Thüringen stirbt trotz Mini-Babybooms langsam aus

Die gute Nachricht vom Statistischen Landesamt: Die Zahl der Geburten in Thüringen ist wieder gestiegen. Wie eigene Berechnungen auf der Basis vorläufiger Daten zeigen, kamen 2010 mehr als 17.400 Babys zur Welt. Das waren rund 560 Kinder mehr als 2009. Die schlechte: Das Land schrumpft dennoch.

Nach vorläufigen Ergebnissen hatte Thüringen Ende 2010 nur 2,2 Millionen Einwohner. Die Zahl der Kinder reichte nicht aus, um die  Sterbefälle auszugleichen. Foto: Jacqueline Schulz

Nach vorläufigen Ergebnissen hatte Thüringen Ende 2010 nur 2,2 Millionen Einwohner. Die Zahl der Kinder reichte nicht aus, um die Sterbefälle auszugleichen. Foto: Jacqueline Schulz

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Erfurt. Die Lage ist hoffnungslos. Jetzt sind wir noch etwas mehr als 2,3 Millionen Menschen in Thüringen. Schätzungen zufolge jedoch leben in Thüringen in zehn Jahren nur noch knapp 2 Millionen Menschen. Bis 2060 geht die Einwohnerzahl auf 1,3 Millionen zurück.

Dass Thüringen nicht noch schneller schrumpft und altert, liegt an der Zahl der Babys, die im vergangenen Jahr geboren wurden. Derzeit haben die Experten vom Landesamt für Statistik zwar noch nicht alle Ergebnisse. Bislang liegt ihnen nur die Zahl der Kinder von Januar bis November vor. Alles deutet aber darauf hin, dass im Dezember 2010 mindestens so viele Kinder zur Welt kamen wie im Dezember 2009. Macht also mindestens 17.400.

Das sind zwar so viele wie seit dem Jahr 2000 nicht mehr. Die Zahl der Babys reicht aber bei Weitem nicht aus, um die Sterbefälle auszugleichen. Dafür hätten mehr als 26.600 Mädchen und Jungen zur Welt kommen müssen. So aber starben fast 770 Menschen mehr als geboren wurden. Zum Vergleich: Im Babyboom-Jahr 1960 wurden laut offizieller Statistik mehr als 48.000 Babys geboren.

Die Babyzahlen sind das eine. Dass Thüringen im vergangenen Jahr nicht noch dramatischer geschrumpft ist als erwartet, hat noch einen anderen Grund: Die Anzahl derer, die das Land verlassen haben, ist weiter hoch. Doch die Lücken, die die mehr als 41.000 hinterlassen haben, die wegzogen, sind durch fast 35.500 Zuzügler teilweise geschlossen worden.

Die Zahl der Eheschließungen ist dagegen weiter gestiegen: Im Jahr 2010 heirateten rund 10.100 Paare - ungefähr 400 mehr als im Vorjahr. Die meisten Hochzeiten gab es dabei im Juli und im August.

Der Ausländeranteil in Thüringen erhöhte sich den vorläufigen Ergebnissen zufolge im vergangenen Jahr leicht von 2,1 auf 2,2 Prozent.

Der Bevölkerungsschwund ist längst nicht mehr nur ein Problem des Ostens. Weil die Babyzahlen nach dem Tief der Nachwendezeit wieder gestiegen sind und weil mittlerweile auch viele Dörfer im Westen unter Nachwuchsmangel und Abwanderung leiden, wird das Schrumpfen vielmehr zu einem Problem der ländlichen Räume.

Davon profitieren die Städte. Das Berlin Institut für Bevölkerung und Entwicklung hat sich angeschaut, welche das sind. Was Wirtschaftskraft, Arbeitslosigkeit, Bildungsstand oder Altersstruktur angeht, gehören im Osten neben Jena nur Dresden, Leipzig und Erfurt dazu. Auf Platz 1: München.

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