Zweiter Pendlertag im Landratsamt Altenburg stellt die Vorzüge der Heimat in den Vordergrund

Altenburg  Gestriger Pendlertag stand unter dem Motto „Schluss mit Pendeln – zurück in die Heimat“

Auf dem Bahnhof Weimar steigen viele Reisende in Richtung Ostthüringen um. Oft verpassen Pendler bei minimalen Verspätungen ihrer Züge die Anschlussbahnen in Richtung Gera.

Auf dem Bahnhof Weimar steigen viele Reisende in Richtung Ostthüringen um. Oft verpassen Pendler bei minimalen Verspätungen ihrer Züge die Anschlussbahnen in Richtung Gera.

Foto: Tino Zippel

„Der Bewerbungsmarkt hat sich verändert, Fachkräfte werden fast überall gesucht“, sagt Anna Elisabeth Rinke von der Thüringer Agentur für Fachkräftegewinnung (ThAFF). Darum sei auch die Bedeutung des Anschreibens in der Bewerbungsmappe enorm gesunken, die Qualifikation steht im Vordergrund. Unter dem Motto „Schluss mit Pendeln – zurück in die Heimat“ stand der zweite Pendlertag im Landratsamt am gestrigen Nachmittag.

Unter den Einheimischen, die Pendlerdasein aufgeben wollen, ist auch Lara. Sie hat zehn Jahre lang in Hessen gelebt und gearbeitet, ist erst im vergangenen Oktober zurück nach Altenburg gezogen, der fünfjährigen Tochter zuliebe. Doch vor kurzem hat die Bürofachkraft im öffentlichen Dienst ihren Job verloren. „Überall heißt es, es werden Fachkräfte gesucht. Jetzt stehe ich hier und finde keine Arbeit“, sagt sie. Lara wünscht sich, dass auch Firmen vor Ort wären, doch das ist im Programm des Pendlertages nicht vorgesehen. Aber sie erhält auch so viele Tipps und Hinweise, die ihr bei der weiteren Suche behilflich sind.

„Wir bereiten eben die Fachkräftemessen vor, die im Februar in Schmölln und im März in Altenburg anlaufen“, sagt Michael Apel, der Chef der Wirtschaftsförderung im Landratsamt. Sein Beratungstisch ist einer von vieren im Landschaftssaal, an dem die Besucher Platz nehmen können. „Bei den Messen werden ganz bestimmt über 50 verschiedene Arbeitgeber vertreten sein“, so Apel.

Er höre erstmal zu und versuche, die Motivation der Bewerber herauszufinden und was gesucht wird. Man wolle eine Atmosphäre des Willkommenseins verbreiten. Viele Unternehmen hätten inzwischen gemerkt, dass es nicht ausreiche, einen Hauch über Mindestlohn zu zahlen. Dabei gebe es zahlreiche offene Stellen zu besetzen. „Wir haben alles, von Ingenieur bis Fließband.“ Man werbe auch mit den günstigen Kita-Plätzen, der entspannten Immobilienlage und dem reichen kulturellen Leben, das relativiere das Lohngefälle. Wichtiger Teil des Gesamtpaketes sei das familiäre Netzwerk, dass die Rückkehrer hier genießen. Apel rät vielfach zu Initiativ-Bewerbungen und verweist auf Unternehmen, die eben nicht in den einschlägigen Job-Börsen im Internet zu finden sind.

Eigene Jobbörsen können außer der ThAFF an diesem Tag die Bundesagentur für Arbeit Altenburg und die Handwerkskammer (HWK) Ostthüringen vorweisen, die ebenfalls mit einem Stand vertreten sind. „Ich hatte letztes Jahr viele hier sitzen, die sagten, ich verzichte lieber auf zwei oder drei Euro Stundenlohn und sehe dafür jeden Tag die Familie statt nur am Wochenende“, sagt HWK-Berater Hans-Gerhard Freimann. Er hat im Vorfeld extra 30 Handwerksbetriebe besucht und von 14 positive Rückmeldungen erhalten. Diese offenen Stellen, die bislang fast nirgends ausgeschrieben waren, hat er mitgebracht. Dazu noch einen Computer, mit dem er auf tausende weitere in Thüringen zugreifen kann. Die Hindernisse der Arbeitgeber liegen seiner Ansicht nach in der oft schlechten Internetverbindung und dem öffentlichen Nahverkehr.

Tipps für die Bewerbung

Der Lebenslauf sollte nie länger als zwei Seiten sein, rät Anna Elisabeth Rinke von der ThAFF. Ein Foto darf vom Unternehmen nicht verlangt werden, ist aber erwünscht. Es gilt die Devise „viel hilft nicht immer viel“. Wichtig sei die Aussagekraft, dass alle relevanten Informationen enthalten sind. Das zeige auch, dass der Bewerber in der Lage ist, wichtiges von unwichtigem zu trennen. Gut hat es, wer ein Alleinstellungsmerkmal vorweisen kann, wie eine andere Sprache als Englisch oder eine besondere Fähigkeit. Dies sollte aber auch einen Bezug zur gewünschten Stelle haben. Ein lückenloser Lebenslauf baut beim zukünftigen Arbeitgeber Vertrauen auf. Das Anschreiben sollte mit einer persönlichen Anrede beginnen und nicht mit „Sehr geehrte Damen und Herren“.

Zu den Kommentaren