Altenburger Museen ehren Alexander von Humboldt

Altenburg  Mauritianum gibt den Auftakt der Ausstellungsreihe zum 250. Geburtstag des großen Gelehrten

Trotz des teilweise hohen Alters mussten die Exponate im Mauritianum nicht viele Federn lassen.

Trotz des teilweise hohen Alters mussten die Exponate im Mauritianum nicht viele Federn lassen.

Foto: Andreas Bayer

In diesem Jahr wird der 250. Geburtstag Alexander von Humboldts gefeiert – und wie. In einer gemeinsamen Ausstellungsreihe nehmen die vier großen Museen des Landkreises das Leben und Wirken des großen Gelehrten in den Blick.

„Humboldt würde heute einen Sticker tragen mit der Aufschrift I love Greta“, ist sich Mike Jessat sicher. Der Direktor des Naturkundemuseums Mauritianum in Altenburg begründet diese Einschätzung so: „Wie die schwedische Klima-Aktivistin Greta Thunberg war er sehr authentisch in dem, was er vertreten hat und verstand es, seine Botschaft nach außen zu tragen.“ Das Mauritianum selbst habe einen kleinen Narren an ihm gefressen, obwohl er schon so lange nicht mehr da sei.

Sein Beispiel spornte das Bürgertum an

Der Einfluss des Naturforschers reichte bis in die kleinsten deutschen Staaten und Städte. Ein der Aufklärung verpflichtetes Bürgertum ebenso wie Regenten fühlten sich durch sein Beispiel angespornt, mit der neuen Welt in Austausch zu treten, Sammlungen anzulegen, diese zu erforschen, zu zeichnen und zu veröffentlichen.

So auch in Altenburg. „Die Freimaurer waren Gründungsväter von sehr vielen Vereinen, auch von der Naturforschenden Gesellschaft Altenburg“, sagt Jessat. In dieser Gesellschaft, die damals noch das Osterland anstelle Altenburgs im Namen trug, ist Humboldt seit 1828 auch Ehrenmitglied gewesen.

Am Sonntag machte das Mauritianum den Auftakt des Ausstellungsmarathons Humboldt hoch 4 mit der ersten Ausstellung unter dem Titel „Sammeln und Forschen im Geiste Humboldts“. Dabei sind zahlreiche Exponate zu sehen, die Mitglieder der Naturforschenden Gesellschaft bereits im 19. Jahrhundert nach Altenburg holten.

Sogar ein Humboldtpinguin ist darunter. „Die Art wurde aber erst 33 Jahre später nach Humboldt benannt, er selbst war sehr bescheiden“, sagt Jessat. „Humpi“, der gezeichnete Pinguin führt Kinder zudem in einem kleinen Film durch die Ausstellung.

Durch Aktienbeteiligungen an Expeditionen nach Süd- und Mittelamerika sowie Australien kamen so zahlreiche eingelegte und ausgestopfte Tiere in die Skatstadt. „Wir haben kein einziges Objekt von Humboldt direkt erhalten, aber durch seine Vermittlung und Hilfe sehr viele“, so Jessat. Der Gelehrte sei ein einziges Netzwerk gewesen, habe zudem das Speed-Dating erfunden. Damit meint der Museumsdirektor den schnellen gegenseitigen Austausch von Informationen anstelle von einseitigen Vorträgen.

Auch auf die Spuren eines Altenburger Entdeckers begibt man sich im Mauritianum. Nachdem Alfred Brehm 1876 von Westsibirien bis in den Altai reiste, will es ihm die Naturforschende Gesellschaft 2019 gleich tun. In Kooperation mit der tschechischen Palacký-Universität Olmütz startet man eine ethnologische Forschungsreise „Auf den Spuren Humboldts im Altai.“

Drei Ausstellungen folgen im August und September

Am 18. August wird im Altenburger Residenzschloss ihr Ausstellungsbeitrag eröffnen. Mit „Herzöge auf Spitzbergen, Prinzen am Amazonas: Adlige Entdecker in der Nachfolge Humboldts“ widmet man sich Humboldts Einfluss auf die Aristokratie, den er als preußischer Kammerherr ausüben konnte. Darin wird auch die Expedition des Altenburger Herzogs Ernst II. nach Spitzbergen aus dem Jahr 1911 aufgearbeitet.

Am 22. August zieht das Lindenau-Museum nach. Mit „Altenburg und die Welt“ ist die Ausstellung äußerst wage betitelt, wie Museumsdirektor Roland Krischke eingesteht.Dabei finden sich in der Bibliothek des Museums zahlreiche Bände des großen Reisewerks über Südamerika in Erstausgabe.

Daneben werden auch prachtvolle Folianten über die Expeditionen von Humboldts Nachfolgern präsentiert, ebenso Werke von Forschern, die Humboldts Tätigkeit überhaupt erst ermöglichten. Dazu gehört etwa Georg Forster, dessen Zeichnungen aus der Forschungsbibliothek Gotha in einer Auswahl zu sehen sein werden, etwa Darstellungen zu James Cooks Weltumseglung, an welcher der junge Forster teilnahm.

Am 1. September wird schließlich im Museum der Burg Posterstein die Ausstellung „Aus Schönheide nach Südamerika – Der Vogelkundler, Zeichner und Maler Anton Goering (1836-1905)“ eröffnet. Sie ist dem Handwerkersohn gewidmet, der zum Forschungsreisenden, Zeichner und Tierpräparator aufstieg. Nach seiner künstlerischen Ausbildung in Leipzig und London betrieb Goering auf zwei Forschungsreisen ab 1866 für die Zoological Society of London in Südamerika botanische und geografische Studien.

Er sammelte und präparierte exotische Tiere und hielt seine Eindrücke in Landschaftsaquarellen fest. Für seine Verdienste verlieh ihm Herzog Ernst I. von Sachsen-Altenburg den Professorentitel. In der Ausstellung werden Goerings Reisewege anhand von Tagebüchern und Holzschnitten nachgezeichnet.

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