Lindenau-Museum Altenburg: Mutige Frauen der Antike gegen Doppelmoral

Altenburg  Ausstellung „Mit den Waffen einer Frau – Furchtlose Frauengestalten der Antike“ eröffnet am Sonntag

Diese drei lebensgroßen Gipsabgüsse von Amazonen sind höchstwahrscheinlich das Ergebnis eines Bildhauerwettstreits. Sie alle entstammen dem Artemis-Heiligtum in Ephesos, haben den rechten Arm erhoben und weisen eine Wunde auf.

Diese drei lebensgroßen Gipsabgüsse von Amazonen sind höchstwahrscheinlich das Ergebnis eines Bildhauerwettstreits. Sie alle entstammen dem Artemis-Heiligtum in Ephesos, haben den rechten Arm erhoben und weisen eine Wunde auf.

Foto: Andreas Bayer

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Das Motiv der „bösen Frau“, die Unheil bewirkt, ist uralt und in fast allen Kulturen anzutreffen. So sind auch in der griechischen Mythologie zahlreiche Ausprägungen derselben überliefert, von der männermordenden Kriegerin (Amazone) bis hin zur verführerischen Zauberin (Kirke). Sie erwecken Interesse, weil sie sich über das genormte Rollenverständnis ihrer Zeit hinwegsetzen. „Frauen waren unmündig und auf den häuslichen Bereich beschränkt“, sagt Kuratorin Victoria Kubale.

Diese überkommene, sehr männlich geprägte Sichtweise war bereits in der Antike vorherrschend, was sie dazu bewegte, eine Ausstellung zu konzipieren, in der dieses aufgegriffen wird. Den Kern der Schau „Mit den Waffen einer Frau – Furchtlose Frauengestalten der Antike“ bilden zahlreiche Darstellungen außergewöhnlicher weiblicher Figuren aus der griechischen Mythologie.

Damals waren die Frauen, die sich trauten, aktiv, offensiv und selbstbestimmt zu handeln, als Gegenspielerinnen oder Nebenfiguren der mutigen Helden angelegt. Die Faszination, die von Frauen ausgeht, die sich wie Männer benehmen, liege in dem Verstoß gegen die geltende Geschlechterordnung, so Kubale. Doch so verständlich wie ihr Aufbegehren ist auch dessen Ergebnis absehbar: „Am Ende der Geschichte hat sich die Frau meist wieder in die paternalistische Ordnung gefügt, wird bestraft oder nimmt ein schlimmes Ende“, so Kubale.

Das wird dadurch bedingt, dass die Mythen das Ergebnis männlicher Dichtung sind. Ebenso stammen wohl auch die künstlerischen Darstellungen ausschließlich von Männern. Dadurch etwa, dass die wie Männer kämpfenden Amazonen besiegt werden, versicherten sich die Griechen ihrer eigenen Überlegenheit.

Die archäologische Mitarbeiterin des Museums beendet mit dieser Ausstellung ihr wissenschaftliches Volontariat. Das Thema habe sie bereits zum Ende ihres Studiums ausgesucht, wollte ursprünglich ihre Doktorarbeit darüber schreiben. „Dann hat es aber mit dem Volontariat geklappt, also habe ich das erstmal auf Eis gelegt.“

Da mythische Figuren ein beliebtes Darstellungsmotiv gewesen sind, war es für Kubale und Restauratorin Susanne Reim möglich, viele hochwertige Leihgaben aus dem ganzen Land zu bekommen. Ergänzt wird die Ausstellung um Gipsabgüsse sowie Grafiken aus der Lindenau-Bibliothek. Beispielsweise werden Reliefplatten präsentiert, die einst einen Sarkophag bildeten. Diese sind seit den 1930er Jahren nicht mehr öffentlich zu sehen gewesen.

„Es ist nicht ausgeschlossen, das bei einigen Reitervölkern auch mitunter Frauen mitgeritten sind und mitgekämpft haben“, so Kubale. Man habe auch Schwerter als Grabbeigaben bei einigen Frauenbestattungen gefunden. Real existierende Frauen der Antike sind jedoch nicht Teil der Ausstellung. Zum einen, weil es von diesen kaum künstlerische Darstellungen gebe, zum anderen, weil es sonst zu unübersichtlich würde, so Kubale.

In der Schau gibt es zahlreiche Skulpturen und Abbildungen von den bekannten kriegerischen Amazonen sowie Mänaden, die zu den Begleitern des Weingottes Dionysos gehören. Auch erzählt wird die Geschichte der Klytaimnestra, „in der Vergangenheit die Gattenmörderin schlechthin“, so Kubale. Ihr Schicksal offenbare die ­Doppelmoral der Gesellschaft. ­Während von ihr erwartet ­wurde, den Mord an ihren Kindern und den Ehebruch ihres Mannes hinzunehmen, gilt ihr außereheliches Verhältnis als Schande.

Ausstellungseröffnung am 15. September, 15 Uhr, im Lindenau-Museum Altenburg. Führungen mit der Kuratorin am 19. September um 18.30 Uhr sowie am 15. Dezember um 15 Uhr.

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