Viele Fragen zum Gesundheitsbahnhof in Nöbdenitz

Schmölln/Nöbdenitz  Der technische Ausschuss der Stadt Schmölln debattiert über Bauvorhaben. Der Stadtrat Schmölln soll Donnerstag entscheiden.

Blick auf das bereits vorhandene Fundament für den Gesundheitsbahnhof in Nöbdenitz. Am Donnerstag soll der Stadtrat Schmölln über den Baubeschluss ­befinden.

Blick auf das bereits vorhandene Fundament für den Gesundheitsbahnhof in Nöbdenitz. Am Donnerstag soll der Stadtrat Schmölln über den Baubeschluss ­befinden.

Foto: Jana Borath

Bereits in der Einwohnerfragestunde der jüngsten Sitzung des Technischen Ausschusses zeichnete sich ab, welcher Baubeschluss die meisten Fragen in diesem Gremium – und wohl auch in der Schmöllner Stadtratssitzung an diesem Donnerstag – aufwerfen wird: Planung und Bau des Gesundheitsbahnhofes im Schmöllner Ortsteil Nöbdenitz. Dafür sind rund 1,3 Millionen Euro veranschlagt.

Dirk Jetschny wollte wissen, ob Wolfgang Göthe über dieses Thema überhaupt abstimmen dürfe. „Schließlich geht es ja auch um die Arztpraxis seiner Frau“, nannte der Schmöllner den Grund für seine Frage. „Ist er wegen wirtschaftlicher Interessen am Gesundheitsbahnhof befangen?“ Seine Bedenken wurden nicht zerstreut, da ­weder Göthe noch ein ­Beschäftigter der Schmöllner Stadtverwaltung in dieser ­Ausschusssitzung darauf eingingen.

Lediglich André Gampe (Wählervereinigung für das neue Schmölln und Ortsteilbürgermeister von Nöbdenitz), merkte während der Debatte um den Baubeschluss an: „Es geht nicht um einen Ersatzbau der bereits existierenden Allgemeinarztpraxis in Nöbdenitz, sondern um die Schaffung zusätzlicher Arztsitze neben der bereits vorhandenen Praxis.“

Lutz Landgraf (Bürger für Schmölln/BfS) meldete sich in der Diskussion um diesen Beschluss als erster Abgeordneter zu Wort: „Ich möchte feststellen, dass es noch keine Grundlage gibt, darüber zu befinden“, so der Schmöllner. Zum einen, weil das Projekt im Zuge der Eingemeindung von Nöbdenitz unter Vorbehalt stehe. Zum anderen weil es noch gar keinen gültigen Haushalt gebe.

Ausschusschef Winfried Hippe (CDU) erläuterte: „Das Vorhaben ist weit vorangetrieben worden und wir sollten angesichts dessen und wegen des Ärztemangels in der Region dafür werben.“ Ralf Gleitsmann (Wählervereinigung für das neue Schmölln) ergänzte: „Es wird eine 75-prozentige Förderung erwartet. Das dürfen wir nicht vergessen.“ Catja Schröter (BfS) fragte nach Nutzern des künftigen Gesundheitsbahnhofes. „Gibt es Absichtserklärungen oder Vorverträge künftiger Nutzer? Wie viele Ärzte haben sich gemeldet? Wie sicher ist, dass der Gesundheitsbahnhof refinanziert werden kann?“

Nachdem Winfried Hippe mutmaßte, es stünden wohl Ärzte bereit, wurde André Gampe konkreter. Eine Apotheke soll im Gesundheitsbahnhof etabliert werden; mit zwei Inhabern stünde man aktuell in Verhandlungen. Deren Ansätze sind unterschiedlich: zum einen geht es dabei um ein klassisches Angebot, zum anderen könnte eine Online-Apotheke in Nöbdenitz vorgehalten werden. Darüber hinaus liegen laut Gampe mehrere Bewerbungen von Physiotherapien vor, auch eine Tagespflege habe Interesse bekundet, im Gesundheitsbahnhof präsent zu sein. Vorrangiges Ziel bleibe indes die Schaffung weiterer Arztsitze. „Hier stehen Bewerber in Aussicht“, betonte Gampe. Namen werde er keine nennen, da Stillschweigen verabredet worden sei. Auch gebe es mit der Möglichkeit, den Gesundheitsbahnhals als medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) betreiben zu können, einen Plan B. „Ein Krankenhaus hat bereits Interesse signalisiert“, so Gampe. Das wäre indes nicht der Favorit, „weil wir damit den Einfluss auf den Gesundheitsbahnhof aus der Hand geben.“

Das gesamte Vorhaben laufe bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Thüringen laut Gampe als Vorrangprojekt. „Wir stehen in engem Kontakt: Die Kassenärztliche Vereinigung hat uns jegliche Unterstützung zugesichert.“

Steffen Plaul (FDP) kritisierte indes den Entwurf des vorgelegten Baubeschlusses: „Die Förderung des Projektes ist beim Amt für Landwirtschaft und Flurneuordnung angemeldet. Ich vermisse die Bemerkung, ob ein positiver Bescheid von dort vorliegt.“ Bauamtschef Reiner Erler bestätigte: Im Nachtragshaushalt sei das Vorhaben, das im Rahmen des Dorferneuerungsprogrammes laufe, mit einer 65- prozentigen Förderung hinterlegt. „Wenn dieses Geld nicht kommt, bauen wir nicht.“

Die Abstimmung im Technischen Ausschuss, den Baubeschluss dem Stadtrat Schmölln an diesem Donnerstag vorzulegen, fiel dann recht eindeutig aus. Zehn der zwölf Anwesenden votierten mit Ja, Lutz Landgraf und Catja Schröter stimmten mit Nein.

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