Vom Gemeindehaus in Wintersdorf ins Lindenau-Museum

Altenburg  Zwei Werke des Thüringer Künstlers Alfred Ahner jetzt in Altenburg

Thomas Reimann, ehemaliger Ortsteilbürgermeister von Wintersdorf, und Benjamin Rux, Kustos für Gemälde und Grafik am Lindenau-Museum, nehmen die Pastellzeichnung „Wintersdorfer Landschaft – Blick auf Fortschritt“ ab.

Thomas Reimann, ehemaliger Ortsteilbürgermeister von Wintersdorf, und Benjamin Rux, Kustos für Gemälde und Grafik am Lindenau-Museum, nehmen die Pastellzeichnung „Wintersdorfer Landschaft – Blick auf Fortschritt“ ab.

Foto: Lindenau-Museum

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Zwei Werke ­Alfred Ahners (1890 – 1973), die jahrzehntelang im Büro des Wintersdorfer Bürgermeisters hingen, sind nun von der Erbin Bettina Geißler dem Lindenau-Museum Altenburg geschenkt worden. Vor wenigen Tagen wurden sie von Mitarbeitern des Museums aus dem Gemeindehaus in Wintersdorf nach Altenburg überführt.

Bereits 92 Werke im Bestand

Dort können die zarte Pastellzeichnung „Wintersdorfer Landschaft – Blick auf Fortschritt“ von 1945 und die in Ölfarben dunkeltonig gemalte und Mitte der 1950er Jahre entstandene „Nächtliche Tagebaulandschaft bei Wintersdorf“ konservatorisch angemessen aufbewahrt werden und bilden eine glückliche Ergänzung des bereits vorhandenen Ahner-Bestandes.

Dieser umfasst derzeit insgesamt 92 Werke, vor allem Zeichnungen und Aquarelle, aber auch vier Gemälde. Im Lindenau-Museum werden darüber hinaus weitere 50 Werke des Künstlers, darunter zahlreiche Gemälde, als Dauerleihgaben der Erben aufbewahrt.

Alfred Ahner, geboren 1890 in Wintersdorf, darf heute als einer der bedeutendsten Thüringer Künstler des 20. Jahrhunderts gelten.

Vor dem Ersten Weltkrieg arbeitete er intensiv an seiner künstlerischen Ausbildung, war nach einer Lehre als Lithograf zunächst in Gera tätig, wo er unter anderen Otto Dix kennenlernte. Anschließend studierte er erst an einer Münchner Privatschule, dann an der dortigen Akademie und wohnte im Bohème-Viertel Schwabing. Ahner begegnete Schriftstellern und Künstlern wie Frank Wedekind, Alexander Roda Roda, Emmy Hennings und Albert Weisgerber. Er schreibt: „Überall habe ich gezeichnet und studiert: in den Cafés, in den Galerien und Museen […]“.

Es folgte ein Studienaufenthalt an der Stuttgarter Akademie. Den Ersten Weltkrieg durchlebte Ahner als Sanitätssoldat, Ende 1918 kehrte er nach Wintersdorf zurück und arbeitete nachts als Pumpenwärter im Braunkohlentagebau. Seine Faszination für die Industrienächte mit ihren besonderen Lichtstimmungen bestimmt auch die dem Museum geschenkte „Nächtliche Tagebaulandschaft bei Wintersdorf“. 1922 siedelte Ahner mit seiner Familie nach Weimar über, um dort fortan als freier Künstler tätig zu sein. Immer wieder zog es ihn zu Besuchen nach Wintersdorf.

Alfred Ahner, oft als Chronist seiner Zeit bezeichnet, setzte alles ins Bild, was ihm bemerkenswert erschien und hielt es darüber hinaus in zahlreichen Tagebucheinträgen und Briefen fest. In Bildnissen und Kaffeehausszenen porträtierte er seine Zeitgenossen, Stadtansichten und (Tagebau-)Landschaften zeigen seine Thüringer Umgebung. Viele Werke des politischen Künstlers, der sich konsequent gegen die nationalsozialistische Ideologie stellte, schlagen einen sozialkritischen Ton an.

Symbolische Unterstützung bei der Abnahme der beiden Ahner-Werke im Wintersdorfer Gemeindehaus leistete der ehemalige Ortsteilbürgermeister Thomas Reimann. Kurz nach seinem Amtsantritt im Jahr 1990 hatte er gemeinsam mit der Tochter des Künstlers, Eva-Maria Ahner, den Leihvertrag für beide Arbeiten neu aufgesetzt, um ihren Verbleib im Gemeindehaus zu gewährleisten. Dieser Vertrag mit der Stadt Meuselwitz wurde nun einvernehmlich aufgelöst, um die Schenkung zu ermöglichen.

Arbeiten von Alfred Ahner hat nicht nur das Lindenau-Museum, sondern sind unter anderem auch im Bestand der Stiftung Moritzburg – Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt, des Angermuseums Erfurt, der Sächsischen Landesbibliothek, Staats- und Universitätsbibliothek Dresden sowie der Ahner-Stiftung Weimar.

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