Andreas Bayer über Zauberei in der Not

Manchmal erscheint es einem ja wie verhext, doch die Erfahrung lehrt, dass es in der großen Politik keine Zufälle gibt.

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So traf ich vor einer Woche Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) bei der Meuselwitz Guss. Ein paar Tage später wird bekannt, dass eine Gießereigruppe aus Silbitz als Minderheitsgesellschafter in der Schnauder­stadt einsteigt. Auch dass Umweltministerin Anja Siegesmund (Bündnis 90/Die Grünen) in Lumpzig erschien, war alles andere als dem Zufall geschuldet. Schließlich gab es die frohe Botschaft zu verkünden, die Landesregierung werde viele Millionen lockermachen, um die Not der Brunnendörfer baldmöglichst zu beenden.

Kulturminister Benjamin-Immanuel Hoff (Die Linke) erschien hingegen nicht zur Diskussion im Lindenau-Museum. Aber noch ist die geplante Kulturstiftung Mitteldeutschland nur ein Hirngespinst, bis auf die Fördersumme ist fast nichts bekannt. Daher kann man zufrieden sein, dass Hoff immerhin seinen Referatsleiter für Museen geschickt hat. Das Residenzschloss und das Lindenau-Museum sind eingeladen, der Stiftung beizutreten. Dabei stellt sich doch die Frage, warum nicht die anderen bedeutenden Kulturinstitutionen im Landkreis? Museumschef Roland Krischke verglich Altenburg dabei mit einem kleinen gallischen Dorf, der Heimat von Asterix und Obelix. Angesichts der Diskussion vom Mittwochabend möchte man einen weisen Rat aus dem Comic ergänzen: Du kannst die Haut des Wildschweines nicht verteilen, ehe du es erlegt hast. Sollten sich Bund und Länder soweit einig werden, einen Entwurf vorzulegen, kann man immer noch Pro und Contra abwägen. Die jetzt verstärkte Vernetzung der Altenburger Akteure hat offenbar dieses Anlasses bedurft.

Wie viele Notfälle es braucht, damit das Schulamt Ostthüringen endlich tätig wird, war in dieser Woche ebenfalls zu erleben. Damit die Grundschule in Ponitz zum neuen Schuljahr nicht ohne Lehrer dasteht, können sich Interessierte am Mittwoch bei einer Stellenbörse in Gera melden. Als wäre der Lehrermangel vom Himmel gefallen. Die Bürgermeister von Schmölln und Ponitz haben jetzt selbst Initiative ergriffen, weil das Modell eines Schulverbundes auf sich warten lässt. Dabei hatte dies selbst Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke) für gut befunden. Offenbar hat er keinen Zaubertrank.

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