Südlink-Trasse soll nicht mehr das Eichsfeld durchschneiden

Eichsfeld  Die Erdkabeltrasse Südlink soll nach neuer Vorzugsvariante Lindewerra und Wahlhausen nur noch an Landesgrenze streifen.

Das Eichsfeld soll durch die Erdkabeltrasse Südlink nur noch marginal betroffen sein. Bei Wahlhausen und Lindewerra soll das Erdkabel mehrfach die Werra kreuzen. 

Das Eichsfeld soll durch die Erdkabeltrasse Südlink nur noch marginal betroffen sein. Bei Wahlhausen und Lindewerra soll das Erdkabel mehrfach die Werra kreuzen. 

Foto: Tennet BW

Die Südlink-Trasse soll nun nicht mehr das Eichsfeld durchschneiden, sondern es nur noch minimal in Mitleidenschaft ziehen. So jedenfalls ist der aktuelle Planungstand für die Erdkabeltrasse, die Windenergie von der Nordsee nach Bayern und Baden-Württemberg bringen soll. Die Stromtrasse ist umstritten und sorgt für reichlich politische Debatten vor allem zwischen den Ländern. Gebaut werden soll in drei Jahren, 2026 soll das Milliarden-Euro-Projekt fertig sein.

Vor einigen Monaten herrschte im Eichsfeld helle Aufregung, da plötzlich zwei mögliche Korridore die Region durchschnitten. Die Kabelstränge sollen später zwischen 1,20 und 1,80 Meter tief liegen, was heißt, dass sie nicht überbaut werden können, die Gemeinde so in ihren Bauleitplanungen herbe Einschränkungen befürchteten.

„146 Raumwiderstände hat es gegeben“, erklären Landrat Werner Henning und Christoph Reimann vom Wirtschaftsreferat des Landkreises. Sie alle seien überprüft worden, Henning hat das Land in die Pflicht genommen, politisch in den Kampf zu gehen, zumal die Trasse plötzlich durch halb Thüringen verlief. „Ministerin Birgit Keller und ihre Experten haben gute Arbeit geleistet“, lobt Henning. Er selbst habe immer dafür plädiert, im Eichsfeld nicht in einen „Revolutionsmodus“ zu verfallen, sondern die Sache fachlich anzugehen. „Ob dieser Weg weiter Erfolg hat, werden wir sehen“, sagt Henning gestern bei einer neuerlichen Informationsveranstaltung im Kulturhaus in Heiligenstadt.

Jetzt führt der bevorzugte Korridor nur noch marginal durch das Eichsfeld: Bei Lindewerra und Wahlhausen. Dort soll die Trasse mehrfach die Werra kreuzen und kurzzeitig auf Eichsfelder Gebiet verlaufen. „Aber auch das ist noch nicht hundertprozentig sicher“, wissen die Bürgermeister von Wahlhausen und Lindewerra, Thomas Gallinger und Gerhard Propf. Es komme nun darauf an, wie sich noch Widerstand in Hessen und Niedersachsen bei diesem Trassenverlauf regt. „Wenn es aber dabei bleibt, dann sehen wir zu, wie wir mit unseren Ansprechpartnern des Projektes einen Verlauf finden, mit dem die Planer und vor allem wir in unseren Dörfern leben können“, sagt Thomas Gallinger. „So nah wie möglich an die Werra und damit an die Landesgrenze“, nickt auch Christoph Reimann, der sich mit dem Projekt seit Jahren beschäftigt. Jetzt sei man dabei, alle 146 Einwendungen gegen den Südlink noch einmal und noch schärfer zu prüfen, um bei neuerlichen Diskussionen gerüstet zu sein. Jetzt sei bis Anfang Juni für die Gemeinden Lindewerra und Wahlhausen Zeit, erneut eine Stellungnahme abzugeben, erklärt Uwe Wedekind vom Ordnungsamt der Verwaltungsgemeinschaft Hanstein/Rusteberg die weitere Verfahrensweise. Dann werde es auch noch einen Vor-Ort-Termin geben. Die neue Vorzugsvariante, so sagt Landrat Werner Henning, sei lösbar. „Aber die Entscheidungen werden anderswo getroffen.“ Er wisse aber auch, dass egal wo die Trasse entlangführt, Ärger und Verdruss geben wird. Eine Alternativvariante an Witzenhausen vorbei werde wohl nicht mehr ins Auge gefasst, da die Hürden durch die Topographie und ein großes Vogelschutzgebiet noch enorm größer seien, als bei der Trassenführung an der Werra entlang.

Das noch nichts in „trockenen Tüchern“ sei, bestätigte auch der Eichsfelder Bundestagsabgeordnete Manfred Grund gleich nachdem er von der geänderten Planung erfahren hat. „Wenn die Bundesnetzagentur jedoch diesem Vorschlag folge, wären die Belastungen für das Eichsfeld minimiert“, so Grund, der auch mit der neuen Variante die Forderung erfüllt sieht, dass der Trassenverlauf möglichst geradlinig zwischen Brunsbüttel (Schleswig-Holstein) und Grafenrheinfeld (Bayern) verlaufen solle und mit anderen Infrastruktureinrichtungen wie Bahntrassen und Straßen gebündelt werde.

Die Überarbeitung der Entwurfsplanung erfolgte durch die Vorhabenträger Tennet und TransnetBW gemeinsam mit den Fachgutachtern der Arbeitsgemeinschaft Südlink auf Grundlage des von der Bundesnetzagentur festgelegten Untersuchungsrahmens nach dem Netzausbaubeschleunigungsgesetz. Die Änderungen in Nordthüringen würden regionale Wasserschutzgebiete sowie den Artenschutz beachten. Darauf hatten Henning und Grund während des bisherigen Verfahrens mehrfach hingewiesen.

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