Archäologe korrigiert Alter der Kirche in Heyersdorf

Die Heyersdorfer Kirche ist nicht, wie bislang angenommen, in der Zeit um 1050 erbaut worden. Und auch der Turm war nicht vor dem Kirchensaal da. Eine Grabung im Boden des Kleinods auf dem Berg bringt Überraschendes zu Tage.

Grabungsleiter Thomas Queck an der freigelegten östlichen Mauer, die den Abschluss des ursprünglichen Kirchensaales bildete. Foto: Petra Lowe

Grabungsleiter Thomas Queck an der freigelegten östlichen Mauer, die den Abschluss des ursprünglichen Kirchensaales bildete. Foto: Petra Lowe

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Heyersdorf. Bislang waren die Heyersdorfer davon ausgegangen, dass ihre Kirche um 1050 gebaut wurde. Und sie gingen auch davon aus, dass der Turm als erstes stand. Bei der Grabung im Boden der Kirche aber haben Thomas Queck und sein zweiköpfiges Team vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie etwas ganz anderes herausgefunden: "Die Kirche stammt keinesfalls aus 1050 und zuerst gab es den Kirchensaal." Der Turm sei später dazugekommen, sagt Queck. Für die offenbar falsche Erstdatierung ist eine Bauforschung verantwortlich, die sich auf gefundene Rüsthölzer bezog. Diese Rüsthölzer könnten zwar romanischen Ursprungs sein, räumt Queck ein, aber auf keinen Fall vor Barbarossa (um 1122 bis 1190). Da sei wohl der Wunsch der Vater des Gedankens. Anhand der Jahresringe des Holzes könne man heute aufs Jahr genau den Bau datieren. Für eine bislang verbreitete Bauzeit um 1050 sei die Quellenlage offenbar großzügig ausgelegt worden, meint Queck. Wahrscheinlicher ist das 1^3. Jahrhundert.

Seit fünf Wochen gräbt das Team bereits den Boden der Kirche bis in 50 Zentimeter tief ab. Keramikstücke, fünf Silbermünzen und herausgebrochene Steine wurden zu Tage gefördert. Doch die wichtigste Erkenntnis birgt das freigelegte Mauerstück zwischen Kirchenschiff und Turm. Es ist ein 1,10 Meter breiter Mauerrest, der den Ostabschluss der kleinen Kirche markiert habe, so Queck. Da die anderen Mauern eine ähnliche Stärke haben, schließt Queck darauf, dass der Saal als in sich geschlossene Einheit zuerst da war. Das sei auch nicht verwunderlich, weil dies eine Nebenkirche war, die der Dorfbevölkerung diente. In der romanischen Zeit habe man aus statischen Gründen Spannfundamente zwischen den Trennungspfeilern verwandt. Doch die hat Queck in Heyersdorf nicht gefunden. Stattdessen die breite Mauer.

Die Keramikfunde scheinen Quecks Vermutung zur Bauzeit zu bestätigen: 13. Jahrhundert, vielleicht 1250. Das würde auch ins Umfeld passen, sagt er. Die im Turm gefundenen Keramikstücke dagegen seien jüngeren Datums, 14./15. Jahrhundert. Auch die gotischen Architekturelemente im Turm deuten auf eine spätere Erbauung hin. Aufgefallen sei auch, dass die Laufhorizonte sich auf den Saal beschränken. Queck führt hier die Verdichtungen im Boden an. Für die Kirchgemeinde dürften die Ergebnisse eine Überraschung sein. Für Queck sind sie es nicht. Die neuen Befunde über die zeitliche Abfolge des Baus von Saal und Turm sind wichtig. Dass die Grabungsmannschaft überhaupt in Heyersdorf anrückte, ist der Innensanierung der Kirche samt Kirchengestühl geschuldet. Seit Jahren engagiert sich die Gemeinde für die Instandsetzung des Kleinods auf dem Berg – und wirbt dafür emsig Geld ein. Die Grabung selbst kostet die Kirchgemeinde nichts, dafür zahlt das Land. Nun müssen die Funde, die Queck in Bananenkisten und Tüten verpackt, im Landesamt ausgewertet werden. Der Stein, der ihm gerade in die Hände fällt, hat eine rotbraune Färbung. "Hier muss es einmal ein Feuerereignis gegeben haben", sagt er. Doch Holzkohle wurde nicht gefunden. Also bleiben noch einige Rätsel.

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