Thüringen bereitet Massenabschuss von Wildschweinen vor

Erfurt  Das Land plant drei Millionen Euro für die Abwehr der Afrikanischen Schweinepest ein. Es müssen „so viele Wildschweine wie möglich erlegt werden“, forderte Agrarministerin Birgit Keller (Linke).

Thüringen bereitet den Massenabschuss von Wildschweinen vor. Symbolfoto: Jan Woitas/dpa

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Zur Abwehr der für alle europäischen Schweine absolut tödlichen und hochinfektiösen Afrikanischen Schweinepest (ASP) bereitet Thüringen den Massenabschuss von Wildschweinen vor. Es müssen „so viele Wildschweine wie möglich erlegt werden“, forderte Agrarministerin Birgit Keller (Linke) gegenüber unserer Zeitung. Drei Millionen Euro Steuergelder stehen „für jagdliche Maßnahmen zur Vorbeugung vor der Tierseuche ASP“ zur Verfügung.

Sogar Saufänge, in denen ganze Rotten mit etwa 20 Tieren eingefangen und binnen weniger Minuten getötet werden können, sollen im Seuchenfall eingesetzt werden. Zu Versuchszwecken steht eine sechs mal vier Meter große mobile Fanganlage aus Stahl seit einem halben Jahr in Nordthüringen. Doch bisher lief kein Schwein hinein.

Viele Jäger lehnen Saufänge als Jagdmethode ab

Aus Tierschutzgründen sind Saufänge umstritten. Viele Jäger lehnen diese Jagdmethode strikt ab und warnen vor einem Rückfall ins Mittelalter. Das in Thüringen eingesetzte Modell könne jedoch als „praktikabel und tierschutzgerecht eingestuft werden“, sagt Andreas Neumann, Thüringer Wissenschaftler am Thünen-Bundesforschungsinstitut in Eberswalde.

Die Sorge, dass die Seuche, für die kein Impfstoff existiert und auch kein Gegenmittel, Deutschland erreicht, war bereits Anfang 2018 erheblich. Doch in diesem Jahr sei die Gefahr der Einschleppung „noch größer“, teilte ein Sprecher des Thüringer Gesundheitsministeriums auf Anfrage mit. Nach einem ASP-Ausbruch in Belgien ist die Seuche bis 40 Kilometer an die Grenze vorgerückt. Im Osten Polens liegt bereits ein flächendeckender ASP-Seuchenstreifen. Auch über Ungarn nähert sich die Schweinepest.

Seuche verbreitet sich oft durch Fernfahrer, die Wurst- und Fleischwaren achtlos entsorgen

Über weite Distanzen verbreitet sich das Virus, das für Menschen ungefährlich ist, oft durch Fernfahrer, die infizierte Wurst- und Fleischwaren achtlos entsorgen. Wenn Wildschweine davon fressen, ist das deren sicherer Tod. Das Virus aber lebt monatelang weiter: im Blut, in allen Körpersekreten der Sauen, im Erdreich unter verendeten Tieren, an Stiefeln, die darüber schritten, an Messern, an Kleidung, die mit infizierten Schweinen in Berührung kamen.

Auf diesen Wegen kann die Seuche in Mastbetriebe eingeschleppt werden. In Thüringen wären im Seuchenfall etwa 780.000 Hausschweine von Notschlachtung bedroht. Das wäre eine „Riesenkatastrophe“, sagte Zoologie-Professor Hans-Dieter Pfannenstiel der TA. „Wenn das erste positiv auf ASP getestete Schwein auftaucht, ist es mit dem Export von Schweinen aus Deutschland mit einem Schlag vorbei.“

Die finanziellen Folgen eines ASP-Ausbruchs wären immens. Handel mit Schweinefleisch wäre verboten. 60 Prozent des Thüringer Schweinefleisches werden hierzulande verzehrt. 40 Prozent gehen ins Ausland. In den ersten neun Monaten 2018 waren das zwei Millionen Tonnen, berichtet Anna Byrenheid vom Landesbauernverband. Die wichtigsten Exportländer waren Italien (270.000 Tonnen), China (258.000) und Holland (212.000). Mastschweine werden zumeist im Alter von sechs Monaten, gut hundert Kilo schwer, getötet.

25 Kilometer langer Elektrozaun soll die Seuche eindämmen

Das von Forstdienst-Assessor Andreas Brauer geleitete Schwarzwild-Kompetenzzentrum Thüringen wurde im Oktober in Erfurt gegründet, um die Maßnahmen zur Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest zu bündeln.

Wird in Thüringen ein mit ASP infiziertes Wildschwein entdeckt, wird sofort ein 50 Quadratkilometer großes Gebiet mit einem 25 Kilometer langen Elektrozaun abgesperrt. Das soll verhindern, dass verseuchte Tiere weiterziehen. In der Hochrisikozone herrscht für mindestens 21 Tage Jagdverbot. Man geht davon aus, dass in dieser Zeit alle Wildschweine in der Kernseuchenzone verenden.

Begegnungen mit dem Wildschwein: Bittere Zeiten für den Artenschutz

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