Nothilfeprogramm für Waldrettung in Thüringen - 500 Millionen Euro in zehn Jahren

Erfurt  Mehrere Millionen Bäume werden bis Jahresende in Thüringen ein Opfer von Dürre und Borkenkäferbefall sein. Mit einem Aktionsplan will die Landesregierung das Waldsterben eindämmen. Kosten: eine halbe Milliarde Euro.

Kranke Bäume in einem Wald bei Holzdorf im Weimarer Land.

Kranke Bäume in einem Wald bei Holzdorf im Weimarer Land.

Foto: Sascha Fromm

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Thüringen startet ein Nothilfeprogramm gegen das Waldsterben durch Trockenheit und Borkenkäferbefall. Für die Bergung abgestorbener und von Schädlingen befallener Bäume sowie die Pflanzung von 200 Millionen Bäumen müssten in den kommenden zehn Jahren rund 500 Millionen Euro eingesetzt werden, teilte die Staatskanzlei am Dienstag nach einem Krisentreffen in Erfurt mit. Dazu hatte Regierungschef Bodo Ramelow (Linke) fünf Minister sowie Vertreter der Landesforstanstalt eingeladen. Nicht ausgeschlossen wurde ein Nachtragshaushalt für 2020, um die Aufgaben finanzieren zu können.

Nach Schätzungen werden in Thüringen allein bis Jahresende etwa 600 000 Buchen wegen Trockenheit absterben und fünf bis sechs Millionen Fichten Opfer des Borkenkäfers. Viele Fichten würden quasi verdursten und hätten dadurch kaum Abwehrkräfte gegen den Käferbefall, hieß nach der Sitzung.

Anja Siegesmund : „Jetzt hat Schadensbegrenzung Priorität.“

Die Landesforstanstalt solle in einem ersten Schritt die notwendigen Mittel bekommen, um möglichst schnell abgestorbene Bäume aus den Wäldern zu bringen, sagte Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) der Deutschen Presse-Agentur. „Jetzt hat Schadensbegrenzung Priorität.“ In einem zweiten Schritt gehe es um die Wiederaufforstung mit klimabeständigeren Baumarten, aus denen Mischwälder entstehen sollen, die dem Klimawandel besser trotzen können. Derzeit haben Fichten einen Anteil von 40 Prozent an dem Baumbestand in Thüringen, Buchen 20 Prozent.

Beim Kurznachrichtendienst Twitter schrieb Ramelow zur Eindämmung der Borkenkäferplage: „Am Geld wird es nicht scheitern, aber viele Kräfte müssen mit aktiviert werden.“ In dem Aktionsplan heißt es, „Thüringen pflanzt“ sei eine gemeinschaftliche Aufgabe, die viele Helfer brauche.

Nicht gerüttelt werden soll an der lange diskutierten Entscheidung der rot-rot-grünen Landesregierung, fünf Prozent der Waldfläche aus der forstwirtschaftlichen Nutzung zu nehmen. Das geht aus dem Papier mit dem Titel „Aktionsplan Wald 2030“ hervor, das die Staatskanzlei veröffentlichte. Diese Flächen sollen sich zu Urwäldern entwickeln. Fallbezogen solle geprüft werden, ob partielle Eingriffe nötig sind, um Gefahren beispielsweise durch morsche Bäume oder Brände zu verhindern.

Mohring fordert Einsatz von Bundeswehr und Technischem Hilfswerk

Zudem soll Löschteiche in den Dörfern saniert, die Ausrüstung von Feuerwehren zur Waldbrandbekämpfung ergänzt und Förderprogramme für private und kommunale Waldbesitzer vereinfacht und ergänzt werden, geht aus dem Papier hervor.

Thüringens CDU-Fraktionschef Mike Mohring forderte zudem den Einsatz von Bundeswehr und Technischem Hilfswerk in den bedrohten Wäldern. Sie könnten „Amtshilfe“ bei der zügigen Räumung von trockenen, abgestorbenen Bäumen zur Gefahrenabwehr leisten. „Ich sehe hier eine Notsituation, in der Bundeswehr und THW um Hilfe gebeten werden müssen“, so der CDU-Politiker.

Ramelow sagte: Beim Absägen und Bergen abgestorbener Bäume sollte auch über einen Noteinsatz von Bundeswehr und Technischem Hilfswerk nachgedacht werden. Der Aktionsplan soll laut Staatskanzlei voraussichtlich in der kommenden Woche vom Kabinett beschlossen werden. Runde 550 000 Hektar der Thüringer Landesfläche sind mit Wald bedeckt.

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