Der Katastrophe im Wald bei Grumbach auf der Spur

Grumbach.  Trockenheit und Borkenkäfer zerstören derzeit ein Generationenwerk

Revierförster Jan Arnold (r.) und „Waldläufer“ Lutz Oelschlegel im Revier bei Grumbach.

Revierförster Jan Arnold (r.) und „Waldläufer“ Lutz Oelschlegel im Revier bei Grumbach.

Foto: Peter Hagen

„Es ist die größte Massenvermehrung des Borkenkäfers seit dem Zweiten Weltkrieg“, sagt Lutz Oelschlegel. Der 57-Jährige ist Funktionsbeamter beim Forstamt Schleiz und weiß, wovon er spricht. Denn der Wald ist seit Jahrzehnten sein Arbeitsplatz.

In diesem Jahr ist er regelmäßig in einem Revier bei Grumbach unterwegs, das von der Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH (BVVG) bewirtschaftet wird. Es handelt sich um jenes Revier, das als Stilllegungsfläche im Gespräch ist. Was seit Monaten für Proteste sorgt. Doch das ist nicht das Thema, das Lutz Oelschlegel umtreibt. Mit Karte, Farbdose und geübtem Blick durchstreift er die Bestände um jene Bäume zu markieren, die nicht mehr zu retten sind – vom Borkenkäfer dem Tode geweiht.

Ein gigantisches Wasserdefizit

„Es war an sich ein eher normaler Thüringer Sommer“, blickt Revierförster Jan Arnold auf die vergangenen Monate zurück, „aber das Frühjahr ist einmal mehr zu trocken gewesen.“ Der Wald kämpfe seit den Vorjahren mit einem durchschnittlichen Wasserdefizit von 300 bis 400 Litern pro Quadratmeter. Das würden auch einige verregnete Tage, die es jetzt gegeben hatte, nicht so schnell ausgleichen. „Diese Trockenheit ist nicht nur in Thüringen, sondern überregional ein Problem“, stellt Arnold fest. Wobei es durchaus regionale Unterschiede gäbe. So seien die Reviere beispielsweise von Heberndorf bis Leutenberg deutlich schlimmer dran als jene im Raum Gefell.

Folgen eines Klimawandels

„In Sachsen ist die Fichte ab bestimmten Höhenlagen verloren“, lässt Jan Arnold keinen Zweifel daran, dass wir derzeit die Folgen eines Klimawandels erleben. Die Käferpopulation sei „einfach gigantisch“, meint Arnold. „Selbst ein komplett verregneter Sommer könnte das Wasserdefizit nicht so weit dezimieren, wie es nötig wäre.“ Diese Trockenheit macht dem Borkenkäfer das Leben leicht und beschleunigt dessen Population. „Ein weiblicher Käfer schafft es, in einer Saison für bis zu 250.000 Nachkommen zu sorgen“, beschreibt der Revierförster anschaulich, was da zurzeit in den Wäldern passiert, „diese Menge ist eine reine Katastrophe.“

„Waldläufer“ hält Ausschau

Der Laie erkennt nicht sofort, wie schlimm es bereits um die grüne Lunge Deutschlands bestellt ist. Denn tot sind nicht nur jene Fichten, die sich mit einem braunen Nadelkleid zeigen. Selbst wenn der Baum noch dunkelgrün dasteht, kann der Borkenkäfer schon über diesen hergefallen sein und sein vernichtendes Werk begonnen haben. Das zu erkennen ist die Aufgabe von Lutz Oelschlegel, der als „Waldläufer“ mit geübtem Blick nach dem Käfer Ausschau hält. Die Bestände bei Grumbach kennt er bestens. Er wohnt nicht nur in dem kleinen Ort, wo der Winter im Saale-Orla-Kreis stets zuerst Einzug hält. Sondern er war dort auch jahrelang als Revierförster tätig gewesen. Viel hat er während seiner Tätigkeit im Forst seit 1980 erlebt. Nur nicht das, was jetzt passiert.

Farbe markiert den Tod

„Nicht nur vergilbte Kronen weisen auf den Borkenkäferbefall hin“, erklärt Lutz Oelschlegel, „auch am Stamm und auf dem Waldboden lässt sich das erkennen.“ Denn der Experte sieht sofort, wo sich Einbohrlöcher und der entsprechende Bohrmehl-Auswurf befinden. „Der Kupferstecher zum Beispiel fängt sein Werk von oben an.“ Ist ein Baum befallen, greift Lutz Oelschlegel zur Spraydose und markiert den Stamm. „Mit gewaltigem Herzschmerz“, wie er gesteht. Schließlich werde da gerade ein Generationenwerk zerstört. „Was unsere Eltern und Großeltern als alten Wald kannten, wird so nicht bleiben“, glaubt Jan Arnold, „als Mensch stehen wir da momentan machtlos daneben.“

Holzpreise tief im Keller

Der Schaden in der Natur ist die eine Seite. Die wirtschaftlichen Folgen eine andere. „Die Holzpreise sind im Keller, das geht auch an der BVVG nicht spurlos vorbei“, erklärt der Revierförster, dass hier das Leid mit den Privatwaldbesitzern geteilt werde. Inzwischen gebe es Sortimente, die einfach nicht mehr absetzbar wären. Die Sägewerke in Friesau und Ullersreuth sowie die ZPR als die drei großen Abnehmer in der Region seien voll. Neben dem Holz aus den heimischen Wäldern dränge auch noch Holz aus Tschechien auf den Markt. „Wenn da ein Privatwaldbesitzer den Einschlag von Schadholz geradeso aus dem Verkaufserlös decken kann, ist er schon gut dran“, beschreibt Jan Arnold die Lage auf dem Markt.