Straßenreuth: Windkraft-Werbetour für Bürgermeister

Straßenreuth  Ministerpräsident Ramelow fährt bei der Thega-Weiterbildungsfahrt mit in den Windpark bei Straßenreuth

Ministerpräsident Bodo Ramelow kommt mit den Teilnehmern einer Thega-Weiterbildungsfahrt für Bürgermeister „Windenergie in Thüringen“ im zum Teil im Wald gelegenen Windpark bei Straßenreuth ins Gespräch.

Ministerpräsident Bodo Ramelow kommt mit den Teilnehmern einer Thega-Weiterbildungsfahrt für Bürgermeister „Windenergie in Thüringen“ im zum Teil im Wald gelegenen Windpark bei Straßenreuth ins Gespräch.

Foto: Peter Cissek

„Wir halten an der Windkraft fest“: Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) und Ramona Notroff, Leiterin Servicestelle Windenergie der Thüringer Energie- und GreenTech-Agentur (Thega), griffen am Donnerstagnachmittag vor Bürgermeistern aus Thüringen symbolisch nach einer 207 Meter hohen Windenergieanlage nahe des Gefeller Ortsteils Straßenreuth. Zwei der acht Windräder, die der Projektentwickler Primus Energie GmbH aus Regensburg im Auftrag des Stadtwerkeverbundes Trianel Erneuerbare Energien GmbH Co. KG aus Aachen ­errichtete, sind im Gebiet der Planungsregion Ostthüringen die ersten in einem Waldgebiet.

„Wir haben hier mehr Bäume gerodet als ursprünglich geplant. Auf Wunsch des Waldeigentümers. Denn er will die Fichtenmonokulturen durch Mischwald ersetzen“, sagte ­Primus-Projektleiter Manfred Striegl. Letztlich müssten die gerodeten Bäume an einer anderen Stelle ersetzt werden. „Zu 100 Prozent oder auch mehr“, erklärte Striegl vor den rund 30 Teilnehmern der Thega-Weiterbildungsfahrt „Windenergie in Thüringen“.

Auch ein Waldbrand, der nach Angaben der Gefeller Feuerwehr am vergangenen Sonntagabend erst 300 Meter vor einem Windrad gestoppt werden konnte, bedeute keine Gefahr für die aus Beton- und Stahlsegmenten bestehenden Türme, sagte Striegl der OTZ. Vom Leitstand im oberfränkischen Unterkotzau könnten einzelne Windräder abgeschaltet werden, auch wenn Fehler im Betrieb angezeigt würden. Bei Brand einer Windkraftanlage könnte die Feuerwehr diese lediglich kontrolliert abbrennen lassen. „Wir haben die hiesige Feuerwehr für einen solchen Fall eingewiesen. Doch von den 30 000 Windkraftanlagen in Deutschland haben vielleicht mal zehn gebrannt. Da brennen eher Mähdrescher auf Feldern ab“, so Striegl.

Primus traf in der Stadt Gefell auf eine windkraftfreundliche Kommune. „Wir wurden von der Planungsgemeinschaft Ostthüringen um Vorschläge nach Windvorranggebieten gebeten. Wir haben dann dieses Gebiet am Drei-Freistaaten-Stein vorgeschlagen, da bereits kurz hinter der sächsischen und bayerischen Landesgrenze Windparks entstanden waren und wir auch unseren Beitrag leisten wollten“, sagte der Gefeller Bürgermeister Marcel Zapf (Vereinigung unzufriedener Bürger). Die Stadt Gefell könnte nach konservativen Schätzungen ab 2025 jährlich 30 000 bis 50 000 Euro Gewerbesteuer von Trianel überwiesen bekommen, sagte Primus-Geschäftsführer Jürgen Meyer-Menz auf Frage des Kirschkauer Bürgermeisters André Kerl (parteilos). Doch der größte Gewinn sei nach der Überflutung vor elf Jahren, dass Primus als Ausgleichsmaßnahme für die Eingriffe in die Natur auch rund 700 000 Euro in den Hochwasserschutz des Ehrlichbaches zusätzlich zur Förderung investieren werde, so Bürgermeister Zapf. Ministerpräsident Bodo Ramelow hätte es lieber, wenn auch die Wertschöpfung in der Region bliebe, wenn beispielsweise der Thüringenforst und Stauanlagenbetreiber selbst Windkraftanlagen errichten würden.

Neben Vizelandrat Jürgen Hauck, der für den Landkreis stimmberechtigtes Mitglied in der Planungsversammlung der Planungsregion Ostthüringen ist, nahm auch die Vorsitzende der Verwaltungsgemeinschaft Seenplatte, Kathleen Mertz (beide CDU), an der Busreise teil. „Als Verwaltungsleiterin der Stadt Gefell habe ich bis Herbst 2015 die Planungen bis zur ­Genehmigung mit begleitet. Wenn so hohe Windkraftanlagen wie hier in der Region Gefell akzeptiert werden, dann ist das gut. Eine andere Situation haben wir in der Seenplatte. Hier sehen die meisten Bürger die ­geplanten Vorranggebiete als kalte Enteignung ihrer Immobilien an. In Volkmannsdorf wollen die Grundstückseigentümer ihre Flächen nicht an Windkraftprojektierer verpachten, in Löhma/Kirschkau nur die, die nicht hier wohnen“, sagte ­Kathleen Mertz der OTZ.

Der neue Triptiser Bürgermeister Peter Orosz (Feuerwehrverein) habe sich beim Mittagessen im Schleizer GasthofGlücksmühle bei Ministerpräsident Ramelow beklagt, dass man im benachbarten Gütterlitz der Stadt Triptis eine deutlich über 200 Meter hohe Windkraftanlage „vor die Nase“ gesetzt habe, ohne die Stadt zu fragen. An einer mangelnden nachbarschaftlichen Zusammenarbeit könne er nichts ändern, habe ihm Ramelow geantwortet. „In der kommende Woche wird der Stadtrat über ein Windrad, das auf Triptiser Gebiet entstehen soll, abstimmen. Wir werden dieses wahrscheinlich ablehnen, denn es soll am Rande der Orlaquelle errichtet werden. Das geht gar nicht“, sagte Orosz. Er sagte der OTZ, dass die Stadt Triptis auch keine Flächen für Windkraftanlagen bereitstellen werde.

Zum Beitrag die Meinung von Peter Cissek: Lobbyismus oder nicht?

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