Thüringer Düngeverordnung ärgert Landwirte im Altenburger Land

Schmölln  Thüringer Düngeverordnung sorgt für Ärger unter den Landwirten im Landkreis.

Ein Bauer beim Ausbringen von Gülle auf einem Feld . Diese Art der Düngung soll für die Nitratbelastung des Grundwassers verantwortlich sein.

Ein Bauer beim Ausbringen von Gülle auf einem Feld . Diese Art der Düngung soll für die Nitratbelastung des Grundwassers verantwortlich sein.

Foto: Patrick Pleul

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Erst seit wenigen Tagen ist die Thüringer Düngeverordnung in Kraft, doch es regt sich bereits Unmut unter den Landwirten, auch im Landkreis Altenburger Land. „Es ist keine neue Erkenntnis, dass ich weniger Ertrag habe, wenn ich Pflanzen nicht bedarfsgerecht versorge“, sagt etwa Berndt Apel, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes.

Dabei setzt die Thüringer Verordnung lediglich geltendes Bundesrecht um. Ihr Zweck ist, die Regeln zur Düngeausbringung in Gebieten mit einer erhöhten Nitratbelastung im Grundwasser zu verschärfen. Davon seien lediglich rund 25 Prozent der Agrarflächen in Thüringen betroffen, heißt es im Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft (TMIL). „Die neuen Regeln betreffen vor allem Landwirte in Gebieten, in denen die Nitratbelastung über den Schwellenwerten liegt. Mit den neuen Regeln kann nun das Grundwasser noch besser vor zu hohen Nitratbelastungen geschützt werden und die Landwirtschaft einen weiteren Beitrag zum Schutz der Umwelt leisten“, sagte der Staatssekretär Klaus Sühl.

„Düngeverordnung hat keinen fachlichen Wert“

„Die Landwirte sind doch nicht alleine für die hohen Nitratwerte im Grundwasser verantwortlich. Die Abwässer von Betrieben und Haushalten spielen dabei ja auch eine Rolle. Hier müssten weitere Untersuchungen vorgenommen werden“, entgegnet Apel. Christian Els, Mitglied der Geschäftsführung im Agrarunternehmen am Leinawald, drückt es noch drastischer aus: „Die Düngeverordnung hat überhaupt keinen fachlichen Wert“, sagt er. Das liege zum Beispiel daran, dass für ganz Deutschland die gleichen Grundvoraussetzungen angenommen würden. Dabei unterschieden sich die Böden sowie die Wetterbedingungen enorm.

„Man plant ja damit, dass man so viel düngt, wie die Pflanze auch aufnehmen kann“, so Els weiter. Eine bedarfsgerechte Düngung sei somit kaum mehr möglich. Dabei liege man noch nicht einmal in einem der „roten Gebiete“ mit erhöhten Nitratwerten im Grundwasser. In diesen muss die Düngung nochmals um 20 Prozent reduziert werden, zusätzlich zu weiteren Einschränkungen. Allerdings ist der Landkreis Altenburger Land davon überhaupt nicht betroffen, dafür weite Teile des Landkreises Greiz.

Um von den zusätzlichen Bewirtschaftungsauflagen in diesem Jahr befreit zu werden, sind die Betriebe in der Pflicht. Dafür muss ein Kontrollwert des betrieblichen Nährstoffvergleichs im dreijährigen Mittel von bis zu 35 kg Stickstoff je Hektar und Jahr erbracht werden. Diesen müssen die Betriebe bis zum 30. August beim Referat 21 im Landesamt für Landwirtschaft und Ländlichen Raum anzeigen.

„Auch wir werden bei der Herbstdüngung eingeschränkt. Vor der Verschärfung haben wir bei Raps ungefähr 80 Kilogramm Stickstoff je Hektar ausgebracht, jetzt dürfen wir maximal 60 Kilogramm“, sagt Els. Die Gülle stamme überwiegend aus dem eigenen Schweinebestand.

Der Überschuss muss daher nun über den Winter aufbewahrt werden und wird dann für die Frühjahrsdüngung verwendet. Möglich ist das nur, weil die Agrargenossenschaft mit Sitz in Langenleuba-Niederhain vor drei Jahren die Milchkuh-Haltung eingestellt hat. Aus dieser Zeit stammen noch die Lagerkapazitäten. „Ansonsten hätten wir ein richtiges Problem, denn so ein Güllesilo ist nicht eben in ein paar Wochen gebaut“, so Christian Els. Berndt Apel sieht es so: „In Thüringen ist die Gülle kein Problem. Weil bei uns im Schnitt nur 0,45 Kühe auf einen Hektar landwirtschaftliche Fläche kommen, haben wir vergleichsweise wenig anfallende Gülle.“

Das Problem liege viel mehr in anderen Regionen, wie etwa in Niedersachsen, wo der Tierbestand um ein Vielfaches höher sei.Ob die Düngeverordnung und die dadurch reduzierte Nitratausbringung überhaupt einen messbaren Effekt auf das Grundwasser haben wird, zeigt sich allerdings erst in einigen Jahren, ergänzt Els.

„Bei Untersuchungen in der Lommatzscher Pflege, die einen vergleichbaren Boden wie wir haben, stellte sich heraus, dass es rund zehn Jahre dauert, bis das Nitrat überhaupt ins Grundwasser gelangen kann.“

Landwirte erwägen finanziellen Ausgleich

Den Thüringern drohen allerdings Ernteeinbußen, wenn eine bedarfsgerechte Düngung nicht mehr möglich sei. „Eine weitere Verschärfung hätte zur Folge, dass die Landwirte ihre Kulturpflanzen nicht mehr ausreichend versorgen können“, sagt Apel, der genau dieses Unheil drohen sieht.

„Die jetzt beschlossene Düngeverordnung steht schon wieder in Frage, weil Brüssel sagt, dass die Nitratbelastung nicht zielgerichtet reduziert wird.“ Deutschland habe nun zwei Monate Zeit, sich zu äußern.

Die drohenden erneuten Verschärfungen, sagt Apel, werden auf jeden Fall Einfluss auf den Ertrag und die Ökonomie der Landwirte haben. „Kommen noch strengere Vorgaben, verlangen wir einen Einkommensausgleich.“

Was ist eigentlich Gülle?

Der Begriff Gülle stammt aus dem Niederdeutschen und bedeutete ursprünglich so viel wie Pfütze oder Lache. Heute versteht man unter Gülle eine Mischung aus Kot und Harn von landwirtschaftlichen Nutztieren wie Schwein, Rind oder Geflügel. Gülle besteht zum größten Teil aus Wasser, in dem sich gelöste Nährstoffe, organische Substanz und Mineralstoffe befinden. Die jeweiligen Anteile der Stoffe unterscheiden sich je nach Tierart. Gülle liefert wichtige Hauptnährstoffe wie Stickstoff, Phosphat, Kalium und Magnesium. Zudem sind Spurennährelemente enthalten. Durch den Einsatz von Gülle wachsen Pflanzen besser, es gibt höhere Ernteerträge. Zudem baut die in der Gülle enthaltene organische Substanz den Humusgehalt des Bodens auf. Quelle:Nabu

Weitere Informationen unter: www.thueringen.de/dvo Das Referat 21 des Thüringer Landesamtes für Landwirtschaft und Ländlichen Raum Jena bietet unter der Telefonnummer 0361 - 57 404 1000 eine weiterführende Beratung an.

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