Stricken als verbindendes Element

Nöbdenitz.  Selbst gemacht Marlis Geidner-Girod aus Nöbdenitz liebt das Klappern der Nadeln und hat einen Strickclub mitgegründet.

Marlis Geidner-Girod aus Nöbdenitz kann sich ein Leben ohne Stricken überhaupt nicht vorstellen.

Marlis Geidner-Girod aus Nöbdenitz kann sich ein Leben ohne Stricken überhaupt nicht vorstellen.

Foto: Katja Grieser

„Wolle ist etwas Herrliches. Wolle ist wie Seele streicheln“, sagt Marlis Geidner-Girod und ihre Augen leuchten bei diesen Worten.

Und sie schwärmt weiter von ihrem Hobby. „Es geht dabei nicht darum, was man strickt. Der Weg ist das Ziel – Wolle anfassen, Nadeln klappern lassen. Und wenn was schief geht, ist es auch nicht schlimm“, findet die Nöbdenitzerin, der eine Freundin im Alter von elf Jahren das Stricken beigebracht hat. So richtig gepackt hat sie die Leidenschaft aber erst, als sie Mutter wurde. „Ich hab damals viele schiefe Teile gestrickt, die Pullover hatten Puffärmel. Es war eine Katastrophe“, erzählt sie lachend. Aber: „Stricken ist für mich wirklich wie Yoga, es holt mich runter.“

Selbst im Wartezimmer wird gestrickt

Fast jeden Abend greift die 59-Jährige zu den Nadeln. „Einmal am Tag muss es schon sein“, so Marlis Geidner-Girod und zeigt auf eine Tasche, in der ein Buch und Strickzeug ist. Die nimmt sie beispielsweise mit, wenn sie zum Arzt geht. Im Wartezimmer wird gestrickt. Wenn sie auf einer Bank sitzend die frische Luft genießt, greift sie zuerst zum Buch. „Aber meist dauert es nicht lange und es setzt sich jemand neben mich. Dann lege ich das Buch weg, greife zum Strickzeug und wir quatschen dabei“, erzählt die Nöbdenitzerin, die nicht einmal hinsehen muss, während sie ihr wollenes Werk entstehen lässt.

Am meisten liebt die 59-Jährige Strickjacken, die sie mit Absicht viel größer macht als nötig. „Das mag ich, auch bei Pullovern. Da kann ich mich so richtig schön reinkuscheln“, verrät sie. Massenhaft Schals, Mützen und Socken sind schon unter ihren geschickten Händen entstanden. „Strümpfe sind toll. Man weiß ja manchmal nicht, was man schenken soll. Über gestrickte Strümpfe freut sich aber jeder“, ist die Nöbdenitzerin überzeugt. So viel, wie Marlis Geidner-Girod strickt, kann sie übrigens gar nicht tragen. Deshalb stattet sie sogar ihre Kuscheltiere mit Kleidung aus.

Es muss im Jahr 2014 gewesen sein, meint Marlis Geidner-Girod. Da hatte sie gemeinsam mit Andrea Junghanns aus Posterstein und Bärbel Hofmann aus Nöbdenitz die Idee, einen Strickclub zu gründen. „Schon zum ersten Treffen sind ganz viele Frauen zu uns gekommen. Wir waren überrascht, wer alles dabei war“, erinnert sich Geidner-Girod. Bunt gemischt ist die Gruppe, 30-Jährige sind ebenso dabei wie Frauen über 80. „Zeitweise waren wir 19 Frauen, jetzt sind wir 16“, erzählt die Nöbdenitzerin.

Durch Corona keine Clubtreffen

Das Schöne am Club sei, dass es weder Fernsehen noch Internet gibt. Stattdessen wird gestrickt und geplaudert, über Familie, Wetter, Politik oder Urlaub. Die Stimmung sei angenehm, alles gehe locker zu, neue Handarbeitsfreunde sind immer willkommen. „Die Frauen werden bei den Treffen verwöhnt, bekommen Kaffee und Tee serviert“, erzählt Marlis Geidner-Girod. Dafür sorgt unter anderem Rosi Deutsch, die beim Tischdecken und Bedienen hilft. „Sie ist fast 80, aber fit wie ein Turnschuh“, sagt die Nöbdenitzerin, die sich auch bei Anke Gabler für die Unterstützung bedankt.

Zweimal im Monat treffen sich die Handarbeitsfans im alten Kirchgemeindehaus, im Sommer einmal monatlich. Durch Corona sehen sich die Frauen aber derzeit nicht. „Wir warten darauf, dass wir uns wieder sehen können“, so die 59-Jährige. Theoretisch dürften sie sich zwar treffen, aber ohne Kaffee, Tee und Kuchen sei es nicht dasselbe. Die Gemütlichkeit würde fehlen. Deshalb strickt aktuell jeder für sich. Wenn sie sich dann wiedersehen, werden sie einander präsentieren, wie kreativ sie während der Corona-Krise waren. „Wir loben uns oft gegenseitig. Das streichelt einfach die Seele“, weiß Marlis Geidner-Girod.

Selbst gemacht

In unserer Serie „Selbst gemacht“ stellen wir Ihnen Handarbeitskreative aus Ostthüringen vor. Darüber hinaus werden wir Ihnen Anregungen geben, was Sie aus Stoff, Garn und Wolle so alles machen können.