde ist – wie ein weiteres Exemplar vorm "Irish Pub" – den Planungen zur Neugestaltung des Johannisplatzes im Weg. Zentrum-Ortsteilbürgermeister Kristian Philler (im Bild) will sich damit nicht abfinden. Foto: Thomas Stridde

Diese Linde ist – wie ein weiteres Exemplar vorm "Irish Pub" – den Planungen zur Neugestaltung des Johannisplatzes im Weg. Zentrum-Ortsteilbürgermeister Kristian Philler (im Bild) will sich damit nicht abfinden. Foto: Thomas Stridde

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Jena. Die kleine Mauer an der Nordbegrenzung des Johannisplatzes muss weg - genauer gesagt: durch eine etwas nach vorn gezogene neue Einfassung ersetzt werden. Das sehen die Planungen für den auf 2015 und 2016 anberaumten grundhaften Straßenausbau vom Johannisplatz bis zum Ende der Wagnergasse vor. Schließlich soll auch die Terrassierung am Eingang zur "Kneipenmeile" neugestaltet werden. Nicht einsehen mag Zentrum-Ortsteilbürgermeister Kristian Philler jedoch, dass der neuen vorgezogenen Terrassen-Linie aus Sicht der Planer eine große Linde wohl im Weg ist - und weichen soll. Philler sagt: Klar, die Geradeaus-Linie sei kostengünstiger. Weshalb werde aber nicht erwogen, im sanften Bogen um den Baum herum zu bauen? Genau dasselbe Problem am diagonal anderen Ende des Johannisplatzes: Hier sehen nach Phillers Beschreibung die Planungen ebenfalls vor, dass für die Umgestaltung beim "Irish Pub" eine Linde der neu geplanten Terrassen-Linie weicht. Auch hier steht aus Phillers Sicht die Frage, weshalb mit der Terrassen-Linie kein Bogen um den Baum gemacht werde.

Selbstverständlich sei ihm daran gelegen, dass der grundhafte Ausbau ohne Verzögerung auf den Weg komme, sagte Kristian Philler. Bei der ersten Vorstellung des Projekts vor der Sommerpause im Stadtentwicklungsausschuss des Stadtrats sei aber noch nichts zu den Bäumen mittgeteilt worden, sagte Philler, der der Grünen-Fraktion des Stadtrats angehört. Und so werde sich der Stadtmitte-Ortsteilrat auch erst noch auf ein Votum einigen. Bemerkenswert ist es für Philler, dass der Baumschutz-Sachverständige der Stadtverwaltung Thomas Ecke (den die Redaktion gestern nicht mehr zum Zwecke einer Stellungnahme erreichte) ganz anderer Auffassung als die vom Kommunalservice KSJ beauftragten Planer war. Nach Phillers Darstellung blieben Thomas Eckes Vorschläge - wenn, dann zwei andere, aber nicht jene beiden Linden "rasieren" - unberücksichtigt.

KSJ-Chef Uwe Feige bezeichnete den Baum-Streit gestern als "kleines Abbild eines größeren Problems", werde doch der Baum-Erhalt mitunter "religiös und nicht mehr technisch" betrachtet. Gerade habe KSJ die eigene Ansicht zur Fällung zweier Eichen am Kriegerdenkmal in der Lönsstraße mit einem teuren Extra-Gutachten untermauert: wegen Stockfäule ­"extrem einsturzgefährdet". Auch hier hätten sich die Auffassungen von KSJ und Thomas Ecke nicht gedeckt, sagte Uwe Feige. Und nun der Johannisplatz: Verschwinde die alte Stützmauer, werde in die Statik der Bäume eingegriffen, bei denen es sich um "nicht mehr besonders vitale" Exemplare drehe. Man müsse ihm doch bitte abnehmen, dass er selbst "mit Sicherheit gegen gedankenlose Baumfällung" sei, sagte Uwe Feige. Passe man aber den Johannisplatz wie geplant einer neuen Nutzung an, dann hätten die beiden alten Linden nach einer Aufgrabung "nicht die Chance wie ein vitaler neuer Baum".

Kristian Philler wünscht sich von den Planern in der Baum-Frage dennoch, "mit mehr Sorgfalt das Feeling der Leute aufzunehmen". Die Grünen-Fraktion des Stadtrats erwäge nun, ein eigenes Gutachten zu den Johannisplatz-Linden erstellen zu lassen.

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