Archivschätze in Posterstein ausgegraben

Zur aktuellen Sonderausstellung mit Napoleon-Karikaturen veröffentlicht das Museum Burg Posterstein jetzt auch ein Buch. Es zeichnet die Leipziger Völkerschlacht aus dem Blickwinkel der hiesigen Region nach.

Napoleon im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturenheißt die aktuelle Sonderausstellung im Museum Burg Posterstein. Dazu erscheint nun auch ein Buch, das am Sonntag, 13. Oktober, vorgestellt wird.

Napoleon im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturenheißt die aktuelle Sonderausstellung im Museum Burg Posterstein. Dazu erscheint nun auch ein Buch, das am Sonntag, 13. Oktober, vorgestellt wird.

Foto: zgt

Posterstein. Zinnsoldaten, Schlachtengetümmel im Diorama - mit solch einer Ausstellung wollte sich Klaus Hofmann, Direktor des Museums Burg Posterstein, nicht einreihen in den Veranstaltungsreigen rund um 200 Jahre Völkerschlacht bei Leipzig. Stattdessen haben sich die Postersteiner auf Spurensuche begeben und in der Universitäts- und Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha einen wahren Schatz im Pappkarton ausgegraben. "Napoleon im Zerrspiegel zeitgenössischer Karikaturen" heißt die Sonderschau, die seit Anfang September zu sehen ist. Das Museum hat damit eine Nische besetzt und schildert anschaulich, informativ und unterhaltsam den Aufstieg und Fall des korsischen Feldherren Napoleon. Rund 2500 Besucher sahen die Schau bislang.

"Unsere Region war voll betroffen", sagt Klaus Hofmann. Was die Völkerschlacht für Schmölln, Gößnitz und Altenburg bedeutete, das können Interessierte ab sofort in einem Buch nachlesen. Vorgestellt wird die Publikation, die den Ausstellungstitel aufgreift, an diesem Sonntag, 15 Uhr auf Burg Posterstein. Sabine und Klaus Hofmann halten dazu einen Vortrag und werden den Bogen spannen vom Löbichauer Musenhof der Herzogin von Kurland über die Lazarette und Hauptquartiere, die Napoleons Gegner im Altenburgischen aufgeschlagen haben, bis hin zum Schlachtfeld bei Leipzig.

Altenburg muss Tausende Soldaten versorgen

Gut eine halbe Million Soldaten aus einem Dutzend Nationen kämpften hier im Oktober 1813. Dieses Weltereignis betrachten Ausstellung wie auch Buch aus dem regionalen Blickwinkel. Auf 212 Seiten sind zum einen 45 der gut 70 in der Ausstellung gezeigten Karikaturen zu sehen, zum anderen fassen die acht Autoren, darunter Mitglieder des Bornaer Heimatvereins und der Altenburger Regionalforscher Gustav Wolf, ihre Forschungsergebnisse zusammen. Und dafür wurden Berge von Material gesichtet.

Klaus und Sabine Hofmann beispielsweise haben im Wiener Kriegsarchiv der Korrespondenz der Militärs mit dem österreichischen Hauptquartier gesichtet und Hunderte Kurierbriefe gelesen. Sie lasen von den Truppenbewegungen, von Erfolgen und Niederlagen, Schmölln wurde eingenommen und wieder verloren. Streifkorps - zu vergleichen mit Partisanen - durchritten Ostthüringen und störten Napoleons Truppenbewegungen. Die Altenburger erlebten indes viel mehr als Truppendurchzüge. Die Stadt musste zuerst die Franzosen versorgen, dann die österreichisch-russischen Truppen. Regionalforscher Gustav Wolf hat nach Angaben eines Kriegs- und Stadtchronisten Tabellen zur Verpflegung der Kämpfenden und Verwundeten erstellt. 500 Kühe, fast 400 Hühner, 37"000 Pfund Erbsen, 47"000 Pfund Butter werden da zum Beispiel aufgelistet. Außerdem 25"000 Zentner Heu für die Pferde. Bettgestelle, Leintücher, Strohsäcke, Nähnadeln, Schwämme, Zwirn, Krücken, Handtücher, Schüsseln und Binden für Verletzte.

Das Buch ist doppelt so dick wie geplant

Auch die Rittergüter, und damit ebenso der Löbichauer Musenhof, waren zu Abgaben verpflichtet - irrsinnige Mengen und das über einen langen Zeitraum. "Das zog sich über das ganze Jahr 1813 hin", erklärt Klaus Hofmann. Dass die Altenburger und Schmöllner Region infolge der Belagerung nicht ausblutete und keine Hungersnot ausbrach, spricht für den Reichtum des Landstrichs, für eine funktionierende Landwirtschaft.

Doch natürlich spricht Hofmann auch von Plünderungen, Elend und Typhus. Von Tatarengräbern, Kriegsberichterstattern und einer von Kanonenkugeln umrahmten Gedenktafel ist in dem Buch außerdem die Rede. Das Material erwies sich als so umfangreich, dass der ursprünglich geplante Umfang von 100 Seiten verdoppelt werden musste. Das führte auch zur Verzögerung: Eigentlich sollte das Buch im September vorgestellt werden. Nun eben am Sonntag. Damit rücken Sabine und Klaus Hofmann zeitlich nah an den Beginn der Völkerschlacht am 16. Oktober. Was an jenem 13. Oktober vor 200 Jahren in und um Leipzig geschah, wie der Zar nach Altenburg kam und Brockhaus erstmals über den Krieg berichtete - das erfahren Besucher am Sonntag in Posterstein.

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