Braurecht für Vorgänger des Schützenvereins in Bad Lobenstein

Unterlemnitz.  Unterhaltsamer Blick auf die Historie während der Festveranstaltung zum 30-jährigen Vereinsjubiläum

Von der ersten Stunde an über 30 Jahre treue Vereinsmitglieder: Detlef Albrecht, Uwe Rostalski, Walter und Monika Weise, Günter Senf, Jürgen Tischer und Peter Störig (von links).

Von der ersten Stunde an über 30 Jahre treue Vereinsmitglieder: Detlef Albrecht, Uwe Rostalski, Walter und Monika Weise, Günter Senf, Jürgen Tischer und Peter Störig (von links).

Foto: Peter Hagen

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Die Jubiläumsfeier war nicht zu überhören, mit lautstarken Böllerschüssen begann am Samstag die Festveranstaltung zum 30-jährigen Bestehen des Lobensteiner Schützenvereins im Unterlemnitzer Hotel „Silbertau“. Es wurde ein Abend der Erinnerungen, Ehrungen und der Vertiefung von Freundschaften unter Schützenbrüdern über Grenzen hinweg.

Scheibenschießen in Klein Friesa

Die Glückwünsche des derzeit 48 Mitglieder zählenden Vereins galten zunächst dessen Vorsitzenden Peter Störig, der nicht nur seit Gründung im Januar 1990 als Vorsitzender tätig ist, sondern jetzt auch seinen 65. Geburtstag hatte. Ihm war es zu verdanken, dass sich am 15. Januar 1990 die 15 Gründungsmitglieder in der inzwischen abgerissenen Baracken-Gaststätte am Sportplatz zusammenfanden und beschlossen, künftig gemeinsam den Schießsport auszuüben. „Wir waren der erste Schützenverein in Thüringen nach der Wende“, erinnerte Jürgen Tischer in seinem Rückblick auf die Historie. Der Ursprung reiche aber nach heutigem Kenntnisstand weit zurück ins Jahr 1772, als der Sattlermeister Christoph Korb ein erstes Scheibenschießen in Klein Friesa abhielt. Das erste Vogelschießen habe 1774 stattgefunden – allerdings in Kießling, weil die Veranstaltung in Lobenstein nicht erlaubt worden war.

Erste Fahne 1782 gestickt

„Eine Komtess Reuß stickte 1782 die erste Fahne, die heute in unserem Schützenhaus zu sehen ist“, berichtete Jürgen Tischer und überraschte viele der Gäste mit der Information, dass den Schützen im Jahr 1782 sogar das Braurecht verliehen worden war. Nach dem Krieg ruhte auf Weisung der Alliierten zunächst das Vereinsleben, bis 1952 der Schießsport in Lobenstein unter dem Dach der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) wieder aufleben durfte. Es stellten sich sportliche Erfolge vom Bezirksmeister bis zum DDR-Meistertitel ein.

Schützenhaus große Herausforderung

Sein erstes Domizil hatte der neugegründete Lobensteiner Schützenverein in einer Baracke, die mit Fußballern geteilt werden musste. Trainiert wurde anfangs in der Turnhalle mit dem Luftgewehr auf der Zehn-Meter-Distanz. Schon 1990 gab es das erste Schützenfest, dem 24 weitere folgten. Bei der Suche nach einem geeigneteren Domizil, wofür sogar ein ehemaliger Schweinestall und der damalige Altstoffhandel in Erwägung gezogen worden waren, gab es schließlich mit dem ehemaligen Ferienlager der Lederfabrik Hirschberg eine Lösung und die größte Herausforderung in der Vereinsgeschichte zugleich. Denn mit einem 180.000-DM-Kredit wurde das Projekt in Angriff genommen, eine Jugendbegegnungsstätte zu schaffen, mit der durch Übernachtungsgäste Einnahmen zu erzielen waren. Seit 2018 ist der Kredit nebst Zinsen abbezahlt.

Keine Nachwuchssorgen

Nachwuchssorgen hat der Schützenverein nicht. „Wir haben eine Jugendgruppe und regen Zulauf“, freute sich Detlef Albrecht und überreichte zur Festveranstaltung der achtjährigen Jule Dittmar und der 13-jährigen Sophia May ihre Aufnahmeurkunden. Speziell für die Kinder hatte der Verein vor drei Jahren eine Bogenschießanlage errichtet, an der die Sichtungstrainerin Steffi Gräser regelmäßig Ausschau nach Talenten hält.

EU fördert Projekt mit Cheb

Geschossen wird über Ländergrenzen hinweg – und das im tiefsten freundschaftlichen Sinne. „Auf den Spuren von Robin Hood im sportlichen und kulturellen Geiste“, heißt das von der Europäischen Union geförderte Projekt, das dem Ausbau der partnerschaftlichen Beziehung zwischen dem Lobensteiner Schützenverein und dem Střelecký Klub AVZO Cheb dient. „Gerade in strukturschwachen Regionen ist die Zusammenarbeit zwischen den Vereinen überlebensnotwendig“, sagte Projektkoordinator Jens-Uwe Merx. Über die gegenseitigen Besuche zum sportlichen Kräftemessen hinaus seien die Mitglieder beider Vereine menschlich nähergekommen. „Uns verbinden nicht allein der schöne Sport, sondern auch viele Fragen des Alltags“, so die Erfahrung von Tomáš Kožený, Vorsitzender des AVZO Cheb.

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