Geschichte(n) aus dem Altenburger Land: Spielunion Altenburg/Schmölln 1963/64

Schmölln  Motor Schmölln verteidigt in der 1. Fußball-Kreisklasse seinen Titel, schafft aber erneut nicht den Aufstieg in die Bezirksklasse

BSG Motor Schmölln ist wieder auf Platz Eins.

BSG Motor Schmölln ist wieder auf Platz Eins.

Foto: Archiv: R. Hertle (Halle) / H. Lickfeldt (Leipzig)

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Das Spieljahr 1963/64 der Spielunion der 1. Fußball-Kreisklasse Altenburg/Schmölln Herren im Spieljahr 1963/1964 mit zwölf Gemeinschaften im Altenburger Land ging als eine der spannendsten Meisterschaften in die Chronik ein. Sowohl an der Spitze im Kampf um die zwei Plätze für die Aufstiegsspiele zur Bezirksklasse im Juni/Juli 1964 als auch der Abstiegskampf zwischen gleich vier punktgleichen Teams am Tabellenende hielt die zahlreichen Fans in Atem bis zum letzten Abpfiff. Überraschend zeigten die Teams aus der Region Schmölln den neun Teams der Region Altenburg die Fersen.

2100 Fans bei Spiel von Motor Schmölln

Das Punktspieljahr begann am 1. September 1963 mit den Aufsteigern Traktor Kriebitzsch und Traktor Ehrenhain schwungvoll und hohen Zuschauerzahlen. Motor Schmölln mit 2100 Besuchern, Motor Gößnitz mit 1850 und BSG Lucka mit 1650 verbuchten den größten Anhang. Am Ende verteidigte Schmölln unter Regie von Coach Hans Bock und Kapitän Eberhard Dallmann seinen Meistertitel.

Motor spielte auf dem Sportplatz Sommeritzer Straße, musste im Winter aber oftmals auf den Hartplatz am Brauerteich ausweichen. Bei Schmölln sorgten die Stürmer Bernd Menath mit 16, Eberhard Gehrt mit 14, Egon Simon mit 13 und Reiner Petermann mit 12 Saisontoren regelmäßig für Treffer. Herausragend war am 16. Februar 1964 ein 14:0-Rekordsieg von Motor Schmölln gegen den Tabellenfünften Fortschritt Nobitz, wobei dabei Mittelstürmer Egon Simon allein fünf Tore in 90 Minuten markierte. Stammtorwart war Fritz Sondermann, allerdings standen auch Ingfried Ziese und Günter Schneider zwischen den Pfosten.

Zwei sportbegeisterte Armee-Angehörige aus der Altenburger Kaserne wurden Stammspieler und hießen Wassili und Urie. Die russischen Soldaten hatten kein Auto und mussten deshalb zu Punktspielen regelmäßig abgeholt werden. Reiner Küchler, Otto Baier und Hoppe spielten im Schmöllner Mittelfeld.

Beim überraschenden Vizemeister Traktor Dobitschen-Mehna brach Euphorie aus, als der Vorjahres-Vierte mit seinen Torjägern Dieter Bretschneider und Bernd Sonntag, Spielmacher Hans-Jürgen Heitsch sowie Kapitän Lothar Heimer an elf Spieltagen Tabellenführer war. Weitere Stammspieler waren Günther Heimer, Siegfried Heimer, Horst Naumann, Gerhard Pape aus Pontewitz, Alfred Rogat, Harry Kurze aus Mehna, Dieter Kresse, die drei Brüder Klaus, Erwin und Günter Markowski aus Altkirchen sowie Keeper Hans Sparbrod.

Dobitschen rang Topfavorit Schmölln in beiden direkten Spitzenspielen mit 2:1 Toren vor 350 Besuchern in Schmölln und mit 4:2 Toren vor 270 Besuchern zu Hause zweimal nieder. Auch die beiden Derbys gegen Motor Gößnitz wurden mit 2:1 und 3:2 Toren entschieden. Gegen Lucka mit 7:2 Toren und gegen Traktor Starkenberg mit 4:0 Toren gelangen die höchsten Dobitschener Saisonsiege.

Terminchaos verärgert Spieler

Wegen unbespielbare Plätze in Dobitschen fielen in der Rückrunde die wichtigen Heimspiele gegen Motor Altenburg II (5:1) und Aktivist Molbitz (1:1) sowie das Auswärtsspiel in Nobitz (2:1) aus und konnten erst nach Saisonende nachgeholt. Dazu fielen am letzten Spieltag noch drei weitere Punktspiele aus, weil die Kreisauswahl Altenburg in Berlin zur Vorbereitung auf das Deutschlandtreffen weilte. Über dieses Terminchaos sang man in Dobitschen, in Molbitz und bei Empor Altenburg über den Kreisfußballausschuss (KFA) keine Lobeshymnen. Motor Schmölln gewann sein letztes Spiel am 5. April 1964 in Ehrenhain mit 3:1Toren und wusste da noch nicht, ob es zum Meistertitel reichen würde. Der KFA schaffte es nicht, bis zum Saisonschluss am 5. April 1964 alle Nachholspiele zu absolvieren.

Im dramatischen Abstiegskampf waren gleich vier Teams mit je 17:27 Punkten bei nur zwei zu ermittelten Absteigern punktgleich am Tabellenende. Am letzten Nachholspieltag am 26. April 1964 kam es in Dobitschen zur alles entscheidenden Partie zwischen Traktor Dobitschen und Schlusslicht Aktivist Molbitz, das 1:1 endete. Dabei trat Gastgeber Dobitschen zu Spielbeginn unvollständig an, weil einige Mehnaer Spieler arbeiten mussten. Für Dobitschen reichte es zur Teilnahme an den Aufstiegsspielen zur Bezirksklasse gegen Motor Lindenau Leipzig, Lok Mitte, Deutzen, Belgern, Naunhof und Beucha. Für Aktivist Molbitz mit solch guten Akteuren wie Helmut Garbe, den drei Brüdern Werner, Heinz und Rudolf Zietek, Werner Mähler, Gerhard Seifert, Hans Mertzbauer und Feetz reichte es nach zuletzt zwei fünften Rängen 1962 sowie 1963 nicht mehr zum Klassenerhalt. Auch Empor Altenburg erwischte es, weil Chemie Rositz II und Motor Gößnitz über das bessere Torverhältnis verfügten.

Den Traktor-Pokal im KFA Schmölln gewann Traktor Dobitschen gegen Zweitligist Großstöbnitz mit 2:1 Toren. Im KFA Altenburg war im Traktor-Pokal Traktor Ehrenhain gegen Traktor Starkenberg mit 5:2 Toren erfolgreich. Im FDGB-Kreispokalendspiel KFA Altenburg setzte sich Fortschritt Nobitz mit 3:1 gegen Kriebitzsch durch.

Pech in den Aufstiegsspielen

Die Fans der Schmöllner Kicker in den drei Heim-Aufstiegsspielen zur Bezirksklasse im Mai/Juni 1964 wollten nicht glauben, dass Meister Motor zum zweiten Mal hintereinander den Aufstieg verspielte. In der Aufstiegs­gruppe A mit sieben Vereinen musste unbedingt Platz 1 bis 4 herausspringen. Schmölln startete stark: 4:3 gegen Aufbau Mügeln, 1:1 bei Medizin Bad Düben und 1:0 gegen Traktor Krostitz bedeuteten nach drei Spielen hoffnungsvolle 5:1 Zähler. Schmölln war auf dem Sprung, doch dann folgten ein 2:3 in Bad Lausick, 1:3 gegen Motor West Leipzig und 2:3 bei Motor Roßwein. Der Traum vom Schmöllner Aufstieg war erneut geplatzt.

Traktor Dobitschen fehlten nach langer Saison Kraft und Kondition. In der Aufstiegsgruppe B reichte es nur zu einem Sieg gegen Lok Beucha. Die fünf Niederlagen gegen Motor Lindenau Leipzig, Traktor Belgern, gegen Lok Naunhof, Aktivist Deutzen und Lok Mitte Leipzig reichten nicht zum Aufstieg. Das sah man aber in Dobitschen nach starker Saison nicht so dramatisch.

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