Theater-Paar kehrt nach Gera zurück

Das Theater-Paar Otti Planerer und Peter Tschaplik ist von Berlin nach Gera zurückgekommen. Im Gepäck haben sie so manche Idee für die Kulturszene der Stadt: Der Kammersänger will eine Sommerakademie ins Leben rufen.

Mit Schutzengel zurückgekommen: Die Schauspielerin Otti Planerer und der Kammersänger Peter Tschaplik wollen wieder in Gera heimisch werden, das heißt für sie auch, sich am Kulturleben in der Stadt zu beteiligen.  Foto: Katja Schmidtke

Mit Schutzengel zurückgekommen: Die Schauspielerin Otti Planerer und der Kammersänger Peter Tschaplik wollen wieder in Gera heimisch werden, das heißt für sie auch, sich am Kulturleben in der Stadt zu beteiligen. Foto: Katja Schmidtke

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Gera-Debschwitz. Eine schöne Zeit, wunderbare Rollen, dufte Kollegen – und dennoch mussten sie irgendwann raus. Nach mehr als 15 Jahren an den Bühnen der Stadt kehrten der Kammersänger Peter Tschaplik und die Schauspielerin und Sprecherin Otti Planerer Ende der 1970er Gera den Rücken. Das Paar ging nach Berlin. Von dort sind sie nun zurückgekehrt.

"Das soll’s sein. Zurück zu den Wurzeln", sagt Tschaplik, Jahrgang 1942, mehrfach ausgezeichnet, von 1983 bis 2006 Dozent an der Hochschule für Musik "Hanns Eisler" Berlin, seit zehn Jahren Honorarprofessor. Auf das Altenteil will sich das Paar nicht zurückziehen. Jeder ist mit so einigen Ideen nach Gera gekommen.

Sie hatte bereits ihren Einstand: Ende Oktober las Otti Planerer im Haus Schulenburg. Dies fortzusetzen und einen Literatursalon zu gründen, in dem Gleichgesinnte Bücher lesen und besprechen, das ist ihr Anliegen. Er bleibt der Musik treu.

In Berlin hatte Peter Tschaplik 1996 eine Privatakademie für Gesang und Sprecherziehung gegründet. Sie erwies sich als gute Schule für damals gerade entlassene Schauspieler des Berliner Metropol-Theaters: Nach eigenen Angaben hat mehr als die Hälfte nach Absolvieren der Akademie wieder eine Anstellung gefunden. Schauspieler, aber auch Studenten bereiteten Tschaplik und fünf weitere Lehrer in Gesang, szenischem Unterricht und Sprecherziehung auf Beruf und Studium vor. In abgeschwächter Form hat er dies auch in Gera vor: Profis und Studenten sollen in Gesang und Sprecherziehung trainiert werden. Erste Kontakte zum Goethegymnasium und der Musikschule seien geknüpft. Beide könnten sich auch als Partner erweisen für ein weiteres musikalisch-pädagogisches Vorhaben.

Im brandenburgischen Spremberg hatte Peter Tschaplik, der seinen ersten großen Preis 1969 beim "Robert-Schumann-Wettbewerb" gewann, eine Schummaniade ins Leben gerufen. Eine Woche lang währte diese Sommerklasse, die sich in ihren Anfangsjahren an junge deutsche und polnische Opernsänger und Pianisten richtete und später auch unter französischen, georgischen oder iranischen Talenten Anklang fand. In Spremberg lernten sie, tauschten sich aus, knüpften Kontakte. Ein Dutzend Mal lief die Schumanniade, die Absolventen haben indes Festverträge am Landestheater Dessau, der Volksoper Wien, dem Nationaltheater Weimar oder an der Komischen Oper Berlin erhalten. "Solche Kurse können wir uns in Gera vorstellen", sagt er und denkt dabei auch an das spannende Grenzgebiet zwischen Thüringen, Sachsen, Bayern und Tschechien. Ein erstes Gespräch in der Geraer Stadtverwaltung bewertet Tschaplik als positiv. Offen und interessiert sei seine Idee aufgenommen worden. Er hofft auf Mitstreiter. Denn dicke Bretter sind zu bohren, vor allem um an Geld zu kommen. Doch Peter Tschaplik ist voller Elan: "In meinem grenzenlosen Optimismus denke ich, das täte Gera gut".

Trotz der langen Zeit in Berlin hat das Paar den Kontakt zu Gera nie verloren. So lassen auch die Veränderungen, vor allem jene der Nachwendezeit, die Stadt als nicht so fremd erscheinen. Doch beide gestehen, das sanierte Theater kaum wiedererkannt zu haben. "Der tolle Konzertsaal", schwärmt Peter Tschaplik, in der Erinnerung noch ganz nah bei den Qualen, die er beim Singen von Beethovens Neunter so manches Mal durchlitten hat. Auch das Ferbersche Haus mit seiner Keramikausstellung, die Orangerie, der Küchengarten oder Haus Schulenburg begeistern: "Nach so etwas muss man in Berlin lange suchen". Verblüffend sei vor allem, wie freundlich und offen die Rückkehrer in der alten und nun neuen Heimat aufgenommen worden sind.

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