Diskussion zur Schlösserstiftung im Lindenau-Museum Altenburg

Altenburg  Diskussionsrunde im Lindenau-Museum lotet Chancen für Altenburger Kultureinrichtungen in der angekündigten Schlösserstiftung aus. Stiftung wird zum einen als „vergiftetes Geschenk“ oder „einmalige Chance“ gesehen.

Die Diskussion um die Zukunft wichtiger Altenburger Kultureinrichtungen im Lindenau-Museum war gut besucht.

Die Diskussion um die Zukunft wichtiger Altenburger Kultureinrichtungen im Lindenau-Museum war gut besucht.

Foto: Andreas Bayer

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Es klingt nach einer großen Summe. 200 Millionen Euro, so hat der Haushaltsausschuss des Bundestages verkündet, sollen an die Kultureinrichtungen Thüringens und Sachsen-Anhalts fließen. Im Landkreis könnten davon konkret das Lindenau-Museum sowie das Residenzschloss profitieren. Allerdings hat der Bund sein Angebot an die Bedingung der Gründung einer Stiftung geknüpft.

Museumsdirektor Roland Krischke ist sichtlich verzückt angesichts der vielen Besucher am Mittwoch Abend, die den Weg zur Diskussionsrunde gefunden haben. „Sie werden hoffentlich keine Wunderdinge erwarten“, sagt er zur Begrüßung. Das Treffen diene dem Zweck, alle auf den gleichen Kenntnisstand zu bringen sowie Erwartungen zu formulieren. Lutz Woitke, Vorsitzender des Förderkreises „Freunde des Lindenau-Museums“, übernahm die Moderation und las einen Brief vor, welcher Mitte Juni in der Skatstadt ankam und seitdem für Diskussionen sorgt. Absender ist die Thüringer Staatskanzlei unter Kulturminister Benjamin-Immanuel Hoff (Die Linke). Woitke bat Krischke um eine Zusammenfassung.

Aus dessen Sicht verkompliziere sich die Lage durch die Bedingung, die Fördermittel an eine noch zu gründende Stiftung zu knüpfen. Deren Rahmenbedingungen sei noch gänzlich unbekannt. „Wir haben uns immer wie das kleine, gallische Dorf gefühlt, nur ohne den Zaubertrank“, spielte Krischke auf die Comicreihe Asterix & Obelix an. „Wir müssen uns positionieren, nicht reagieren auf das, was kommt.“ Oberbürgermeister André Neumann (CDU) gab einen Einblick in die städtische Perspektive als Eigentümer von Residenz und Schlossberg. „Mein Einfluss ist momentan, auf alle Anfragen zur Sanierung erstmal ‚Nein‘ zu sagen, weil die Stadt das finanziell nicht leisten kann.“ Die Stadtratsfraktionen müssten sich irgendwann dazu positionieren, sagte er, warf aber auch die Frage auf, was passiere, wenn der Bund diese Stiftung nicht mehr unterstütze. Der Vorsitzende der Stadtratsfraktion von Pro Altenburg, Peter Müller, schloss sich dieser Einschätzung an. „Die klamme Stadtkasse ist fast nicht mehr zu ertragen:“ Auch das Theater in seiner heutigen Form sei nicht mehr lange zu halten. Wichtig sei eine in den Gremien abgestimmte Vorgehensweise.

Nikolaus Dorsch, SPD-Fraktionsvorsitzender im Altenburger Stadtrat, sah in dem Angebot „eine historisch einmalige Chance.“ Man sollte geschlossen auftreten und sich auf das konzentrieren, was mit der Stiftung verbunden sei, um bei Bedarf ein Konzept aus der Schublade ziehen zu können. Dem stimmte auch die ehemalige Landrätin Michaele Sojka (Die Linke) zu. Sie äußerte aber die Befürchtung, dass es ein „vergiftetes Geschenk“ sein könne. Die Zeitschiene bis zur Gründung der Stiftung sei viel zu eng.

Den Ball nahm Alt-OB Johannes Ungvari (CDU) auf, der einen Vergleich mit dem Trojanischen Pferd bemühte. „Ich warne vor allzu großer Euphorie“, sagte er. Man habe in den 90er Jahren die Möglichkeit einer Stiftung bewusst verworfen. Der CDU-Landtagsabgeordnete Christoph Zippel empfahl, sich nicht auf die Stiftung zu versteifen. „Die Bundespolitiker bestehen nicht zwangsläufig auf diesem Konstrukt.“ Er sprach sich dafür aus, lieber rote Linien aufzumachen, wie viel Mitbestimmung man wolle.

Vor eben jenen roten Linien warnte hingegen André Neumann. „Sind die einmal ausgesprochen, kommt man nur schwer wieder weg davon.“ Die Folge sei ein Glaubwürdigkeitsproblem. Landrat Uwe Melzer (CDU) relativierte. „Es klingt nach viel Geld, am Ende werden wird das aber auch ausgeben.“ Wichtig sei, dass man den Einfluss behalte, um die Kultur auch in die ländlichen Regionen zu bekommen.

„Es wurde deutlich, dass wir alle das Geld wollen. Der Eine hat mehr Bauchschmerzen, der Andere weniger. Aber wir haben ein gutes Signal der Geschlossenheit erreicht“, fasste Christoph Zippel die Diskussion aus seiner Sicht zusammen. Museumsdirektor Krischke zeigte sich erfreut über die Offenheit.s „Wichtig ist, dass man plötzlich eine enorme Dynamik in Altenburg verspürt. Am Ende werden wir besser dastehen als vorher.“

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