Handgefertigte Zuckertüten gibt es in Schmölln

Schmölln  Vorbereitungen für Schulbeginn laufen auf Hochtouren

Handgefertigte Zuckertüten aus eigener Produktion präsentiert Nicolé Bräutigam.

Handgefertigte Zuckertüten aus eigener Produktion präsentiert Nicolé Bräutigam.

Foto: Andreas Bayer

Wer zur Einschulung noch einen Schulranzen benötigt, hat im Raum Schmölln schlechte Karten. Denn ein Fachgeschäft für Taschen gibt es schon länger nicht mehr. „Ranzen sind bei mir nie gegangen. Das Naheste ist Gera“, sagt Rita Probst, Inhaberin des Ladens „Schreibwaren am Markt“ in der Mittelstraße. Weiterhelfen kann sie jedoch mit Zuckertüten, auch wenn das große Geschäft schon längst gelaufen ist. „Das fängt bereits im April an“, sagt sie. „Die meisten Eltern kaufen alles komplett: Schulranzen, Sportbeutel, Federmappe und Schultüte, alles im gleichen Design“, ist sie überzeugt.

Deshalb würden bei ihr auch meist die kleineren, sogenannten „Geschwister-Tüten“ gekauft. Aktuell seien nur noch die Schüler der zweiten bis zehnten Klasse dabei, sich die Materialien für das neue Schuljahr zu besorgen. Von Heftern über Blöcke, Füller bis hin zur Wachsmalkreide. Sogar Knete steht in diesem Jahr auf dem Zettel der nötigen Materialien.

In der Buchhandlung Goerke am Amtsplatz können die Eltern eine breite Auswahl an Arbeitsheften kaufen, allerdings sind einige seit Wochen nicht mehr lieferbar. „Das liegt daran, dass die Verlage den Bedarf selbst nicht einschätzen können. Denn sie wissen ja nicht, welche Schule welches Buch verlangt“, sagt Inhaberin Kristin Mielke. Die Lehrer kennen die Problematik und verlangten nicht, dass jeder Schüler alle Hefte zum Schuljahresanfang bereits hat.

Bei Mister Billig auf dem Markt gibt es noch eine Auswahl an großen und kleinen Zuckertüten aus industrieller Produktion. Hier überwiegen als Motive Fußball, Haie, Raumschiffe und Piraten auf der einen, Pferde, Schmetterlinge und Meerjungfrauen auf der anderen Seite. Als Kompromiss für beide Geschlechter gibt es Tiermotive. „Es wird auch viel nach Motiven aus Disney-Filmen gefragt, wie Eiskönigin und König der Löwen“, sagt Verkäuferin Ramona Rudolph. Diese habe man aber nicht im Angebot, auch hier seien die kleinen Tüten als Mitbringsel weitaus mehr gefragt, vor allem, wenn sie bereits mit Süßigkeiten gefüllt sind. „Uns ist aufgefallen, dass die Zuckertüten überwiegend sehr dunkel gehalten sind“, antwortet sie auf die Frage, ob sich die Geschmäcker verändert hätten.

Ganz anders ist dies bei Nicolé Bräutigam in ihrem Kreativ-Shop am Amtsplatz. In diesem Zuckertüten-Wunderland gehen einem schier die Augen über vor bunter Handwerkskunst. Mindestens vier Stunden benötige sie für eine Schultüte, jede ein Unikat. „Bei mir sehen keine zwei gleich aus.“ In diesem Jahr liefert sie sogar bis nach Baden-Württemberg und Bayern. Beliebte Motive sind Dinos und Fußball bei den Jungen, Schmetterlinge, Elfen und Feen bei den Mädchen. Fast alles ist möglich, „nur bei Waffen weigere ich mich“, sagt Bräutigam. Weil seit einigen Jahren auch Ninjas wieder hoch im Kurs stehen, habe ein Vater die Idee geäußert, doch ein Schwert anzubringen, was aber nach Bräutigams Ansicht nichts auf einer Zuckertüte verloren habe.„Viele wollen ein Foto des Kindes drauf, auch gefilzte Tüten werden öfter gewünscht“, sagt sie. Über 60 Exemplare der großen Tüten hat sie in diesem Jahr gefertigt, ausschließlich auf Bestellung. „Hinterher mache ich oft Stehlampen daraus“, verrät Nicolé Bräutigam. Seit sechs bis sieben Jahren biete sie den Service bereits an, die ausgedienten Zuckertüten zu Lampen umzumodeln. Wandlampen sind auch möglich. So könne man sich noch viele Jahre an dem fantasievollen Kunstwerk erfreuen. Auf Wunsch dürfen die Eltern auch mitmachen.

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