Frust in Ponitz: Ungewissheit eine Woche vor Schulstart

Ponitz  Die beiden einzigen Lehrerinnen der Bildungseinrichtung haben um ihre Versetzung gebeten. Eltern der Ponitzer Grundschüler sind frustriert: Seit Juli fordern sie genaue Informationen vom Schulamt Ostthüringen.

Eltern sind in Sorge um die Zukunft der Grundschule Ponitz. Ronny Lorenz, Vorsitzender des Schulfördervereines, Elternsprecher Samuel Werner, Mutter Jeannette Walther und Mathias Nötzold, stellvertretender Chef des Schulfördervereins (v. l.).

Eltern sind in Sorge um die Zukunft der Grundschule Ponitz. Ronny Lorenz, Vorsitzender des Schulfördervereines, Elternsprecher Samuel Werner, Mutter Jeannette Walther und Mathias Nötzold, stellvertretender Chef des Schulfördervereins (v. l.).

Foto: Jana Borath

Eine Woche vor dem Start ins neue Schuljahr ist die Verunsicherung bei den Eltern Ponitzer Grundschüler riesig. Die beiden einzigen Lehrerinnen der Bildungseinrichtung haben um ihre Versetzung gebeten. Am letzten Schultag genehmigte sie das Schulamt Ostthüringen. „Wir erfuhren davon quasi mit der Zeugnisausgabe“, berichtet Elternsprecher Samuel Werner. Wie es an der kleinen Landschule weitergeht, wollten alle Eltern dann Ende Juli vom Schulamt wissen und fragten per Mail dort an – ohne Antwort darauf zu erhalten. Auch telefonisch habe man in der Behörde, die in Gera ihren Sitz hat, nichts in Erfahrung bringen können. „Entweder wurden wir nicht weiter verbunden oder es ging niemand ans Telefon“, erinnert sich Jeannette Walther. Erst der juristische Rat eines Verwaltungsfachanwaltes half den Müttern und Vätern. „Danach formulierten wir unsere Fragen als Anträge, weil die innerhalb von vier Wochen zu beantworten sind“, erzählt Ronny Lorenz, Vorsitzender des Schulfördervereines.

Vier Fragen – als Anträge gestellt – erreichten so das Schulamt Ostthüringen. Das zog: Die Behörde lud zum Gespräch nach Gera. Das sei freundlich und offen verlaufen, die Informationen indes waren wohl dürftig. Man habe die Anweisung vom Thüringer Bildungsministerium, die Ponitzer Grundschule offen zu halten, Alternativpläne würden erarbeitet, Lehrer würden abgeordnet oder zwangsabgeordnet. So fasst Walther den Gesprächsinhalt aus ihrer Sicht zusammen. Wenn die Ponitzer Grundschüler in Gößnitz beschult würden, könne die gesamte Stundentafel abgearbeitet werden. Das sei nicht zu gewährleisten, würde man Ponitz als Unterrichtsort favorisieren. „Frustriert“, beschreibt Walther die Reaktionen der Ponitzer Eltern. „Wir wissen, dass es einen Schulanfang geben soll. Mehr nicht“, bringt Ronny Lorenz den aktuellen Wissensstand der Mütter und Väter auf den Punkt.

Elternsprecher und Schulförderverein kümmern sich derweil seit Wochen darum, dass die Ausschreibung auf der Internetseite des Schulamtes für die beiden Lehrerstellen an der Grundschule Ponitz publik werden. „Wir haben uns mit allen Hochschulen, die für uns in Frage kommen, kurzgeschlossen“, erzählt Werner. Ob auch Wechselwillige darüber Kenntnis erhalten, kann er nicht sagen. „Einige Zeit war es schwierig, die Stellenanzeige zu finden auf der Internetseite.“

Eine Anfrage von OTZ-Schmöllner Nachrichten beim Schulamt Ostthüringen und dem Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport bringt eine Woche vor Schulstart in Ponitz wenig Erhellendes.

„Das Schulamt hat mit den Schulleiterinnen der Grundschulen Schmölln und Gößnitz einen entsprechenden Plan zur Unterrichtsabsicherung erarbeitet, so dass der Unterricht ab dem ersten Schultag des Schuljahres 2019/2020 nach heutigem Stand abgesichert ist“, lässt Ministeriumssprecher Frank Schenker ausrichten. Seine ­Antworten seien abgestimmt mit dem Schulamt in Gera.

An der Personalfront tut sich nach wie vor wenig: „Bisher liegen keine geeigneten Bewerbungen vor.“ Von großem Vorteil sei, so Schenker lobend, die Unterstützung bei der Lehrersuche vor Ort. „Dafür sind wir dankbar.“ Man arbeite zwar intensiv an der Gewinnung von Lehrkräften. „Aber leider ist zu wenigen Lehramtsabsolventen die Attraktivität kleiner Schulen im ländlichen Raum bewusst“, fügt er hinzu.

Das Problem Lehrermangel sei zudem ein bundesweites, den Osten Deutschlands treffe es allerdings schwerer als den Westen. Thüringen komme mit der Herausforderung vergleichsweise gut zurecht, was sich an der Quote der Seiteneinsteiger unter den Neueinstellungen festmachen lasse, führt Schenker aus. Die liege mit 13,3 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt.

„Gleichwohl ist es in einigen Regionen schwierig, alle offenen Stellen zu besetzen. Dazu zählt das Altenburger Land, die Situation ist angespannt. Bezüglich der Schulgrößen gilt, dass in größeren Lehrerkollegien Ausfälle leichter zu kompensieren sind, als in kleinen Kollegien.

Insofern ist die Lage für kleine Schulen besonders herausfordernd. Ponitz ist daher einerseits ein Einzelfall. Andererseits gibt es auch in anderen Thüringer Regionen Schwierigkeiten.“

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