Meine Woche: Jana Borath über Fehlgriffe und ­Gardinen

Der sommerliche Müßiggang ist endgültig vorbei. Deutlich spüren das die Schmöllner Stadtratsmitglieder.

Jana Borath.

Jana Borath.

Foto: Peter Michaelis

Der Bau des Windparks – jetzt nicht mehr allein Wildenbörtener Angelegenheit – hat das Terminkarussell für Gewählte und Stadtverwaltung noch mal ordentlich in Schwung gebracht. Sammelten sich bereits in der Vorwoche zwei Ausschusstreffen im Stundentakt, wurde es in dieser Woche noch hektischer. Montag Technischer Ausschuss vor Ort am Windpark mit erregter Einwohnerschar, Donnerstag Stadtratssitzung mit Beschluss, ob Schmölln nun gegen den Widerspruchsbescheid des Thüringer Landesamtes für Umwelt, Bergbau und Naturschutz klagt oder nicht. Dazwischen sollten Informationen, am besten als unabhängige Zweitmeinung eines Verwaltungsrechtlers, eingeholt werden. So die Theorie. Ganz real erlebte Bürgermeister Sven Schrade (SPD) ein Lehrstück, wie man es angesichts einer geballten Ladung Volkszorn nicht machen sollte als Stadtoberhaupt: sich Hilfe aus Erfurt holen. Formal ist dagegen vermutlich nichts einzuwenden, sich von der Thüringer Energie- und GreenTech-Agentur (Thega) beraten zu lassen in Sachen Windpark. Doch in diesem konkreten Fall war das ein Fehlgriff, der hätte vermieden werden müssen. Denn es geht bei Mohlis vor allem um Glaubwürdigkeit. Diese Agentur wird indes vom Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz finanziert und das steht bei Wildenbörtenern gerade nicht so hoch im Kurs. Des Windparkbaus Mohlis wegen. Welche Informationen dann flossen von Thega im Stadtrat zeigte außerdem: Erfurt scheint weit weg vom Altenburger Land, von Schmölln, von Wildenbörten und Mohlis.

Ganz nah dran an der Realität sind seit dieser Woche indes die Stadtratsmitglieder in Gößnitz. Der Finanzausschuss musste in seiner ersten Sitzung nach der Kommunalwahl über eine Haushaltssperre an der Pleiße quittieren. 180.000 Euro fehlen im Stadtsäckel. „Da lässt man schon fast die Gardinen runter“, kommentierte das ein neu gewählter Abgeordneter erschrocken. Wie weit der Fensterbehang tatsächlich sinkt am Freiheitsplatz, bleibt abzuwarten. Im November liegt die Jahresrechnung vor, die Steuereinnahmen bringen könnte. Oder eben nicht. Bis dahin hilft in Gößnitz wohl nur noch, den Optimismus nicht zu verlieren. Wie in Wildenbörten übrigens auch.

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