Verärgerte Kunden, gute Finanzlage beim ZAL

Der Zweckverband Wasserver- und Abwasserentsorgung "Altenburger Land" im Zwiespalt der Gefühle

Lars Merten, Werkleiter ZAL

Lars Merten, Werkleiter ZAL

Foto: zgt

Wilchwitz Der Zweckverband Wasserver- und Abwasserentsorgung Altenburger Land (ZAL) hat sich nach äußerst angespannten Jahren, auch dank seiner überdurchschnittlich hohen Gebühren, finanziell stabilisiert. Dafür plagen ihn nun Tausende Widersprüche seiner Kunden wegen der Abwasserbeiträge. Über die Lage ihres Verbandes reden wollten die Verbandsräte auf ihrer jüngsten Sitzung vor wenigen Tagen aber nicht.

"Der Verband ist von seiner Vermögenslage her sehr gut aufgestellt". Die Worte von René Strohbach gingen runter wie Öl. "Sie haben es in den letzten Jahren geschafft, die Verluste auszugleichen", legte der Mann von der Wirtschaftsberatunggesellschaft Wibera nach, der den Jahresabschluss 2012 unter die Lupe nahm. Wenige Tage vor seinem 20. Geburtstag geht es dem ZAL in der Tat so gut wie nie. Vorbei sind tumultartige Verbandssitzungen, der Streit über Gebührenerhöhungen und solche Zeiten, als nur Finanzspritzen des Landes einen Kollaps verhinderten. Das Drehen an der Gebührenschraube zahlt sich nun aus, schätzte Strohbach ein.

Andere Verbände, die ihre Bürger und Betriebe schonten, würden es schwerer haben. Die Leichtigkeit des ZAL hat ihren Preis. So müssen Wilchwitzer Kunden bei einem Verbrauch von 100 Kubikmeter pro Jahr inklusive Grundgebühr 4,06 Euro pro Kubikmeter Wasser zahlen, weit über einen Euro mehr als bei der Ewa in Altenburg oder den Stadtwerken Meuselwitz. Doch die relativ stabile Finanzlage hat ihren Preis. Seit 1994 gingen im Verband 9114 Widersprüche gegen Trink- und Abwassergebühren ein, von denen 1580 Ende 2012 noch offen waren. Noch mehr Ärger gibt es bei den Abwasserbeiträgen, wo Ende letzten Jahres 8636 Widersprüche nicht geklärt waren. Diese Zahl dürfte noch weiter in die Höhe geschossen sein. Denn kurz vor Weihnachten 2012 hatte der ZAL 6500 Bescheide verschickt, in denen den Hausbesitzern der künftig zu zahlende Abwasserbeitrag vorgerechnet wurde. Danach hagelte es massenweise Widersprüche, weil viele Bescheide fehlerhaft waren; der Verband selbst sprach von 15 Prozent. Die zweiköpfige Prüfgruppe der Verbandsversammlung listete jetzt den Mitgliedern die Zahl der offenen und geklärten Widersprüche bis ende 2012 auf. Die ehemalige Nobitzer Bürgermeisterin, Martina Zehmisch, eine der beiden Prüferinnen, erinnerte an den Ärger, der durch die Weihnachtspost ausgelöst wurde und sagte, dass es für den Zeitpunkt auch objektive Gründe gegeben habe. Eine Kritik an diesem Vorgehen lag Zehmisch wohl auf der Zunge, letztendlich murmelte sie nur etwas von einer Auswertung.

Diese fand zur Sitzung nicht statt. Die Verbandsräte wollten sich ihre Laune offenbar nicht vermiesen lassen, vor allem bei so angenehm klingenden Zahlen. So steht Ende 2012 ein Jahresgewinn von 871 000 Euro - obwohl der Verband trotz Antrags keine Finanzhilfe des Landes und auch nur für eine einzige Investition Zuschüsse bekommt.