Weimar: 500 Bürger demonstrieren gegen rechten Aufmarsch

500 Menschen haben am Samstag gegen einen rechtsradikalen Aufmarsch in der nördlichen Innenstadt demonstriert. Die Polizei konnte beide Lager strikt voneinander trennen, sodass es zu keinen Zwischenfällen kam. Etwa 90 Neonazis nahmen an dem sogenannten "Trauermarsch" teil.

Das Weimarer Bürgerbündnis gegen Rechts will am Dienstag, 19. Februar, im Mon Ami die Proteste auswerten. Foto: Maik Schuck

Das Weimarer Bürgerbündnis gegen Rechts will am Dienstag, 19. Februar, im Mon Ami die Proteste auswerten. Foto: Maik Schuck

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Weimar. Im vergangenen Mai waren sie nicht in der Lage, die Auflagen der Stadt zu erfüllen, weshalb die Demonstration damals aufgelöst wurde; jetzt durften sie marschieren, weil sie besser vorbereitet wirkten, räumte auch OB Stefan Wolf (SPD) ein.

Das mag auch daran gelegen haben, dass der Anmelder des braunen Spuks, der Tannrodaer Neonazi Michael F., von der Stadt als Versammlungsleiter abgelehnt worden war und der Dessauer Neonazi Alexander W. professioneller ans Werk ging -leider. Von der Schopenhauerstraße marschierten die Rechtsradikalen über Thälmannstraße, Röhrstraße und Bertuchstraße auf den Stadtring, um dann zurück zum Bahnhof zu kommen.

Polizei sperrte das Areal großräumig ab

Immer wieder versuchten Gegendemonstranten in die Nähe zu gelangen und die Strecke zu blockieren, was jedoch nicht gelang. Die Polizei sperrte das Areal großräumig ab und ließ niemanden passieren, der wie ein Demonstrant wirkte. Uwe Adler vom Sprecherrat des Bürgerbündnisses gegen Rechtsextremismus war dennoch zufrieden. Dass das BgR 500 Menschen mobilisieren konnte, sei bereits ein Erfolg gewesen. Das Bündnis startete seine Aktionen 11 Uhr auf dem Baudertplatz: mit Kommunalpolitikern, Landtagsabgeordneten, vielen Studierenden, Musik, Tasifan, Tuba Libre und vielen anderen Teilnehmern mehr.

"Weimar ist tolerant und bunt", sagte Pfarrer Hardy Rylke und warnte davor, Menschen auszugrenzen. Danach kam es zu keinem Redebeitrag mehr, da sich die Demonstranten teilten. Das Gros zog zum Buchenwaldplatz, um letztendlich von dort aus Strategien für eine Blockade der Neonazi-Demo zu entwickeln.

Hunderte Polizisten aus Thüringen und Bayern im Einsatz

Nach Angaben der Polizei verlief der Einsatz ohne größere Zwischenfälle, dennoch sind gegen fünf Gegendemonstranten Platzverweise ausgesprochen worden. Auf linken Internetseiten wird kritisiert, dass die Beamten teilweise wenig zimperlich mit Gegendemonstranten umgegangen seien. Mehrere hundert Polizisten aus Thüringen, Bayern und Berlin waren nach Angaben der Landespolizeiinspektion Jena im Einsatz.

Obwohl die Rechten eine Demonstration über vier Stunden angemeldet hatten, löste sich der Zug nach einer Stunde auf. Mit dem sogenannten Trauermarsch wurde das Gedenken an jene 462 Menschen missbraucht, die bei einem Bombenangriff der Amerikaner am 9. Februar vor 68 Jahren ums Leben gekommen waren.

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