Segelnd Vertrauen gewinnen am Hainbergsee

Meuselwitz  Feriencamp für Kinder und Jugendliche vermittelt Grundlagen und Freude am Segeln

Der Seesportclub Meuselwitz betreut derzeit zum 15. Mal ein Segelcamp für Kinder am Hainbergsee. Links im großen Bild der Vorsitzende Sven Starkloff am Bootsanleger.

Der Seesportclub Meuselwitz betreut derzeit zum 15. Mal ein Segelcamp für Kinder am Hainbergsee. Links im großen Bild der Vorsitzende Sven Starkloff am Bootsanleger.

Foto: Andreas Bayer

„Die Affenschaukel hat sich im Steg verfangen“, sagt Tristan aufgeregt. Sven Starkloff sieht es gelassen, antwortet vertrauensvoll: „Das Problem löst du schon.“ Der Vorsitzende des Seesportclubs Meuselwitz steht auf dem Bootsanleger am Hainbergsee und lässt die kleinen Segeljollen „Optimist“ mit seinen Schützlingen nicht aus den Augen, gibt Tipps oder ruft Kommandos. „Lorenzo, du fährst rückwärts, du musst etwas tun.“

In diesem 15. Jahr des Segelcamps nehmen 42 Kinder von sieben bis 17 Jahre teil, die meisten sind „Wiederholungstäter“, wie es Starkloff ausdrückt. Über 30 Kindern habe man absagen müssen, schätzt er. Mehr sei organisatorisch einfach nicht zu leisten. Bereits im Dezember beginne man mit den Vorbereitungen. „Da werden die Technik und die Kleinbusse gemietet. Auch brauchen wir 24 Segelboote, 15 Kanus und vier Motorboote, so viel hat der Verein nicht.“ In ganz Thüringen habe man um Vermietung angefragt.

Je nach Kenntnisstand werden die Kinder in zwei Gruppen eingeteilt, denn manche kommen seit zehn Jahren zum Segelcamp. Die Erfahrenen segeln auf dem Haselbacher See, die anderen lernen oder vertiefen auf dem Hainbergsee erst einmal die Grundlagen. „Einige haben auch Angst vor dem großen Gewässer und kommen zurück“, berichtet Starkloff. Wenn alles schief gehe, könne man hier immer noch zum Ufer schwimmen. Was aber in der Realität glücklicherweise nicht vorkommt. „Für Außenstehende sieht das hier aus wie Badespaß, aber der erste Programmpunkt ist Selbsthilfe“, berichtet Starkloff. „Am Anfang machen wir immer Theorie und dann ein Kentertraining. So bekommen die Kinder Vertrauen zum Boot und sich selbst“, sagt Rettungsschwimmer und Camp­leiter Jan Oehler. Falls sie doch mal Kentern sollten, wüssten die Kinder dadurch, was zu tun sei, um das Boot aus eigener Kraft wieder aufzurichten und bekämen keine Panik. Außerdem sind immer mindestens drei Betreuer in der Nähe, um zu helfen. Auf dem größeren Haselbacher See sind sogar fünf Betreuer in drei Motorbooten dabei, falls eine der winzigen Segeljollen einen Notfall hat.

Zwischendurch erteilt Oehler auch Unterricht im Knüpfen von Seemannsknoten, von Hilfe- und Notverfahren. Allerdings laufe auch vieles nebenbei. „Die Großen erziehen die Kleinen, nehmen sie an die Hand“, so Starkloff. Die Kinder sind auch eingebunden in die Tisch- und Sanitärdienste, das habe sich bewährt. Vor allem zum Frühstück sei der Tischdienst beliebt, um dem Frühsport zu entgehen. „Hauptsache es läuft entspannt und ohne Druck“, so Oehler.

Das Programm ist für die jüngeren eine echte sportliche Herausforderung. „Wir sind ja auch böse, wir legen das Ziel genau gegen den Wind“, sagt Sven Starkloff. So müssten die Kinder lernen zu kreuzen, um voranzukommen. Abends gibt es Lagerfeuer, tagsüber auch mal Ausflüge an Leipziger Gewässer wie den Kulkwitzer See zum Wasserski oder an den Floßgraben zur Paddeltour. „Gestern waren wir 56 Personen, das muss man erstmal bewegen“, so Starkloff. Immerhin 15 Erwachsene sind nötig, den Seglernachwuchs an den neun Tagen zu verpflegen und zu betreuen. „Glücklicherweise unterstützt uns der Landessportbund, sonst würde das nicht funktionieren.“

Die tatsächlichen Kosten pro Kind betragen knapp 380 Euro, dank der Förderung müssen die Eltern nur 180 Euro bezahlen. „Ansonsten wäre das nur für Privilegierte, das wollen wir verhindern“, sagt Starkloff.

Zu den Kommentaren