Sparkasse Altenburg zeigt Fotografien zur Industriekultur 4.0

Altenburg  Die Fotoausstellung in der Sparkasse Altenburg dokumentiert, wie moderne Industriekultur in Ostthüringen aussieht. Gemacht hat die Fotos der pensionierte Urologe Karl-Heinz Rothenberger.

Jürgen Müller, Vizepräsident der Dualen Hochschule Gera-Eisenach, vor einer Fotografie, die Karl-Friedrich Dünewald in seinem Laden in Altenburg zeigt. Foto: Andreas Bayer

Jürgen Müller, Vizepräsident der Dualen Hochschule Gera-Eisenach, vor einer Fotografie, die Karl-Friedrich Dünewald in seinem Laden in Altenburg zeigt. Foto: Andreas Bayer

Foto: Andreas Bayer

„Die ganze Großindustrie ist weg, aber es ist noch jede Menge Mittelstand da“, sagt Jürgen Müller, seines Zeichens Professor für Wirtschaftsinformatik an der Dualen Hochschule Gera-Eisenach. Ostthüringen sei eine „vergessene Region“, obwohl sie sehr lebenswert ist. Heute würden sich die Firmen gegenseitig den Nachwuchs abwerben, was noch dramatischere Züge annehmen werde, prophezeit Müller.

„Der Fachkräftemangel hat eine steigende Dynamik, das macht eigentlich allen hiesigen Unternehmern Sorgen“, bestätigt Bernd Wannenwetsch, Sparkassen-Vorstand und geschäftsführender Vorsitzender der Wirtschaftsvereinigung Altenburger Land Metropolregion Mitteldeutschland (Wamm). Die Wamm ist es auch, welche die Foto-Ausstellung „Industriekultur 4.0 in Ostthüringen“ finanziert.

Eigentlich hat der pensionierte Urologe Karl-Heinz Rothenberger nur nach einem Ort gesucht, an welchem er seine Wismut-Bilder ausstellen könnte. Doch Jürgen Müller habe ihm vorgeschlagen, lieber etwas zu fotografieren, das im Aufbau sei. „Wir wollen auf die versteckten Champions aufmerksam machen und zeigen, dass wir eine Landschaft haben, die sehr innovativ ist“, sagt Müller. Das sei schon vor 100 Jahren die Krux von Ostthüringen gewesen. Die nun zusammengestellten Bilder zeigen die verschiedenen Pole der Digitalisierung.

Nicht anzutreffen auf der Ausstellungseröffnung war hingegen der Fotograf. Vertreten wurde er durch seine Assistentin Monika Georgieff. Über ihren Ehemann, der ein Kollege von Rothenberger war, hätten sie sich vor über 20 Jahren kennengelernt, kurz darauf übernahm sie das Management für seine Fotografien. „Er hatte Ideen, ich stellte ihn vor“, sagt sie. Seither sind zahlreiche Ausstellungen entstanden, vor allem mit den Bildern vom Wismut-Gelände bei Ronneburg, das Rothenberger seit den frühen 90er Jahren immer wieder dokumentiert hat. Die waschechte Ostberlinerin beschreibt den Künstler als einen sehr ruhigen, aber extrem neugierigen Menschen.

„Die Bilder haben eine ­nostalgische Anmutung dadurch, dass sie schwarz-weiß sind“, sagt Jürgen Müller. Die Leica-Kamera, mit der Karl-Heinz Rothenberger fotografiert, sei im Jahre 1914 entwickelt worden. Das sei eine ganz alte Hochtechnologie, die sich bis heute bewährt habe, das Unternehmen Leica existiere nach wie vor. Die Firma Kodak hingegen, die den ersten digitalen Fotoapparat entwickelt habe, sei heute pleite.

Inzwischen komme selbst der kleinste Landwirt nicht mehr ohne Hochtechnologie aus, müsse man viele Menschen umschulen, weil sich die Berufe gewandelt hätten. „Die Technik kommt aber nie ohne Menschen aus“, sagt Müller und verweist darauf, dass auch auf den Fotos Rothenbergers fast immer Menschen zu sehen sind, zumindest eine Hand oder ein Finger.

Gerade der Mangel an Fachkräften sei für die Betriebe derzeit eine enorme Herausforderung, sagt Müller und verweist auf seine eigene Einrichtung. Die sei die einzige Hochschule Thüringens, die derzeit am Wachsen sei. Jedes Jahr um 20 Prozent, es könnten aber noch deutlich mehr sein, wenn man mehr Personal fände. „Im Technik-Bereich hätten wir noch 30 Prozent mehr Studenten immatrikulieren können.“

Es gebe aber auch Gegenbeispiele, wie Eckhard Oertel, der in Gera seit 1992 Leiterplatten in Kleinserie herstellt. „Er wird demnächst umziehen in ein größeres Gebäude, dann den Betrieb an einen Nachfolger übergeben und in Rente gehen“, verweist Müller auf eine Fotografie. Auch die Indu-Sol aus Schmölln sowie die POG in Beerwalde sind auf den Fotografien dokumentiert. Die Ausstellung ist noch bis Ende Juli im Foyer der Sparkasse, Wettinerstraße 1 in Altenburg zu sehen.

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