Landtagswahl 2019 in Thüringen

Thüringer CDU-Funktionäre unterstützen AfD-Flirt von Heym

Erfurt.  17 CDU-Funktionäre stellen sich an die Seite von Michael Heym und dessen AfD-Flirt. Darunter ist ein weiterer Thüringer Landtagsabgeordneter.

17 CDU-Funktionäre fordern CDU-Chef Mohring (Mitte) auf, sich hinter Michael Heym zu stellen. Der propagiert offen eine Zusammenarbeit mit der AfD um Björn Höcke (l.). Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (r.) bleibt indes geschäftsführend im Amt.

17 CDU-Funktionäre fordern CDU-Chef Mohring (Mitte) auf, sich hinter Michael Heym zu stellen. Der propagiert offen eine Zusammenarbeit mit der AfD um Björn Höcke (l.). Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (r.) bleibt indes geschäftsführend im Amt.

Foto: Foto: Sascha Fromm

Sie wollen nicht mit Björn Höcke und seiner AfD koalieren – jedenfalls wird diese Forderung in dem „Appell konservativer Unionsmitglieder in Thüringen“ nicht offen formuliert. Ergebnissoffene Gespräche solle es aber geben, schreiben die 17 Funktionäre - und stützen damit im Wesentlichen den von Fraktionsvize Michael Heym eingeschlagenen Kurs, der eine Zusammenarbeit mit der AfD propagiert.

Abgeordneter Kellner unter den Unterstützern

Unter den Unterstützern hat sich Prominenz versammelt: Jörg Kellner, Mitglied auch des gerade gewählten Landtages für die CDU, zeichnet das Schreiben genauso mit wie der ehemalige Landrat des Landkreises Schmalkalden-Meiningen, Ralf Luther. Unterstützung kommt auch aus der Frauenunion von Vorstandsmitglied Angela Wanner. Im Wesentlichen finden sich Vertraute Heyms auf der Unterstützerliste – so zum Beispiel seine beiden stellvertretenden Kreisvorsitzenden Christiane Barth und Ralf Liebaug.

Erst sprechen, dann entscheiden

Der Appell versucht, Heym gegen die Angriffe für seinen AfD-Flirt zu verteidigen, ohne die Partei ein einziges Mal zu nennen. Heym habe „die Situation treffend analysiert“ und deshalb erwarten die Funktionäre, „dass der Landesvorstand sich zu ihm bekennt“. Die CDU werde weder Bodo Ramelow (Linke) noch Björn Höcke (AfD) zum Ministerpräsidenten wählen. „Koalitionen mit beiden sind daher unmöglich“. Gleichwohl müsse „alles dazwischen unter Demokraten besprochen werden können“, heißt es weiter. Erst nach ergebnisoffenen Gesprächen könne entschieden werden, ob Entscheidungen für die Union daraus abzuleiten sind.

Kontroverse um Umgang mit Wahlergebnis

Zu der Situation der nahezu unmöglich scheinenden Regierungsbildung hat nach Ansicht der 17 „die Ausschließeritis“ im Landtagswahlkampf geführt. Ein direkter Angriff auf den CDU-Landeschef Mike Mohring, der stets vehement Koalitionen mit AfD und Linke abgelehnt hatte und sich nun weiter in die Ecke gedrängt sieht. Undenkbar sei es, dass „fast ein Viertel der Wähler“ – die AfD kam auf knapp 24 Prozent – „bei den Gesprächen außen vor bleiben soll“.

Innerhalb der CDU wird seit Tagen um den Umgang mit dem Wahlergebnis gestritten. Erst am Montag hatte sich der Eichsfelder CDU-Landrat Werner Henning, bevor sich die 17 jetzt als Unterstützer zu Heym gesellten, für eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei und gegen die AfD und deren Landeschef Björn Höcke ausgesprochen. Unterstützung bekam er von Landesvorstandsmitglied Heiko Steinecke, der auf Anfrage erklärte, dass man darüber nachdenken solle. Auch Mobit-Vorstand Sandro Witt lobte Henning für seine klaren Worte in Richtung CDU in Erfurt.

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