Zwei Corona-Impfstoffe in Thüringen - Werner verteidigt Strategie

Erfurt   Vielen Menschen geht es mit der Corona-Schutzimpfung zu schleppend voran. Doch Impfstoff ist nicht unbegrenzt verfügbar. Immerhin gibt es jetzt ein weiteres Präparat.

Die ersten 14 von insgesamt 29 Impf-Zentren sollen in Thüringen am Mittwoch in Betrieb gehen.

Die ersten 14 von insgesamt 29 Impf-Zentren sollen in Thüringen am Mittwoch in Betrieb gehen.

Foto: Conny Möller

Thüringen kann für die Corona-Schutzimpfung jetzt auf zwei Impfstoffe zurückgreifen. Am Dienstag trafen die ersten Vorräte des von der US-Firma Moderna entwickelten Impfstoffs im Freistaat ein, wie Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) nach der Kabinettssitzung mitteilte. Geliefert wurden zunächst 1200 von der insgesamt 26.400 vom Bundesgesundheitsministerium zugesagten Impfdosen. Die restlichen werden bis Ende Februar erwartet. Bereits seit Ende Dezember wird in Thüringen der Impfstoff des Mainzer Herstellers Biontech in Thüringer Pflegeheimen und Krankenhäusern verimpft. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog

Die ersten 14 von insgesamt 29 Zentren sollen in Thüringen am Mittwoch in Betrieb gehen, unter anderem in Weimar, Erfurt, Gera, Sonneberg und Bad Langensalza. Dort können dann bis Freitag zunächst gut 3000 Menschen ihre Erstimpfung erhalten. Die restlichen folgen schrittweise ab 3. Februar. Dann solle auch der Moderna-Impfstoff zum Einsatz kommen, sagte die Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Thüringen, Annette Rommel. Die KV managt die Impfzentren und die mobilen Impfteams - die in Pflegeheimen zum Einsatz kommen -, während die Krankenhäuser die Impfung ihres Personals in Eigenregie übernehmen.

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Laut Gesundheitsministerium haben bis Dienstag 12.517 Menschen ihre Erstimpfung erhalten - die Immunisierung besteht aus zwei Einzelimpfungen. Pro 1000 Einwohnern entspricht das 5,9 Impfungen. Niedriger ist die Quote in Sachsen (5,8), Brandenburg (6,0) liegt leicht darüber. Angesichts der relativ niedrigen Thüringer Quote bekräftigte CDU-Landtagsfraktionschef Mario Voigt am Dienstag seine Kritik an der Impfstrategie des Landes, diese sei «unbefriedigend».

Andere Bundesländer hatten die Impfzentren teilweise schon Ende Dezember in Betrieb genommen. Werner verteidigte die in Thüringen gewählte Strategie, wonach sich die Impfung in den ersten zwei Wochen auf Pflegeheime und Krankenhäuser konzentriert hatte. Pflegebedürftige in Heimen und Personal etwa auf Intensivstationen von Krankenhäusern seien die Bevölkerungsgruppen, bei denen die Impfung von höchster Priorität sei. Zudem setze der begrenzte Vorrat an Impfstoff weiterhin Grenzen, betonte die KV-Vorsitzende Rommel.

Das wirke sich auch auf die Terminvergabe im eigens dafür eingerichteten Internetportal www.impfen-thueringen.de und unter der Hotline 03643/49 50 490 aus. Internetportal und Hotline waren in den vergangenen Tagen ständig überlastet. Rommel warb um Verständnis und Geduld. Bundesweit herrscht Mangel an Corona-Impfstoff.

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Die CDU-Fraktion hatte kürzlich ein eigenes Impfkonzept vorgelegt, in dem unter anderem die Einbindung der kommunalen und in der Pandemie bereits seit Monaten extrem belasteten Gesundheitsämter gefordert wurde. Voigt forderte Impfzentren, «die dem Ansturm der Impfwilligen auch gewachsen sind». Aus Kommunen war vereinzelt Kritik an der Auswahl von Impfzentren laut geworden. «Wir haben uns bewusst für wohnortnahe, kleinere Impfstellen entschieden», erklärte Rommel dazu. Die 29 Anlaufstellen sind so verteilt, dass es in jedem Landkreis und jeder kreisfreien Stadt mindestens eine gibt.

Von Montag zu Dienstag wurden für Thüringen 710 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Die Gesamtzahl der Infizierten seit Beginn der Pandemie erhöhte sich nach den Zahlen des Gesundheitsministeriums auf 52 311. Die Zahl der Toten im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung stieg um 55 auf nunmehr 1409. Die Landkreise Saalfeld-Rudolstadt und Hildburghausen weisen mit 595,9 beziehungsweise 526,9 die bundesweit höchsten Werte bei der sogenannten Sieben-Tage-Inzidenz auf. Die Zahl gibt an, wie viele Menschen je 100 000 Einwohnern sich innerhalb der letzten sieben Tage mit dem neuen Corona-Virus angesteckt haben. Für das ganze Land liegt der Wert bei 325,7.