Verfassungsschutz bestätigt Geldzahlung an Zwickauer Trio

Der Thüringer Verfassungsschutz hat erstmals eine Geldzahlung an das Zwickauer Neonazi-Trio Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt eingeräumt.

Der Thüringer Verfassungsschutz soll Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt mit 2.000 Mark für gefälschte Pässe unterstützt haben. Archiv-Foto: Frank Döbert (Ostthüringer Zeitung/dapd)

Der Thüringer Verfassungsschutz soll Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt mit 2.000 Mark für gefälschte Pässe unterstützt haben. Archiv-Foto: Frank Döbert (Ostthüringer Zeitung/dapd)

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Erfurt. Das Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz hat eine Geldzahlung an das Zwickauer Terrortrio eingeräumt. Wie die Behörde unter Berufung auf einen ehemaligen Mitarbeiter am Sonntag mitteilte, habe ein V-Mann in den Jahren 1998 oder 1999 dem Trio über einen Mittelsmann 2.000 D-Mark zuleiten sollen, um Erkenntnisse über deren Tarnidentitäten zu erlangen. Ziel sei es gewesen, die untergetauchten Jenaer Neonazis Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe verhaften zu können. Das Vorhaben sei jedoch gescheitert, weil der Mittelsmann das Geld selbst eingesteckt habe.

Geld an V-Mann "Otto" übergeben

Man hatte das Geld dem NPD-Funktionär Tino Brandt übergeben, der unter dem Decknamen "Otto" als V-Mann für die Behörde arbeitete. Brandt sollte das Geld an das seit 1998 gesuchte Neonazi-Trio weiterleiten. Er schaltete dafür einen weiteren Mittelsmann ein.

Der Thüringer Verfassungsschutz finanzierte das Neonazi-Trio indirekt auch durch den Ankauf des antisemitischen Brettspiels "Pogromly" für jeweils 100 Mark, schreibt die "Bild am Sonntag". Mindestens drei Exemplare des Hetz-Spiels, dessen Verkaufserlös an die Terrorzelle floss, habe NPD-Mann Brandt an Mitarbeiter des Thüringer Verfassungsschutzes verkauft.

Kritik der Linken

Die Linke-Innenexpertin Martina Renner sprach von einer "neuen Qualität der Verstrickung von braunen Terror und staatlichen Behörden". Ein Weiter so sei vor den Angehörigen der Ermordeten nicht zu rechtfertigen. Die Linke-Fraktion erwägt nun eine Anzeige gegen den Thüringer Verfassungsschutz wegen Strafvereitelung.

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