Besondere Stützen für die 1000-jährige Eiche in Nöbdenitz

Schmölln/Nöbdenitz  Technischer Ausschuss des Stadtrates Schmölln beschließt Planung und Bau einer Haltekonstruktion

Die 1000-jährige Eiche in Nöbdenitz ist ein Naturdenkmal und auf Grund ihres Alters auch Besuchermagnet. Zumal sich in ihren Wurzeln das Grab von Hans Wilhelm von Thümmel befindet.

Die 1000-jährige Eiche in Nöbdenitz ist ein Naturdenkmal und auf Grund ihres Alters auch Besuchermagnet. Zumal sich in ihren Wurzeln das Grab von Hans Wilhelm von Thümmel befindet.

Foto: Jana Borath

Die Nöbdenitzer Eiche bekommt ein Stützgerüst. Den entsprechenden Beschluss über Planung und Bau fasste der Technische Ausschuss des Stadtrates Schmölln vor kurzem in seiner jüngsten Sitzung. Die Abstimmung darüber fiel nicht einstimmig aus. Neun der zwölf anwesenden Abgeordneten befürworteten diese Maßnahme zum Erhalt des Naturdenkmals, zwei stimmten mit Nein, eine Abgeordnete enthielt sich der Stimme.

Schon bis zum 15. Oktober dieses Jahres müssen das Projekt umgesetzt und die dafür in Anspruch genommenen Fördergelder abgerechnet sein. Die Stadt kann 65 Prozent der Kosten beim Amt für Landentwicklung und Flurneuordnung geltend machen, da das Stützgerüst ein Vorhaben ist, das im Rahmen des Dorferneuerungsprogrammes für Nöbdenitz realisiert wird.

Die Gesamtkosten belaufen sich auf 35.819 Euro, 23.282 Euro davon sind Fördergelder. Der Eigenanteil der Kommune beträgt dann noch 12.537 Euro.

Vor der Beschlussfassung im Technischen Ausschuss entspann sich dort eine lebhafte Debatte um das Vorhaben. „Schön sieht das sicherlich nicht aus“, kommentierte Ausschusschef Winfried Hippe (CDU) mit einem Blick auf die Skizze des Stützgerüstes: eine Konstruktion mit so genannter Marionettenaufhängung, bei der Stahlseile die Äste der 1000-jährigen Eiche halten sollen.

„Wir benötigen ein Stützsystem für die Eiche aus haftungsrechtlichen Gründen“, erläuterte André Gampe, Nöbdenitzer Ortsteilbürgermeister und Stadtratsmitglied der Wählergemeinschaft für das neue Schmölln. Zwei Gutachten, die seit 2014 angefertigt worden sind, belegen nach seinen Worten, dass die Standfestigkeit des Baumes nicht mehr gegeben ist. Der Eigentümer, in diesem Falle die Kommune, sei indes verpflichtet, für Sicherheit zu sorgen. „Es gab bereits in Nöbdenitz und im früheren Gemeinderat viele Überlegungen, auch gemeinsam mit Gutachtern und Statikern, wie so ein Stützsystem aussehen könnte, ohne dass der Baum in zehn Jahren aussieht wie ein Mikado-Spiel“, berichtete Gampe weiter. Das jetzt favorisierte Modell beschreibt zwei Stützpfeiler, an denen sehr dünne Stahlseile befestigt werden, die die Äste der Eiche halten. „Wir brauchen damit keine weiteren Stützen, die Seilabspannung selbst ist erweiterbar. In der Realität werden die Stahlseile kaum auffallen, weil sie unter dem Laub des Baumes verlaufen.“

Lutz Landgraf (Bürger für Schmölln) sieht das Geplante kritisch: „Ich finde, die Sache ist weit hergeholt. In den Erhalt der Eiche wurden bereits immense Summen an Geld gesteckt. Mir stellt sich die Frage, wie weit man das treiben will mit der Eiche und ob man nicht einfach die Äste wegnehmen kann. Das Leben eines Baumes ist doch ebenso begrenzt, wie das des Menschen.“ André Gampe: „Ein weiterer Rückschnitt des Baumes ist nicht möglich, da er dann sterben würde. Die Eiche braucht das Laub zum Leben, da sie innen hohl ist. Zumal der Schwefelporling dem Stamm zusetzt. Wenn wir die Eiche einkürzen, setzen wir ihr ein künstliches Todesdatum.“ Schon 2017 habe die Gemeinde Nöbdenitz das Stützgerüst errichten wollen. Allerdings habe sie damals dafür kein grünes Licht bekommen.

Catja Schröter (Bürger für Schmölln) wollte wissen, wie lange diese Konstruktion halten soll. Eine ewige Garantie gebe es doch sicherlich nicht.

Seit mehr als zehn Jahren ist die Verkehrssicherungspflicht Thema für das Naturdenkmal in Nöbdenitz. Damals wurden bereits zwei Stützen angebracht. 2014 schlugen die Wellen in der damaligen Gemeinde hoch, als ein Gutachten in einer von drei Varianten den radikalen Rückschnitt des Baumes empfahl. Seitdem wurde nach einer Möglichkeit gesucht, um zum einen die Verkehrssicherheit zu gewährleisten und zum anderen die Eiche am Leben zu erhalten.

Die Untere Naturschutzbehörde beim Landratsamt indes legt besonderen Wert auf den Erhalt des Stammtorsos des Baumes. Dies geht aus einer Stellungnahme der Behörde hervor, die sie im vergangenen Jahr für die Beantragung der Fördergelder für das Stützgerüst abgab. Von Bedeutung sei der Baum vor allem als Grabstätte.

Die Nöbdenitzer Eiche gilt als der einzige Baum in Deutschland, in dem sich ein Grab befindet. Im hohlen Innenraum des Wurzelbereiches ruht der 1744 auf einem Rittergut bei Leipzig geborene Hans Wilhelm von Thümmel. Er starb am 1. März 1824 im Alter von 80 Jahren und wurde gemäß seinem Vermächtnis am 3. März 1824 in einer ausgemauerten Gruft im Wurzelraum der Eiche bestattet. Diese Bestattung wurde von der herzoglichen Regierung genehmigt und ist im Kirchenregister dokumentiert.

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